Das Dach des Mariendoms muss saniert werden. Noch ist aber unklar, welche Methode die richtige ist – Bleiversiegelung oder Betonanstrich?

Kirche
Felsenartig erhebt sich das Dach des Mariendoms über den Dächern von Neviges. Der Bau aus einem Guß leidet unter Spannungen, die zu Rissen führen.

Felsenartig erhebt sich das Dach des Mariendoms über den Dächern von Neviges. Der Bau aus einem Guß leidet unter Spannungen, die zu Rissen führen.

Simone Bahrmann

Felsenartig erhebt sich das Dach des Mariendoms über den Dächern von Neviges. Der Bau aus einem Guß leidet unter Spannungen, die zu Rissen führen.

Neviges. Martin Struck, Erzdiözesanbaumeister in Köln, kennt die Stellen genau. „Auf der Hälfte des Mittelgangs in den linken Bankreihen – da tropft es.“ Aber auch im Chor des Mariendoms und in der Gnadenkapelle mit dem Bild von Maria Immaculata wird es regelmäßig feucht. Das Dach des zweitgrößten Kirchenbaus in Deutschland nach dem Kölner Dom ist undicht.

Spannungen in der Betonkonstruktion führen zu Rissen

Das Problem ist schon einige Jahre bekannt. Schuld ist der Beton. „Bei einem solch großen Bau, der in einem Guss entstanden ist, kann es zu Spannungen kommen, die zu Rissen führen“, sagt Architekt Peter Böhm, Sohn des Erbauers des Nevigeser Doms Gottfried Böhm, der das monumentale Gebäude vor 44 Jahren entwarf. Daran, dass Beton – damals ein bevorzugtes Material von Gottfried Böhm – einmal Probleme schaffen könnte, hatte in den 1960er-Jahren niemand gedacht. Geweiht wurde der Mariendom 1968.

Der ehemalige Wallfahrtsleiter Herbert Schneider erinnert sich, dass in seiner Amtszeit das undichte Dach schon einmal Thema war. 2007 waren auch am Pilgerhaus, das vier Jahre nach der Wallfahrtskirche ebenfalls aus Beton gebaut wurde, Feuchtigkeitsschäden aufgetreten. „Da wurde auch festgestellt, dass das Dach des Doms, das sich felsenartig erhebt, nicht mehr dicht ist.“

Jetzt wird experimentiert, welche Reparaturmethode die geeignete ist. Es gibt zwei Varianten: Entweder wird das Dach durch Blei versiegelt oder durch einen Betonanstrich. Peter Böhm favorisiert die Betonvariante. „Wir haben schon einen Probeanstrich vorgenommen“, sagt er. Die Technische Hochschule in Aachen unterstützt die Arbeiten. „Wir wollen eine neue Technologie einsetzen. Der Dom soll auf Dauer dicht bleiben.“ Als das Gebäude im vergangenen Jahr eingerüstet war, hatte man Proben genommen. „Doch einen Entschluss haben wir noch nicht gefasst“, sagt Böhm.

Die Optik des Sakralbaus soll auf jeden Fall erhalten werden

Wichtig ist Erbauer Gottfried Böhm und seinem Sohn Peter, dass die Optik des Mariendoms erhalten bleibt. In den 1980er- Jahren war das Dach der Wallfahrtskirche schon einmal undicht gewesen. Man habe damals mit einem Betonanstrich versucht, den Schaden zu beheben. Da habe sich aber die Farbe des Dachs von den Wänden abgehoben. „Die Kunstfreunde in ganz Deutschland waren darüber empört“, erinnert sich Baumeister Struck. Das Kapitel habe sich aber von allein gegeben. Denn die Dachfläche vermooste, die Unterschiede wurden unsichtbar.

Die neue Wallfahrtskirche „Maria Königin des Friedens“ wurde von Gottfried Böhm entworfen und am 23. Mai 1968 geweiht.


Für den Mariendom erhielt der Kölner Architekt 1986 den Architektur-Oscar, den Pritzker-Preis.

Nachdem die alte Wallfahrtskirche Mariä Empfängnis für den Pilgerstrom zu klein geworden war, erteilte der damalige Erzbischof Joseph Kardinal Frings 1959 an Architekten den Auftrag, ein monumentales Kirchengebäude zu errichten. Die ersten Pläne enttäuschten den Erzbischof.

Architekt Gottfried Böhm (heute 92 Jahre alt) überarbeitete seine Pläne und erhielt den Zuschlag für den „Betonfelsen“. Der Dom hat 900 Sitzplätze und mehr als 2000 Stehplätze.

Nicht der Mariendom allein hat das Betonproblem. Auch St. Gertrud in Köln, ebenfalls von Gottfried Böhm geschaffen, war undicht, erhielt eine Bleihaube. Die Reparaturen könnten frühestens im Sommer vorgenommen werden. Über die Höhe der Kosten ist noch nichts bekannt. Die zahlt das Erzbistum. Erzdiözesanbaumeister Struck: „Wir hoffen, dass wir im Juni Ergebnisse haben.“

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