Derzeit läuft die Ausschreibung für die Bauarbeiten. Eine Fläche von etwa 800 Quadratmetern wird mit Carbontextil und Epoxidharz neu abgedichtet.

Derzeit läuft die Ausschreibung für die Bauarbeiten. Eine Fläche von etwa 800 Quadratmetern wird mit Carbontextil und Epoxidharz neu abgedichtet.
Das bereits sanierte Dach des Doms über der Sakramentkapelle (r.) fällt beim Blick von der Buchenstraße direkt ins Auge und wird mit der Zeit ebenfalls Patina ansetzen. Archiv

Das bereits sanierte Dach des Doms über der Sakramentkapelle (r.) fällt beim Blick von der Buchenstraße direkt ins Auge und wird mit der Zeit ebenfalls Patina ansetzen. Archiv

Ulrich Bangert

Das bereits sanierte Dach des Doms über der Sakramentkapelle (r.) fällt beim Blick von der Buchenstraße direkt ins Auge und wird mit der Zeit ebenfalls Patina ansetzen. Archiv

Neviges. Die Sanierung am Dach des Mariendoms gehen in diesem Jahr weiter. „Momentan laufen die Ausschreibungen für einen zweiten Sanierungsabschnitt“, teilte Erzdiözesanbaumeister Martin Struck der Westdeutschen Zeitung auf Nachfrage mit. Im rückwärtigen Bereich, im Anschluss an die bereits sanierte Fläche, wird über der Sakramentskapelle ein Abschnitt von rund 800 Quadratmetern bearbeitet. „Diese Arbeiten sollen im Wesentlichen die Kirchennutzung während des Jubiläumsjahres nicht beeinträchtigen. Dabei dürften bei der Aufstellung des Gerüstes und dem Entfernen des vorhandenen Alt-Belags Lärmbelastungen nicht auszuschließen sein. Sobald das mit den Arbeiten zu beauftragende Unternehmen feststeht, wahrscheinlich Ende Januar, werden wir konkrete Maßnahmen zur Eindämmung dieses unvermeidlichen Baustellenlärms planen.“

Das Dach wird mit Carbontextil eingedeckt. „Das ist reiner Kohlenstoff und 70 Mal zugfester als Stahl“, beschrieb Dombaumeister Struck die Eigenschaft des Hightech-Materials im vergangenen Jahr als er vor dem Förderverein Nevigeser Wallfahrtsstätten über die ersten Erfahrungen mit der neuen Methode berichtete. Auf das Carbontextil wird anschließend Epoxidharz in mehreren Schichten aufgebracht und geglättet. Zum Schluss wird die Optik wieder hergestellt, die einst die Schalungsbretter dem Beton gaben.

Aufmerksam verfolgt wird die Vorgehensweise von Dieter Neuhäuser. Der Wülfrather vertreibt ein Abdichtsystem, bei dem es sich um ein auf Wasserbasis konfektioniertes 1-K-Membransystem mit keramischen Füllpartikeln handelt.

„Diese Arbeiten sollen im Wesentlichen die Kirchennutzung während des Jubiläumsjahres nicht beeinträchtigen.“

Matrin Struck, Erzdiözesanbaumeister

„Das baut eine nahtlose, dauerhaft flexible, UV-beständige, Wärmestrahlung brechende und reflektierende, hochhaftende Schutzschicht auf. Der altweiße Grundfarbton lässt sich zudem mittels mineralischer Pigmentierung individuell anpassen“, so der Geschäftsführer der Firma NovoTech Industrieservice, der unter anderem auf die guten Erfahrung bei der Abdichtung eines Kirchendaches in Indonesien verweist. „Das hält seit sieben Jahren, und da sind heftige Monsumregenfälle hinweggegangen, dazu kommt eine höhere UV-Strahlung.“

Der Argumentationen des Industrievertreters kann der Dombaumeister nicht folgen. Er hätte lieber Prüfzeugnisse gesehen, die Dehnbarkeit, UV-und Witterungs-Beständigkeit oder Nicht-Brennbarkeit des Acrylates mit bauaufsichtlicher Zulassung belegen. Ebenso wäre er an Referenzen vom deutschen Markt interessiert. „Zunächst einmal würden wir - wenn überhaupt – auf entsprechende Abdichtungssysteme zurückgreifen, die sich in Deutschland bewährt haben. Allerdings sind alle unsere Versuche mit diesen Materialien, die von der Denkmalpflege und den Zuschussgebern geforderte, mineralische Oberflächenanmutung und Schalbrettstruktur herzustellen, nicht erfolgreich gewesen“, so die Antwort aus Köln.

„Das ist der typische Beweis, dass Baumaßnahmen der öffentlichen Hand – wozu ich auch die Kirche zähle – aus dem Ruder laufen“, so Neuhäuser. Er ist enttäuscht, dass noch nicht einmal eine Testfläche angelegt wurde. „Das ist offenbar mit zwölf Euro pro Quadratmeter zu billig.“

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