Jamil Alhalbouni (31) floh vor fast drei Jahren aus seiner Heimat. In Neviges erfährt er große Hilfe. Nun möchte er seine Frau und die beiden Töchter nachholen.

Jamil Alhalbouni (31) floh vor fast drei Jahren aus seiner Heimat. In Neviges erfährt er große Hilfe. Nun möchte er seine Frau und die beiden Töchter nachholen.
Über sein Smartphone hält Jamil Alhalbouni (l.) Kontakt zu seinen Töchtern und seiner Frau. Mechthild Fochtmann und Wilhelm Funken hoffen, dass der Syrer bald seine Familie in die Arme schließen kann.

Über sein Smartphone hält Jamil Alhalbouni (l.) Kontakt zu seinen Töchtern und seiner Frau. Mechthild Fochtmann und Wilhelm Funken hoffen, dass der Syrer bald seine Familie in die Arme schließen kann.

Ulrich Bangert

Über sein Smartphone hält Jamil Alhalbouni (l.) Kontakt zu seinen Töchtern und seiner Frau. Mechthild Fochtmann und Wilhelm Funken hoffen, dass der Syrer bald seine Familie in die Arme schließen kann.

Neviges. „Ich finde Weihnachten schön, das ist eine schöne Kultur.“ Der Syrer Jamil Alhalbouni erlebt zum dritten Mal, wie in Deutschland geschmückte Tannenbäume aufgestellt werden und Lichter aller Art die Dunkelheit erhellen. Und er bekommt mit, wie die Familien an den Feiertagen zusammenkommen. Das ist sein großer Wunsch: Nach fast drei Jahren möchte er wieder seine Frau Ghazal und seine beiden vier- und sechsjährigen Töchter Afas und Laian in die Arme schließen. Derzeit befinden sie sich im Nordirak. Nachdem Jamil Alhalbouni als Flüchtling anerkannt wurde, haben seine Frau und Kinder das heimatliche Damaskus verlassen und beim deutschen Konsulat in Erbil ein Visum beantragt. Sie wohnen in einem Motel und warten darauf, dass ihnen die deutschen Behörden die ersehnten Reisedokumente überreichen.

Sein jüngerer Bruder saß erst im Gefängnis, dann kam er ums Leben

Der 31-Jährige möchte mit seiner Familie in Deutschland leben. „In Syrien sehe ich keine Zukunft für meine Kinder. Ich möchte, dass sie hier zur Schule gehen und einen Beruf erlernen oder studieren“, wünscht sich der Familienvater, der sich irgendwann einen deutschen Schwiegersohn vorstellen kann. 2015 ist Jamil Alhalbouni aus Damaskus nicht nur vor dem Krieg geflohen, er und seine Familie sind in den Fokus der Getreuen von Diktator Assad geraten. „Mein jüngerer Bruder war erst im Gefängnis und ist dann umgekommen.“

Mit dem Flugzeug reiste er zusammen mit einem Freund in die Türkei. 1000 Dollar zahlten sie einem Schlepper für die Überfahrt zu einer griechischen Insel, in einem acht Meter langen Boot mit 43 Erwachsenen und etlichen Kindern. Über Athen, Mazedonien, Serbien, Kroatien, Slowenien und Österreich kam er mit Bus und zu Fuß nach Deutschland, zuerst nach Stuttgart. Weitere Stationen waren Burbach und Herne, bis er schließlich in Neviges landete.

„Da hatten wir plötzlich neue Nachbarn im ehemaligen Krankenhaus und dachten, wir müssen was tun“, so Wilhelm Funken. Er fand andere Mitstreiter aus der Pfarrgemeinde, die ein erstes Treffen mit den Asylbewerbern organisierten. Daraus entstand der Lerntreff. „Als Ergänzung zu den Sprachkursen haben wir zum Beispiel Vokabeln und die Aussprache geübt“, sagt Mechthild Fochtmann zu den Aufgaben, die über Grammatik und Phonetik hinausgingen. „Zuletzt haben wir gemeinsam gebacken.“

„Das war schon eine Herausforderung“, räumt der gläubige Katholik Funken ein. „Papst Franziskus hat es vorgemacht, auf die Flüchtlinge zuzugehen. Er hat uns richtig motiviert, uns ohne Vorbehalte um die Menschen zu kümmern.“ Die Nevigeserin hat erfahren: „Ich hatte viele Vorbehalte gehört, aber nachdem ich die Flüchtlinge kennenlernte, hatte ich keine mehr.“

Die Vermittlung von Sprache ist nicht die einzige Aufgabe

Im interreligiösen Austausch wurde festgestellt, dass beide Religionen gemeinsame Wurzeln haben. „Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht“, so Funken zum Lerntreff. „Die Aufgabe ist noch nicht vorbei, es liegt noch einiges vor uns, denn die Integration geht weiter. Es geht nicht nur um die Vermittlung von Sprache. Wir werden die Familie begleiten und helfen, wenn es um Kindergarten, Schule und größerer Wohnung geht.“

Jamil, der in Syrien als Klimatechniker, Koch und Autopolsterer gearbeitet hatte, lebt mittlerweile mit einem Landsmann in einer Wohnung in Langenberg, in Wülfrath macht er eine Weiterbildung zum Techniker für Sprinkleranlagen. Das Weihnachtsfest erlebt der Fremde, der inzwischen zum Freund wurde, im Kreise der Familie Fochtmann.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer