Wie funktioniert Luxus im Billigboom – zum Beispiel beim „Frühlingserwachen“?

KreativMarkt
„Einzeln und von Hand gefertigt“ sind die Werke, die Stiftemacher Thomas W. Dieker auf dem Kreativmarkt in Neviges anbietet.

„Einzeln und von Hand gefertigt“ sind die Werke, die Stiftemacher Thomas W. Dieker auf dem Kreativmarkt in Neviges anbietet.

Simone Bahrmann

„Einzeln und von Hand gefertigt“ sind die Werke, die Stiftemacher Thomas W. Dieker auf dem Kreativmarkt in Neviges anbietet.

Neviges. Der Duden definiert Luxus als „kostspieligen Aufwand, der den normalen Rahmen der Lebenshaltung übersteigt.“ Er sei nicht notwendig und werde „nur zum Vergnügen betrieben“.

Warum sollte man sich also einen Saphir-Ring für 2500 Euro, einen Kugelschreiber aus Rosenholz für 130 Euro oder eine Handtasche für 150 Euro kaufen? Beim Kreativmarkt „Frühlingserwachen“ an der Nevigeser Vorburg ging die WZ der Frage nach, inwieweit Luxus angesichts von Spardiskussionen und Billigboom noch funktioniert.

„Die Besucher in Neviges sind wirklich interessiert“

„Die Mittelschicht ist weg“, merkt Zeno Ablass, Goldschmiedemeister aus Essen, bei seiner Kundschaft. Der Goldpreis ist gestiegen, entsprechend teurer wird der Schmuck. Er zeigt einen Ring, der als Edelstein einen zartgelben Lemon Citrin besitzt, flankiert von cognacfarbenen Brillanten. Kostet 2400 Euro und den Goldschmied zehn Stunden Arbeit. Wenn auch nicht seine Vitrine leergekauft werde, „der Markt in Neviges gefällt mir“, sagt Zeno Ablass, „weil die Besucher wirklich interessiert sind und man schöne Gespräche führen kann.“

Die Notizen für diesen Text wurden mit einem kostenlosen Werbekugelschreiber gemacht – robust, schmiert nicht, erfüllt seine Funktion. Gegen die Werke von Stiftemacher Thomas W. Dieker aus Dülmen jedoch kein Vergleich: „Es sind Unikate, jeder Stift ist einzeln von Hand gefertigt“, sagt Dieker, der in seinem Verkaufswagen im Innenhof an der Drechselmaschine steht.

Ob brasilianisches Rosenholz oder finnische Maserbirke: Die meisten Stifte – mit Schellack poliert – werden als Geschenk gekauft, sagt der Kunsthandwerker. „Denn die 100. Flasche Wein mitzubringen, ist langweilig.“ Aber auch Holzliebhaber schätzen seine Stifte, „man schreibt sorgfältiger damit.“

Der Kunsthandwerkermarkt wird veranstaltet von der Gelsenkirchener Eventagentur „Form und Art“. Sie organisiert in diesem Jahr in Neviges auch wieder die „Hardenberger Gartentage“ am 14. und 15. September sowie den „Laternenzauber“ am 16. und 17. November.

Etwa mit dem Drehkugelschreiber für 115 Euro aus Grenadille, einer afrikanischen Holzart, „die im Klarinettenbau verwendet wird“, erklärt der studierte Cellist und Organist, der auch Trends berücksichtigt – mit dem iPod-Eingabestift aus Buchsbaumholz für 50 Euro.

Schüsseln aus Olivenholz: Eine Premiere auf dem Markt

Koffi Kougblenou punktet ebenfalls mit Naturmaterialien: Aus Teak- und Olivenholz sind seine Schüsseln, Küchenutensilien und Teelichthalter, die der 40-Jährige zum ersten Mal in Neviges präsentiert. „Der Luxus ist nicht der Preis, sondern dass diese Produkte nicht jeder besitzt“, sagt der gelernte Tischler – zum Beispiel seine Kürbiskörbe aus Westafrika, die er in seiner Werkstatt in Rostock fertigt und die mit zehn Euro günstig zu haben sind.

Handtaschen: Intensive Farben sind angesagt

Wer es beim Tragen lieber klassisch mag, wird auf der Empore im Ostflügel fündig, auf der Susanne Schwertfeger Handtaschen offeriert. Intensive Farben wie Türkis, knalliges Grün und Maisgelb seien derzeit angesagt, erläutert die Händlerin aus Essen, zudem variable Trageformen wie Rucksacktaschen aus Kalbsleder und auffällige Accessoires wie goldene Riemen.

Der Schreiber gönnt sich zum Schluss auf dem Kunstmarkt allerdings einen ganz anderen Luxus – eine Crêpe mit Erdbeerkonfitüre. Soviel Extravaganz darf sein.

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