Die Forensik-Gegner kämpfen für das Idyll vor ihrer Haustür. Die WZ traf Anwohner zu einem Spaziergang.

Wandern gerne über die einsamen Wege: Claudia Brombach, Kai Schmidt, Armin Kromberg und Edelgard Weber (v.l.).
Wandern gerne über die einsamen Wege: Claudia Brombach, Kai Schmidt, Armin Kromberg und Edelgard Weber (v.l.).

Wandern gerne über die einsamen Wege: Claudia Brombach, Kai Schmidt, Armin Kromberg und Edelgard Weber (v.l.).

Natur pur: Fast nirgendwo im Umkreis haben Wanderer einen Weitblick wie auf der Kleinen Höhe.

Simone Bahrmann, Bild 1 von 2

Wandern gerne über die einsamen Wege: Claudia Brombach, Kai Schmidt, Armin Kromberg und Edelgard Weber (v.l.).

Neviges/Wuppertal. Wenn der Raps blüht, zeigt sich die Kleine Höhe von der schönsten Seite. Claudia Brombach spaziert liebend gern mit ihren Hunden durch das Meer aus gelben Blüten, das sich scheinbar bis zum Horizont erstreckt. „Ich habe das Gefühl, dass das hier oben noch ein Stück heile Welt ist“, sagt die 51-Jährige. Sie weiß, dass die Kleine Höhe vor ihrer Haustür nicht verschwinden wird, vielleicht aber dieses besondere Gefühl.

Seit 70 Jahren mit der Kleinen Höhe verbunden

Armin Kromberg zeigt auf eine Ackerfläche an der Nevigeser Straße. „Hier soll die Forensik hinkommen“, sagt er und lacht ein wenig, als könne es sich dabei eigentlich nur um einen Scherz handeln. Für den 78-jährigen Wuppertaler ist das grüne Areal zwischen dem Wuppertaler Katernberg und dem Nevigeser Rosenhügel, seit er vor 70 Jahren aus Berlin ins Bergische gezogen ist, ein Stückchen Heimat. Aus seiner Sicht wäre der Bau der Landeseinrichtung nur der Anfang vom Ende: „Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Gewerbegebiet kommt, das Wuppertal schon lange will.“

Für die Nevigeserin Edelgard Weber (59) ist die mögliche Bebauung des Areals seit Jahrzehnten eine ständige Bedrohung, die sich im Hinterkopf festgesetzt hat. Bislang ging alles gut. Windrad, Gewerbegebiet – immer wieder blieb das Areal verschont. Doch dann kam der 26. November des vergangenen Jahres, als Wuppertal und das Land NRW ihre gemeinsamen Pläne für die Kleine Höhe bekanntgaben, für dieses weite Gebiet, auf das Weber jeden Tag aus ihrem Arbeitszimmer schaut. „Das war ein Schock“, sagt sie. Seither ist wieder jeden Tag Recherchieren, Informieren und Kämpfen angesagt. „Ja, das bedeutet Stress, doch das ist es wert.“ Wegziehen von der Kleinen Höhe wäre für Edelgard Weber keine Option.

Kai Schmidt würde das nicht ausschließen. Möglichst wenige Nachbarn – das war dem 52-Jährigen besonders wichtig, als er und seine Frau sich vor zwölf Jahren das Haus direkt im Einzugsgebiet der Kleinen Höhe kauften. Jetzt könnte er bald ganz unerwartete Nachbarn bekommen. „Ich persönlich habe da weniger ein mulmiges Gefühl, aber meine Frau findet eine Forensik schon grenzwertig“, sagt der Vater eines zehnjährigen Sohnes. Er weist auf die ökologischen Folgen hin: „Was mich stört, ist, dass man mitten ins Grüne herein einfach eine Forensik baut.“

Brombach, Kromberg, Weber und Schmidt sind Mitglieder der Bürgeinitiative Kleine Höhe, weil sie ein Gedanke vereint: „Es ist noch nicht zu spät, den Prozess aufzuhalten“, sagt Edelgard Weber. Derzeit sammelt die 30-köpfige Gruppe Geld für ein Gegengutachten und eine juristische Beratung. Das angepeilte Ziel sind 20 000 Euro, nach eigenen Angaben sind bereits rund 16 500 Euro an Spenden zusammengekommen. Es wird kein leichter Weg, aber die Anwohner sind es von ihren Spaziergängen auf der Kleinen Höhe ja gewohnt, sich immer wieder gegen den Wind stemmen zu müssen.

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