Zwei Lions-Clubs ermöglichen der Bergischen Diakonie die Einführung des Neurofeedbacks. Das Verfahren verbessert die Selbstregulierung des Gehirns.

Zwei Lions-Clubs ermöglichen der Bergischen Diakonie die Einführung des Neurofeedbacks. Das Verfahren verbessert die Selbstregulierung des Gehirns.
Die Mitglieder der beiden Lions-Clubs als Spender und Führungskräfte der Diakonie informierten sich über das Verfahren.

Die Mitglieder der beiden Lions-Clubs als Spender und Führungskräfte der Diakonie informierten sich über das Verfahren.

Andreas Reiter

Die Mitglieder der beiden Lions-Clubs als Spender und Führungskräfte der Diakonie informierten sich über das Verfahren.

Wülfrath. Die Bergische Diakonie Aprath möchte bei ihrer Arbeit mit traumatisierten Kindern neue Wege gehen. „Wir werden das Verfahren Neurofeedback einführen“, sagte Sprecherin Renate Zanjani im Gespräch mit der WZ. Dabei bekommt die Einrichtung finanzielle Hilfe von den Mitgliedern der Lions-Clubs Mettmann-Wülfrath und Wuppertal-Corona. Gestern lud die Diakonie zu einem Vortrag von Dr. Meike Wiedemann, Neurobiologin der BEE Medic GmbH, ein. Sie berichtete den Spendern von dem Verfahren und den Vorzügen dieser Methode.

„Sie laufen besser, wenn Sie nicht darüber nachdenken, dass sie laufen.“

Dr. Meike Wiedemann, über die Selbstregulierung des Gehirns

In ihrer Begrüßungsrede dankte Dr. Dagmar Bäume, Chefärztin des Heilpädagogischen Zentrums, den Mitgliedern der Lions-Clubs und hob die große Hilfe im Rahmen der Therapie der Kinder und Jugendlichen hervor: „Den Kindern, die traumatisiert wurden, fehlen oft die Worte. Das Verfahren kommt ohne Worte aus.“

Dr. Meike Wiedemann, die bereits zum zweiten Mal als Gast der Bergischen Diakonie Aprath gekommen war, erläuterte, wie durch Neurofeedback die Selbstregulation des Gehirns verbessert werden kann – und welches breite Spektrum es an Möglichkeiten der Therapie von verschiedenen Problemen bietet. So wird das Verfahren unter anderem bei ADHS, Autismus, Angststörungen, Depressionen, Epilepsie, Migräne oder Schlafstörungen angewendet. Und das erfolgreich, wie die Referentin versicherte.

Zu ihren Patienten zählen auch Musiker und Leistungssportler, deren Namen sie natürlich nicht verriet. Sie nannte diesen Umstand „Fluch und Segen zugleich“, weil dies bei manchen Leuten den Eindruck vermittle, dass Neurofeedback eine Modeerscheinung sei. Dies treffe allerdings ganz und gar nicht zu, stellte die Ärztin mit Nachdruck fest.

Mit dem Neurofeedback wird eine therapeutische Nutzungsform des EEG (Elektro-Enzephalogramm) ermöglicht, in der dank moderner Signalverarbeitung, die Reizverarbeitungsprozesse des Gehirns nachvollziehbar werden und direkt in die therapeutische Intervention mit einbezogen werden können. Praktisch sieht es so aus, dass ein Patient Elektroden am Kopf befestigt bekommt, die „im millionstel Voltbereich“ Hirnströme messen, je nach Problem an verschiedenen Stellen des Gehirns. Der Patient schaut dabei auf eine Computeranimation, die alleine von seinen Gedanken – und damit Gehirnströmen – beeinflusst wird. So ist zum Beispiel ein Jetskifahrer zu sehen, der entsprechend schneller werden kann, die Wellen werden höher. Bei absinkender Konzentration wird er langsamer, das Bild ungenauer, die Wellen schwächer. „Das Gehirn interessiert sich für jede Veränderung, also wird die Konzentration unterstützt und somit das Bild spannender“, sagte Dr. Meike Wiedemann.

Der behandelnde Arzt wiederum sitzt an einem Bildschirm, der die gemessenen Werte anzeigt. Zuvor werden bei diesem System bestimmte Werte, die von die Therapie nötig sind, herausgefiltert. Dafür ist freilich eine besondere Expertise notwendig, wie die Ärztin erklärte. Die Ärzte des HPZ absolvieren Fortbildungen, damit sie das Verfahren optimal einsetzen können.

Die Referentin bot ihren Zuhörern an, Neurofeedback auszuprobieren. Eine Frau nahm an und war von dem Ergebnis sehr beeindruckt: „Können wir länger machen?“

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