Im Grenzgebiet zwischen Neviges und Wuppertal liegt die Kulturstätte, die in den 1920ern von FJVD-Mitgliedern gebaut wurde.

Im Grenzgebiet zwischen Neviges und Wuppertal liegt die Kulturstätte, die in den 1920ern von FJVD-Mitgliedern gebaut wurde.
Am Schanzenweg wollen Jonathan Ries und Daniela Saleth die Freilichtbühne aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.

Am Schanzenweg wollen Jonathan Ries und Daniela Saleth die Freilichtbühne aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.

Andreas Fischer

Am Schanzenweg wollen Jonathan Ries und Daniela Saleth die Freilichtbühne aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken.

Neviges/Wuppertal. Die Lage ist idyllisch: Zwischen Feldern und alten Bäumen liegt die Silvio-Gesell-Tagungsstätte an der Grenze zwischen Wuppertal und Neviges. Direkt neben dem Haus befindet sich die Freilichtbühne. „Die haben die Freiwirte in den 20er Jahren gebaut“, erzählt Jonathan Ries. Er möchte den schönen Kulturort, der in tiefen Dornröschenschlaf gefallen war, wieder herrichten. Das Haus geht zurück auf Anhänger von Silvio Gesell. Dieser brachte 1916 das Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ heraus. Darin forderte er gleiche Chancen für alle Menschen unabhängig von Vermögen, Stand, Rasse oder Religion. Jugendliche Fans dieser Freiwirtschaftslehre aus dem Bergischen Land und dem Ruhrgebiet gründeten 1927 den Freiwirtschaftlichen Jugendverband Deutschland (FJVD), trafen sich zum Wandern und Musizieren.

Ein Hamburger Gärtner spendete 1000 Bäume für das Vorhaben

Dabei entdeckten die jungen Leute den aufgegebenen Steinbruch Asbruch. Bald entstand am Lagerfeuer die Idee, dort eine Freilichtbühne zu errichten. Mit den Eintrittsgeldern der Aufführungen sollte Geld für ein Jugendheim erwirtschaftet werden. Zwischen 1929 und 1932 schufteten die Jugendlichen unter Anleitung des Architekten Max Fischer. Die Einweihung wurde im Herbst 1932 gefeiert. Ein halbes Jahr später stiftete ein Hamburger Gärtner 1000 Bäume – die heute den Wald um die Bühne bilden. Nach der Zerstörung durch die Nazis bauten Vereinsmitglieder in den 50er Jahren die Bühne wieder auf. Regelmäßig gab es Vorträge, Konzerte und Theateraufführungen. 1959 wurde auch das Silvio-Gesell-Heim fertiggestellt. Doch in den 60er Jahren ließ das Interesse nach, die Bühne verwilderte.

2012 dann beschlossen der Herbergsvater Andreas Bangemann und der Kreativwanderer Jonathan Ries, die Freilichtbühne wieder aufzubauen. Keine leichte Aufgabe: „Ein Stein wiegt 500 bis 800 Tonnen“, berichtet Ries. Mitsamt Transport und Einsetzen veranschlagt er 150 Euro Kosten pro Stein. Alleine die unterste Reihe hat 25 solcher Sitz-Steine. Deshalb hat sich der Verein jetzt um den mit 5000 Euro dotierten Impuls-Award von Wuppertalaktiv beworben.

Von den sieben geplanten Sitzreihen sind bislang zwei fertig

Die massiven Steine sind nötig, damit der Bühnenaufbau nicht beim nächsten Regen ins Rutschen gerät. Zwei Sitzreihen sind bereits fertig. Bei Sommercamps haben die Teilnehmer in den vergangenen beiden Jahren in viel Handarbeit die ersten Ränge freigelegt. Sieben sollen es einmal werden. „Jeder, der helfen will, ist willkommen“, betont Bangemann. Auch Menschen aus Ägypten, Spanien, Litauen und den USA halfen über „Work-away“ beim Bau. „Wir führen etwas fort, das die Generationen vor uns auch schon gepflegt haben“, sagt Ries.

Obwohl die Freilichtbühne noch eine Baustelle ist, sollen dieses Jahr erste Veranstaltungen dort stattfinden, etwa ein Kulturfestival (23. bis 25. Juni). „Wir wollen regionalen Künstlern einen Raum bieten und kreatives Potenzial heben“, betont Bangemann. Doch er macht keinen Druck: Die Bühne wird in dem Tempo fertig, wie die Wuppertaler und Gäste bereit sind, sich zu engagieren.

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