Doch der Weg dahin war nicht einfach: Gebäudereiniger scheitert zunächst an der Bürokratie.

Velbert
Gebäudereiniger Lars Michalski (m.) mit Aibek Zheenbaev (li.) und Elvis Musovski.

Gebäudereiniger Lars Michalski (m.) mit Aibek Zheenbaev (li.) und Elvis Musovski.

Ulrich Bangert

Gebäudereiniger Lars Michalski (m.) mit Aibek Zheenbaev (li.) und Elvis Musovski.

Die beinahe täglichen Meldungen über im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge haben Lars Michalski neugierig auf die Menschen gemacht, die es bis in das Velberter Flüchtlingsheim geschafft haben. Und die Begegnungen an der Talstraße waren für den Geschäftsführer der AS Glas- und Gebäudereinigungs-Service GmbH mit Sitz an der Friedrich-Ebert-Straße und 130 Beschäftigten eine positive Überraschung. „Diese Menschen sind freundlich, offen und zuverlässig“, sagt der 40-Jährige. Eigenschaften, die in der Gebäudereinigungsbranche zählen, die aber Kandidaten für einen Job vom deutschen Binnenmarkt immer häufiger nicht mehr mitbringen.

Nichtstun schadet auf die Dauer dem Selbstwertgefühl

„Das Herumsitzen und Nichtstundürfen ist für die Flüchtlinge hier die größte Strafe, zumal einige von ihnen auch einen Beruf erlernt haben“, sagt Michalski. Keine Aufgabe, keine Arbeit zu haben nehme irgendwann jedem das Selbstwertgefühl. Dagegen will der Unternehmer etwas tun. „Als Reinigungskraft mit einem Vertrag als geringfügig Beschäftigter könnte ich wenigstens einige sofort einstellen“, lautet seine Idee. Vorausgesetzt Kunden, Bundesagentur für Arbeit und Ausländerbehörde stimmen zu, würden sie sozialversichert bestimmte Objekte für AS betreuen. „Sie würden noch besser integriert und könnten ihren Aufenthalt quasi selbst finanzieren, denn die 450 Euro Lohn müssen sie sicher abtreten“, sagt Michalski.

Eine Erlaubnis wurde mittlerweile erteilt

Mit dem aus Mazedonien geflüchteten Elvis Musovski (35) war rasch der erste Kandidat gefunden. „Der arbeitete als Muslim bereits ehrenamtlich in der katholischen Gemeinde mit“, erklärt Lars Michalski. Weil er sich länger als 15 Monate ununterbrochen in Deutschland aufhalten durfte, sollte der Arbeitsmarktzugang für Musovski nach dem Anfang Mai über die Arbeitsagentur gestellten Antrag kein Problem sein. Gleiches galt auch für den von Michalski Anfang Juni nachgeschobenen Bewerber Aibek Zheenbaev.

Den 34-jährigen Kirgisen hatte die staatliche Willkür aus seinem Land flüchten lassen. „Er hat mir erzählt, dass man dort ohne ein entsprechendes Bestechungsgeld in der Tasche von der Straße weg verhaftet und im Gefängnis gefoltert wird“, sagt Michalski.

So glatt wie erhofft lief es indes mit den beiden neuen Mitarbeitern nicht. Bis zum Dienstag hatte der Antragsteller noch für keinen von beiden den Eintrag der Arbeitserlaubnis erwirken können. „Bei der Arbeitsagentur habe ich bisher immer gespürt, dass die der Wirtschaft helfen will, wettbewerbsfähig zu bleiben. Offenbar hakt es bei der Ausländerbehörde“, sagt Michalski. Per Telefon und E-Mail habe er mehrfach den Kontakt gesucht. „Ohne Ergebnis. Man bekommt noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung.“

Die WZ fragte bei der Kreisverwaltung nach. Deren Sprecherin Daniela Hitzemann erklärte: „Für Aibek Zheenbaev wurde am Montag die Zustimmung erteilt. Bei Elvis Musovski lag wegen einer Namensstreichung wohl eine Antragsunklarheit vor. Die Kollegen empfehlen ihm, beim Kreis-Service-Center im Velberter Rathaus den Antrag kurzfristig noch einmal neu zu stellen.“

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