Das Team der Flüchtlingshilfe Velbert will auch den Menschen zu ihrem Recht verhelfen, die keine Bleibeperspektive im Land haben.

Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe üben mit Asylbewerbern deutsche Vokabeln und Satzbau.
Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe üben mit Asylbewerbern deutsche Vokabeln und Satzbau.

Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe üben mit Asylbewerbern deutsche Vokabeln und Satzbau.

Simone Bahrmann

Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe üben mit Asylbewerbern deutsche Vokabeln und Satzbau.

Velbert. Bei Dörte Frisch und ihrem Team sitzen mehrere Akademiker in der Beratung – eine Kinderärztin, eine Psychologin, mehrere Computerfachleute. Sie sollen bald das Land verlassen. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt, weil sie aus Ländern stammen, die als sichere Herkunftsstaaten eingestuft wurden. Sie kommen etwa aus Ghana oder den Balkanstaaten, manchmal auch aus nicht sicheren Ländern wie Afghanistan. Auch dorthin werden mittlerweile wieder Flüchtlinge zurückgeschickt. „Dieses Schubladendenken nach Herkunftsländern geht an der Realität vorbei“, kritisiert die Juristin Dörte Frisch.

Sie wollen Menschen über ihre Rechte aufklären

Der Blick lenke sich derzeit weg von den individuellen Integrationsmöglichkeiten des Einzelnen. Syrer etwa haben beim Asylantrag deutlich bessere Chancen als Ghanaer. Das Herkunftsland ist Trumpf. Da hat auch die albanische Familie schlechte Karten, die Frisch betreut. Die Tochter habe in einem Jahr ihren Schulabschluss in Deutschland geschafft, die Mutter mehrere Arbeitsangebote nachweisen können. Gehen sollen sie trotzdem.

Ist der Asylantrag erst einmal abgelehnt, erlischt die Aufenthaltsgestattung und eine Abschiebung droht. In der Situation kommt die Flüchtlingshilfe Velbert ins Spiel. Sie kümmert sich um diejenigen, die schon mit einem Bein aus der Tür sind. „Wir wollen die Menschen über ihre rechtlichen Möglichkeiten aufklären“, sagt Frisch.

Eine Mission, die sie und ihr Team aus der Überzeugung heraus antreibt. „Wir sind Fans des Rechtsstaates“, sagt sie. Dabei ginge es nicht darum, künstlich Gründe gegen eine Abschiebung zu kreieren, sondern denjenigen zu helfen, die ihre Rechte gar nicht zu wahren wissen. Beratungs-Kollegin Barbara Ginsberg bestätigt das: „Ich habe auch Leute schon mal rausgeschmissen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich belogen werde.“

Im Alltag hilft das Team in den Räumen an der Talstraße den Kunden beim Ausfüllen von Formularen und der Vorbereitung von Klagen. Anwälte, die für solche Dienste oft saftige Vorschusszahlungen verlangen, seien mittlerweile schon völlig überlaufen. Ähnlich viel zu tun haben die Verwaltungsgerichte.

Die Arbeit am Rande der Gesellschaft zieht auch Missgunst auf sich. Als Jacqueline Montemurri-Jarnicki, die die Deutschkurse für den Verein koordiniert, über Facebook nach weiteren ehrenamtlichen Unterstützern suchte, wurde sie bedroht. „Ich komme dann mal mit meinen Kumpels vorbei“, hieß es in einem Beitrag. „Wir hatten Angst, weil die Deutschkurse ja auch abends sind“, erinnert sich Montemurri-Jarnicki. „Passiert ist zum Glück nichts.“

Die Flüchtlingsinitiative wird im dritten Jahr durch Gelder des Landes gefördert. Seit 2011 bietet Dörte Frisch kostenlos Deutschunterricht für Flüchtlinge an. Zunächst als Privatperson, später als Flüchtlingshilfe, bei der heute rund zehn ehrenamtliche Lehrer Sprachkurse geben, während rund 30 weitere Personen übersetzen. Montemurri-Jarnickis Teilzeitstelle finanziert sich über Spenden, Ginsberg und Frischs Vollzeit-Tätigkeit wird über die Fördergelder sichergestellt. Heute hat Dörte Frisch gar keine Zeit mehr für den Deutschunterricht. „Die Beratung nimmt meine ganze Zeit in Anspruch“, sagt sie.

Derzeit hat das Team mehr als 600 Flüchtlinge in ihrer Kartei. Die Sprachkurse nutzen rund 60 Menschen. Vor allem diejenigen, die keinen geförderten Unterricht vom Staat erhalten – weil in Deutschland eigentlich nicht mehr auf sie gezählt wird.

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