Sie war Breslauerin, für die Wülfrath die zweite Heimat wurde. Ihr Zuhause war aber die Bühne von Theater und Film. Jetzt ist Dorothea Walda mit 84 Jahren gestorben.

Im Film „Mein Traum von Venedig“.
Im Film „Mein Traum von Venedig“.

Im Film „Mein Traum von Venedig“.

Dorothea Walda beim Gespräch „Auf einen Kaffee“ im Cafe Schwan im Jahr 2014. Archiv

Ziegler Film GmbH & Co. KG, Bild 1 von 2

Im Film „Mein Traum von Venedig“.

Wülfrath. Als Teenager verschlug es sie mit 15 Jahren in den Wirren der Nachkriegszeit in das kleine, beschauliche, manchmal auch enge Wülfrath. Damit die Kleinstadt nicht allzu sehr kneift, fand Dorothea Walda früh den Weg auf die Bühne. Die Wuppertaler Bühnen, Bremen, Bielefeld, Aachen, im Schauspiel Bonn: Waldas Wanderjahre über Deutschlands Bühnen spiegelte ihre Bandbreite wider. Von Antigone bis Hedda Gabler, von My Fair Lady bis Maria Josefa gehörten zu ihren Stücken. Schon mit der Ruhrpott-Serie „Tour de Ruhr“ mit Marie-Luise Marjan Anfang der 1980er-Jahre wendete sich ihr Blick verstärkt aufs Fernsehen. Ihren endgültigen Durchbruch aber verdankte sie Hape Kerkeling, der sie 1995 als reisende Seniorin in dem Film Club Las Piranjas besetzte. Ab dort pachtete sie den Erfolg, vor allem mit vielen komischen Rollen wie in RTL-Comedy-Formaten wie Ritas Welt mit Gaby Köster, aber auch Rollen in Tatort und Lindenstraße. Im Kino spielte sie in Otto’s Eleven an der Seite von Otto Waalkes. Eine Ausbildung auf der Schauspielschule hat sie immer abgelehnt. „Dort lernt man Techniken und wird verbogen. Ich wollte mir meine Natürlichkeit erhalten“, sagte sie 2014 in einem Gespräch.

Von ihrem Profil war sie felsenfest überzeugt: zumeist eine renitente, skurrile alte Dame, die aber auch liebenswürdig, intelligent und engagiert sein konnte. So kannte man Walda auch im heimischen Wülfrath. Sie engagierte sich für die Vertriebenen, sie selbst war ja mit nur wenigen Habseligkeiten aus Schlesien geflüchtet. Sie war als Vorleserin eines der Highlights der Adventskammer vor Weihnachten.

Trotzdem ist der rüstigen alten Dame ihre bundesdeutsche Bekanntheit nie zu Kopf gestiegen. Immer, wenn sie einen Kaffee dort trank, wo sie ihn am liebsten zu sich nahm: im Café „Schwan“ in der Schwanenstraße. Dann spürte man sofort: Hier fühlte sich die Seniorin zu Hause. „Wenn ich in Wülfrath bei der Familie bin, fühle ich mich geerdet“, sagte Dorothea Walda einmal.

Nun werden die Rollen in Film und Fernsehen ohne sie besetzt werden müssen. Das ist ein herber Verlust für uns.

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