Ein Kursus in der Moschee baut Sprachbarrieren ab.

Wülfrath
Susann Seidel und Timucin Gülensoy arbeiten in der Moschee zusammen, um betroffenen Türken helfen zu können.

Susann Seidel und Timucin Gülensoy arbeiten in der Moschee zusammen, um betroffenen Türken helfen zu können.

Dietrich Janicki

Susann Seidel und Timucin Gülensoy arbeiten in der Moschee zusammen, um betroffenen Türken helfen zu können.

Wülfrath. Demenz – das Vergessen der eigenen Vergangenheit kann jeden treffen. Viele Angehörige wissen dann nicht, wie sie sich verhalten sollen. Wenn noch Sprachbarrieren dazu kommen, bleiben sie hilflos.

„Wir möchten auf unsere Angebote hinweisen und die Betroffenen unterstützen“, sagt Susann Seidel von der Pflege- und Wohnberatung Wülfrath. Sie bietet schon länger Kurse zum Thema Demenz an und hat dabei erfahren, dass sie damit kaum türkische Mitbürger erreicht. „Deshalb sind wir gezielt an den islamischen Verein herangetreten und führen nun erstmals den Kurs in türkischer Sprache durch. Auch wenn die meisten Teilnehmer gut deutsch verstehen, ist die emotionale Ebene für sie in ihrer Muttersprache besser nachvollziehbar.“

Abiturientin bereitet sich mit dem Kurs auf ihren Beruf vor

Zübeyde Kavak hat sich für die Veranstaltung in den Räumen der Moschee angemeldet, weil ihre Mutter an Demenz erkrankt ist. „Bisher ist es sehr schwierig, weil ich nicht weiß, was ich zu tun habe. Hier erhoffe ich mir praktische Tipps für unseren Alltag zu bekommen und kann damit vielleicht auch anderen helfen.“

Aus beruflichem Interesse ist Derya Polat gekommen. Sie macht gerade ihr Fachabitur und möchte Krankenschwester werden. „Mein Großvater ist ebenfalls an Demenz erkrankt und deshalb möchte ich hier einiges lernen.“ Das sieht Rabia Kilic ähnlich. Sie möchte sich ganz gezielt weiterbilden. „Im Moment habe ich zwei kleine Kinder, doch im Sommer möchte ich wieder in meinen Beruf als Altenpflegerin einsteigen. Darauf möchte ich mich vorbereiten.“

Referent Timucin Gülensoy von der Alzheimer-Gesellschaft klärt in seinem Vortrag über die Krankheit und ihre Folgen auf und wie die Kommunikation mit den Betroffenen gelingen kann, welche Beschäftigungsmöglichkeiten es gibt, wie die Angehörigen selbst wieder Kraft schöpfen und wo sie Unterstützung bekommen.

„Uns ist es wichtig, die Barrieren zwischen den Betroffenen und dem deutschen Gesundheitssystem abzubauen. Viele stammen aus der ersten Generation und haben immer geplant, eines Tages in die Türkei zurück zu gehen. Sie haben Schwierigkeiten mit der Sprache oder sie durch die Krankheit wieder vergessen.“ Zu ihnen möchte er durch seine Kurse Brücken bauen.

Hayrettin Kahraman begrüßt das. „Viele der Betroffenen und ihre Angehörigen wissen nicht, wie sie mit der Krankheit umgehen sollen. Vielleicht engagiert sich aber auch der eine oder andere Teilnehmer in Form einer Nachbarschaftshilfe.“ Susann Seidel wünscht sich, jemanden für den Arbeitskreis Demenz zu gewinnen und so eine Anlaufstelle für türkische Mitbürger zu schaffen.

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