Beim Projekt „KultWear“ haben 13 Mädchen der Kölver-Realschule mit Studentinnen der Hochschule Niederrhein eine Schulkollektion entwickelt.

Velbert/Mönchengladbach. Stolz zeigt Lena-Sophie Enkelmann (15) auf eine weiße Stofftasche mit lila Löwenlogo: „Die habe ich selbst entworfen.“ Unter professioneller Anleitung von neun Studentinnen der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach haben 13 Schülerinnen der Heinrich-Kölver-Realschule eine ganze Modekollektion aus Shirts, Pullovern, Hemden, Schals und Taschen entwickelt. Am Mittwoch präsentierten sie die Kleidung mit Bezug zur Schule auf einer Modenschau in Mönchengladbach.

Modenschau vor 100 Zuschauern im Hörsaal in Mönchengladbach

Mit sicheren Schritten geht Kena Hardt (14) über die Bühne im Hörsaal. Selbstbewusst stemmt sie die Hände in die Hüfte. Ihr blau kariertes Oberteil führt sie den mehr als 100 Zuschauern im Saal vor wie ein Model – posiert und zeigt sichtlich stolz das Ergebnis ihrer Arbeit im Rahmen des Projekts „KultWear – Mode von Schülern für Schüler“. Initiiert wurde es vom gemeinnützigen Bildungsunternehmen „KultCrossing“, das Schüler praxisorientiert an kulturelle Themen heranführen will. Auf einer Bildungsmesse kam der Kontakt mit der Schulleitung der Kölver-Realschule zustande.

Für die Schülerinnen der Klassen neun und zehn aus Tönisheide war der Zusammenstoß mit der beruflichen Lebenswirklichkeit kein Schock: „Das hat richtig Spaß gemacht“, sagt Kena Hardt. In den nächsten Ferien möchte sie auch noch ein Praktikum im Modebereich machen. Für das Projekt blieben sie und die anderen jeden Donnerstag in der siebten und achten Stunde in der Schule. Denn dann hatten die Schülerinnen ihre Textil-AG unter der Leitung von Katharina Reuters-Striffler, zu der auch die Studentinnen aus Mönchengladbach kamen.

Am Beginn des Projekts stand zunächst eine Markterkundung: Die Designerinnen befragten ihre Mitschüler nach ihren Lieblingklamotten. Dann wurden Modelle von Oberteilen entworfen und ein Logo entwickelt. Es ist angelehnt an die Form des Hardenberger Wappens und zeigt in der Mitte einen Löwenkopf. „Er steht für Durchsetzungsvermögen und Kraft, außerdem haben wir jährlich ein Zirkusprojekt an der Schule“, erklärt Reuters-Striffler das Motiv.

„Mode interessiert eigentlich alle, aber dass das so viel mit Technik zu tun hat, davon hatten viele Schülerinnen vorher gar keine Vorstellung.“

Katharina Reuters-Striffler, Leiterin der Textil-AG

Die Taschen nähten die Schülerinnen selbst, die Kleidungsstücke fertigten die Studentinnen an. Für sie war „KultWear“ das Abschlussprojekt ihres Bachelorstudiums. Bei einem Hochschultag führten sie die jungen Frauen aus Tönisheide außerdem in die Berufsfelder der Textil- und Bekleidungsbranche ein. „Dieser Praxisbezug ist mir ganz wichtig. Mode interessiert eigentlich alle, aber dass das so viel mit Technik zu tun hat, davon hatten viele Schülerinnen vorher gar keine Vorstellung“, sagt Katharina Reuters-Striffler, die die Textil-AG an der Realschule schon seit Jahren leitet. Jungen konnte sie für das Projekt jedoch nicht gewinnen – Mode und Klamotten lockten mehr die Mädchen.

Beim „Tag der offenen Tür“ am 22. Januar, 9 bis 13 Uhr, werden die Schülerinnen die Kollektion vorführen.

Die Textil-AG will kräftig für ihre Entwürfe werben. Sollten genug Schüler Interesse zeigen, die Shirts und Hemden/Blusen mit dem Schullogo zu kaufen, könnten die Sachen auch angefertigt und bestellt werden.

Das war auch der Grund für den Verein Deutscher Ingenieure, das Projekt finanziell zu unterstützen. „Wir wollen Mädchen an Technik heranführen“, sagt der VDI-NRW-Vorsitzende Johannes Firsbach. Schließlich würden Frauen als Fachkräfte dringend gebraucht.

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