Fahrer (36) muss sich voraussichtlich wegen Fahrens ohne Führerschein und Unfallflucht verantworten. Eine Bewährungsstrafe ist denkbar.

Velbert. Er hat andere kontrolliert, wurde selbst aber nie überprüft. So konnte es geschehen, dass der 36-jährige Aushilfsfahrer jahrelang Bürgermeister Stefan Freitag, dessen Stellvertreter und Dezernenten durch die Stadt kutschieren konnte, ohne einen gültigen Führerschein zu besitzen (wir berichteten). Der Fall soll in den nächsten Tagen seinen gerichtlichen Abschluss finden.

Seit 2003 in städtischen Fahrzeugen ohne Fahrerlaubnis unterwegs

Während der Mann die Führerscheine der städtischen Mitarbeiter unter die Lupe nahm, fiel dagegen niemandem auf, dass ihm selbst 2003 vorläufig und 2004 rechtskräftig die eigene Fahrerlaubnis entzogen worden war. Nach einem Bagatellunfall im April war der ganze Schwindel aufgeflogen.

Während einer Dienstfahrt mit dem städtischen Audi A 6 hatte der Aushilfsfahrer einen Unfall gehabt – 1800 Euro Blechschaden. Über den Hergang werden sich noch die Anwälte der beteiligten Parteien streiten. Laut Staatsanwaltschaft soll ein Mercedes auf den Audi aufgefahren sein, der Unfallgegner behauptet, der Audi habe beim Zurücksetzen den Mercedes beschädigt.

Staatsanwalt Wolf-Tillmann Baumert interessiert sich allerdings viel weniger fürs verbeulte Blech als für die Tatsache, dass der 36-Jährige nach dem Unfall eine Visitenkarte des Fuhrparkleiters und Wagenpapiere hinterließ, sich selbst aber aus dem Staub machte. Für Baumert ein klarer Fall von Unfallflucht.

Monatelang hatte die Staatsanwaltschaft recherchiert und die Fahrtenbücher ausgewertet, um nachvollziehen zu können, wie oft der Mann ohne Führerschein gefahren ist. In den nächsten Tagen soll ein juristischer Schlussstrich gezogen werden. Die beiden Vergehen – Fahren ohne Fahrerlaubnis und Unfallflucht – werden dabei zusammengefasst bewertet.

Zurzeit liegen die Akten beim Rechtsanwalt.

Der 36-Jährige ist weiterhin bei der Stadt Velbert tätig – jedoch nicht als Fahrer. Laut Pressesprecher Hans-Joachim Blißenbach wird man nun zunächst abwarten, bis Anklage erhoben wird und welches Urteil dann ergeht. Anschließend werde die Personalabteilung beurteilen, ob auch dienstrechtliche Konsequenzen gezogen werden.

Wann die Anklage erhoben wird, ließ Baumert offen: „Es gibt nur drei Möglichkeiten: Verfahren einstellen, Strafbefehl und Anklage. Dem will ich nicht vorgreifen.“ Zurzeit habe die Verteidigerin des Chauffeurs Akteneinsicht – und 14 Tage Zeit. Erst danach werde entschieden.

Über ein mögliches Strafmaß wollte Baumert ebenfalls nicht spekulieren. Unfallflucht kann mit einer Geldbuße oder einer Freiheitsstrafe geahndet werden, auch Fahren ohne Führerschein kann eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen.

Dass das Verfahren eingestellt wird, glauben juristische Beobachter in Anbetracht der erdrückenden Beweislast allerdings nicht. Nicht unwahrscheinlich wäre dagegen ein Strafbefehl. Würde der von dem 36-Jährigen akzeptiert, müsste keine Anklage erhoben werden. Rechtsexperten halten eine Freiheitsstrafe auf Bewährung für denkbar.

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