Die unterirdischen Gänge der alten Wehranlage am Schloss Hardenberg zogen bei einer Führung zahlreiche neugierige Bürger an.

In den Kasematten ist nicht besonders viel Platz, der Wehrgang ist nach heutigen Maßstäben sehr niedrig. Die Besucher der Anlage trugen bei der Führung deshalb Schutzhelme.
In den Kasematten ist nicht besonders viel Platz, der Wehrgang ist nach heutigen Maßstäben sehr niedrig. Die Besucher der Anlage trugen bei der Führung deshalb Schutzhelme.

In den Kasematten ist nicht besonders viel Platz, der Wehrgang ist nach heutigen Maßstäben sehr niedrig. Die Besucher der Anlage trugen bei der Führung deshalb Schutzhelme.

Ulrich Bangert

In den Kasematten ist nicht besonders viel Platz, der Wehrgang ist nach heutigen Maßstäben sehr niedrig. Die Besucher der Anlage trugen bei der Führung deshalb Schutzhelme.

Neviges. Die Kasematten des Hardenberger Schlosses stoßen auf großes Interesse. „Mit so vielen Besuchern hatte ich nicht gerechnet“, staunte Gerd Haun. Trotz der kurzfristigen Ankündigung des Schlossfördervereins zu der Besichtigung drängten sich mehr als 100 Menschen, um die historischen Wehrgänge in Augenschein zu nehmen. Zuvor gab der Geschichtskenner Informationen, warum diese Wehranlage einzigartig ist.

Ausschlaggebend war die Reformation: „Das waren unruhige Zeiten. Wilhelm V. von Bernsau hatte sich zu dem neuen Glauben bekannt, andere Fürsten und Landesherren nicht, es gab Krieg um den Glauben, der in dem Dreißigjährigen Krieg mündete. Da Wilhelm wohlhabend war, konnte er ein modernes Verteidigungssystem bauen lassen, das den neuen, mit Schießpulver betriebenen Waffen Stand hielt“, sagte er.

Die vorhandene Ringmauer wurde durch unterirdische Gänge mit Schießkammern ergänzt, die Wehrtürme wurden zu Flankentürmen mit kleineren Geschützen. Ein raffiniertes System entstand: Die mittelalterliche Senkrechtverteidigung wurde durch die neuzeitliche Horizontalverteidigung ergänzt, wie der Burgenforscher Joachim Zeune beschreibt. „Und das Beste: Die Verteidigungsanlage ist nie zum Zuge gekommen“, so Gerd Haun, dem keine Kämpfe um das Schloss bekannt sind, obwohl die Herrschaft das Bekenntnis wieder wechselte. „Siegesmund von Bernsau wurde wieder katholisch und führte eine Schlosswache ein, woraus sich der Hardenberger Schützenverein entwickelte.“

„Sie müssen den Kopf einziehen, es wird sehr niedrig.“

Gerd Haun, Geschichtskenner, am Eingang in die Kasematten

Nachdem Arne Händel vom Projektmanagement der KVBV die Probleme des Türschlosses zum Eingang der Kasematten erledigt hatte, reichte er allen Besuchern einen Schutzhelm. „Sie müssen den Kopf einziehen, es wird sehr niedrig“, warnte Gerd Haun. Ihm reichte eine Mütze, kennt er doch all die niedrigen Stellen, wo man sich tief bücken muss. Im Gänsemarsch tasteten sich die Besucher in dem alten Gemäuer vorwärts.

Nur wenige Lampen brachten Licht in die ewige Dunkelheit, einige hatten Taschenlampen dabei. Smartphones gaben ebenfalls ein bisschen Licht, zum Telefonieren sind sie hinter den dicken Mauern nicht zu gebrauchen – kein Netz. An den Schießscharten fällt ein kleines bisschen Tageslicht in den Wehrgang. „Die Menschen waren früher bestimmt nicht übergewichtig“, stellte eine junge Frau fest, nachdem sie sich durch eine brusthohe und enge Öffnung in den nächsten Gang hineingequetscht hatte.

In Höhe des Mühlengebäudes ging es wieder nach draußen. Die sechsjährige Liv stellte strahlend fest: „Das war echt cool, ich fand es herrlich.“ Inge und Rainer Grosche halten die Kasematten für eine richtige Attraktion. „Das ist was für die Fremdenverkehrswerbung“, meinte das Nevigeser Ehepaar, dass sich allerdings mehr Licht wünscht. „Man sieht nichts.“ Schön fänden sie eine Beleuchtung, die den Verlauf der der Gänge nachempfindet.

Am Rande der Führung kritisierte Fördervereinsvorsitzender Peter Egen gegenüber der WZ den Unterausschuss des Rates, der ein Nutzungskonzept für das Herrenhaus entwickeln soll. „Der Erfolg ist wie ein Sechser im Lotto. Unter der Führung des Bürgermeisters müssten dort Leute aus dem Landschaftsverband sein, der NRW-Stiftung, Historiker und vielleicht der Vertreter einer Stadt, die in der Ähnliches bereits umgesetzt wurde.“

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