Die einen wollen den Handel retten, andere halten die Idee, den Verkehr durch die heutige Fußgängerzone zu führen, für absurd. Jetzt soll die Verwaltung die Machbarkeit prüfen.

Fahren hier bald Autos anstelle von radelnden Kindern? Der Vorschlag wurde in der Politik kontrovers diskutiert.
Fahren hier bald Autos anstelle von radelnden Kindern? Der Vorschlag wurde in der Politik kontrovers diskutiert.

Fahren hier bald Autos anstelle von radelnden Kindern? Der Vorschlag wurde in der Politik kontrovers diskutiert.

Ulrich Bangert

Fahren hier bald Autos anstelle von radelnden Kindern? Der Vorschlag wurde in der Politik kontrovers diskutiert.

Neviges. Ein sommerliches Szenario: Am neuen Brunnenplatz im Orth stürzen sich Kinder in die Fontänen, am Café Monsieur M. schlürfen die Gäste draußen ihren Cappuccino – und nebenher fahren Autos? Diese Idee ist kontrovers. Das zeigte sich bei der ersten inhaltlichen Auseinandersetzung mit der möglichen Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr im Bezirksausschuss Neviges. Eigentlich wollte Velbert anders zunächst lediglich eine Prüfung dieser Option von der Verwaltung erwirken, doch bei dem emotionalen Thema konnten einige Ausschussmitglieder mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg halten.

Die SPD enthielt sich in großen Teilen bei der Abstimmung

„Bauchschmerzen“ signalisierte Matthias Gohr von der SPD. Dass Kurzparker im oberen Teil der Fußgängerzone vor der Sparkasse parken könnten, sei durchaus vorstellbar, nicht aber im unteren Teil – die Rede ist von der Strecke zwischen Kaufhaus Gassmann und Platz Im Orth/Elberfelder Straße. Genau diesen Vorschlag hatte jedoch die Werbegemeinschaft an die Politik getragen, um dem Wunsch der Kunden nachzukommen mit dem Auto noch näher an die Läden heranzufahren. „Wenn das jetzt der neue Parkplatz Im Orth wird, wäre das sehr traurig“, sagte Gohr, der sich zusammen mit den meisten SPD-Mitgliedern bei dem Votum zum Prüfauftrag enthielt. Lediglich Fraktionschef Rainer Hübinger zeigte sich zumindest offen für eine Prüfung: „Wir wollen erst nur die Fakten kennen, auf deren Grundlage wir dann diskutieren können.“ Er glaube aber auch, dass die Maßnahme nicht der Königsweg zur Belebung sein wird.

Genug gehört hatte schon die Fraktion der Grünen. Michael Pannen verwies ebenso auf die Situation am neuen Brunnenplatz: „Wir haben da ja eine Aufenthaltsqualität geschaffen. Ich weiß nicht, ob wir die zerstören wollen.“ Die Linke stimmte ebenfalls gegen den Prüfauftrag.

Antragsteller August-Friedrich Tonscheid (Velbert anders) versuchte gegenzusteuern: „Wir wollen die Autos ja nicht über den Brunnenplatz leiten.“ Er empfahl einmal, den Blick nach Gevelsberg (Ennepe-Ruhr-Kreis) zu richten. Da sei genau dieses Experiment geglückt, die Fußgängerzone für den Verkehr zu öffnen. Heute verkauft sich der Ort als „beliebte Einkaufsstadt“.

Marlies Amann (CDU) erinnerte an den Grund des Antrags: „Wir dürfen die Werbegemeinschaft nicht außer Acht lassen.“ Man solle die Verwaltung nun erstmal arbeiten lassen. Die Mehrheit dafür stand am Ende mit Stimmen von CDU, Velbert anders und UVB.

Bernd Wieneck von den Technischen Betrieben Velbert (TBV) erinnerte bereits an die Untersuchung aus dem Jahr 2011. Damals war ein Maximum von elf Parkplätzen errechnet worden. Realistischer halte Wieneck jedoch eine Zahl von lediglich rund fünf Plätzen. Auch das Parken im Bereich des Brunnenplatzes stellte er zur Diskussion: „Das müssen Sie wissen. . .“

Erlaubt wäre bei der Durchfahrt lediglich Schrittgeschwindigkeit – also bis zu sieben Stundenkilometer. Wieneck gab zu bedenken: „Wir wissen ja, wie’s ist. Wenn jemand mal eben etwas erledigen will, wird es auch mal schneller.“

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