Auf dem Rottberg wurde im Krieg eine Attrappe der Kruppwerke aufgebaut, um Bomber abzulenken. Jürgen Lohbeck erzählt die Geschichte.

Buchautor Jürgen Lohbeck und Verlegerin Jutta Scheidsteger stellten am Donnerstag Buch vor. Auf rund 130 Seiten hat der Velberter Material zu einem fast vergessenen Kapitel der Stadtgeschichte zusammengetragen.
Buchautor Jürgen Lohbeck und Verlegerin Jutta Scheidsteger stellten am Donnerstag Buch vor. Auf rund 130 Seiten hat der Velberter Material zu einem fast vergessenen Kapitel der Stadtgeschichte zusammengetragen.

Buchautor Jürgen Lohbeck und Verlegerin Jutta Scheidsteger stellten am Donnerstag Buch vor. Auf rund 130 Seiten hat der Velberter Material zu einem fast vergessenen Kapitel der Stadtgeschichte zusammengetragen.

Simone Bahrmann

Buchautor Jürgen Lohbeck und Verlegerin Jutta Scheidsteger stellten am Donnerstag Buch vor. Auf rund 130 Seiten hat der Velberter Material zu einem fast vergessenen Kapitel der Stadtgeschichte zusammengetragen.

Velbert. Es gibt nur noch wenige Velberter, die sich an das Scheindorf auf dem Rottberg in Langenberg, an der Stadtgrenze zu Essen, erinnern können. Jürgen Lohbeck (49) hat dieses weitgehend unbekannte Kapitel der Velberter Stadtgeschichte vor dem Vergessen bewahrt. In einem 134 Seiten dicken Buch, das im Scala-Verlag erschienen ist, hat er die Geschichte des Scheindorfs nachgezeichnet.

Das echte Werk in Essen sollte vor alliierten Angriffen geschützt werden

Dabei handelte es sich um eine sogenannte Krupp’sche Nachtscheinanlage, eine Attrappe der Essener Kruppwerke, die 1941 gebaut wurde und dazu diente, die Ladung alliierter Bomber „abzufangen“ und das nur zehn Kilometer entfernte Werk vor Angriffen zu schützen.

Lohbecks Vater, der am Nieding unweit des Rottbergs aufgewachsen war, hatte seinem Sohn immer wieder von dem Scheindorf, wie die Anlage im Volksmund genannt wurde, erzählt. Lohbeck: „Jedes Mal, wenn wir mit dem Auto am Rottberg vorbeifuhren, begann mein Vater davon zu erzählen.“ Günter Lohbeck hatte den Bau der Anlage aus Holz, Dachpappe und Segeltuch miterlebt.

Dächer, ein qualmender Schornstein und eine Bahn gehörten zur Anlage

Auf einer Fläche von 1,5 mal 2,5 Kilometern wurden Fabrikdächer, die tatsächlich nur mannshoch waren, ein großer Schornstein, der sogar qualmte sowie ein Gasometer gebaut. Lohbeck: „Außerdem fuhr eine Eisenbahn auf dem Gelände.“ Die Anlage wurde nachts beleuchtet, so dass die Bomberpiloten im Anflug auf Essen glaubten, über Kruppwerk zu sein.

Die Attrappe wurde bis 1943 von zahlreichen Bomben getroffen

Zwischen Juli 1941 und Januar 1943 wurden tatsächlich 70 Sprengbomben und Minen sowie mehr als 5000 Brandbomben über dem Rottberg abgeworfen. In dieser Zeit wurden auf dem eigentlichen Krupp-Gelände nur 1500 Bombenabwürfe verzeichnet. 1943, so Lohbeck, flog der ganze Schwindel auf. Ab diesem Zeitpunkt fielen keine Bomben mehr auf die Attrappen in Langenberg.

Das Buch „Das vergessene Scheindorf Velbert“ von Jürgen Lohbeck hat der Velberter Scala-Verlag zunächst in ein einer Auflage von 300 Exemplaren herausgebracht. Das Buch gibt es im Buchhandel für 17,80 Euro

Jürgen Lohbeck wurde 1962 in Velbert geboren. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Familien in Langenberg. Lohbeck ist ehrenamtlicher Mitarbeiter des Landschaftsverbands Rheinland.

Die Bauern, die rund um den Rottberg wohnten, mussten bis 1943 abends ihre Höfe verlassen. Sie zogen zu Fuß in die weiter entfernten Gaststätten und verbrachten dort die Nächte. Morgens kehrten sie auf ihre Höfe zurück, berichteten Zeitzeugen, die Lohbeck befragte.

Nicht nur in Velbert war das Scheindorf in Vergessenheit geraten, „auch die Krupp-Archivare“ wussten davon nichts. Die umfangreiche Dokumentation, die vielen Fotos und Luftaufnahmen, die einst von britischen Aufklärungsflugzeugen „geschossen“ wurden, machen die Lektüre des Buchs zu einem spannenden Erlebnis. Bei seiner Spurensuche vor Ort wurde Lohbeck im Januar dieses Jahres sogar noch fündig. Er entdeckte Schienen sowie Porzellanisolatoren mit der Jahreszahl 1941.

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