Das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern kämpft ums Überleben. Geschäftsführer Christoph Thiel hofft, dass es für seine Firma trotz des Antrags beim Amtsgericht Wuppertal eine Zukunft gibt.

Das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern kämpft ums Überleben. Geschäftsführer Christoph Thiel hofft, dass es für seine Firma trotz des Antrags beim Amtsgericht Wuppertal eine Zukunft gibt.
Seit dem Jahr 1947 gibt es Ford Thiel in Wülfrath. Der Chef musste jetzt den Weg zum Insolvenzgericht antreten. Archiv

Seit dem Jahr 1947 gibt es Ford Thiel in Wülfrath. Der Chef musste jetzt den Weg zum Insolvenzgericht antreten. Archiv

Michael Nacke

Seit dem Jahr 1947 gibt es Ford Thiel in Wülfrath. Der Chef musste jetzt den Weg zum Insolvenzgericht antreten. Archiv

Wülfrath. Am liebsten würde Christoph Thiel nicht mehr über das Thema sprechen. Als Geschäftsführer seines Autohauses muss er es dennoch tun und man spürt: Die Enttäuschung darüber, das er Insolvenz anmelden musste, sitzt tief. „Das war der schlimmste Tag in meinem Leben“, erinnert er sich an seinen Gang zum Wuppertaler Amtsgericht, wo das Verfahren vor kurzem eröffnet wurde.

Dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, versteht sich von selbst. Abgesehen davon, das sich „Ford Thiel“ mit Sitz in der Wilhelmstraße über Jahrzehnte hinweg einen Namen gemacht hat, ist damit auch das berufliche Schicksal von 18 Mitarbeitern verbunden. Die kommenden Monate werden von Hoffen und Bangen begleitet sein und von dem vorsichtigen Optimismus, das gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter womöglich noch eine Lösung gefunden werden kann. „Es geht jetzt auf jeden Fall erstmal weiter“, nimmt Christoph Thiel die nahe Zukunft in den Blick.

Schon der Vergangenheit hatte der Betrieb mit Problemen zu kämpfen

Was die Vergangenheit angeht, hatte das Traditionsunternehmen mit etlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. So sollte eines der Grundstücke an der oberen Wilhelmstraße einer neuen Nutzung zugeführt werden. Aldi hatte nach der Schließung der Filiale am Roten Platz durchaus Interesse am Grundstückskauf bekundet. Das städtische Einzelhandelskonzept ließ eine Ansiedlung jedoch nicht zu, Thiel musste neu planen. Mit dem brachliegenden Grundstück an der Areal-Tankstelle lief es nicht besser. Dort könnte es längst einen McDrive geben, wenn sich das Planungsverfahren nicht seit über zwei Jahren hinziehen würde.

Sogar die Sprechstunde des Bürgermeisters besuchte Thiel

„Ich bin gelaufen, gelaufen, gelaufen….“, kommentiert Christoph Thiel seine unzähligen Besuche bei der Wülfrather Stadtverwaltung. Etliche Male habe er dort vorgesprochen, sogar die Bürgermeistersprechstunde habe er aufgesucht. Gebracht habe ihm all die Lauferei gar nichts. Stattdessen habe sich das Planungsverfahren weiter verzögert, immer wieder habe es neue Hemmnisse gegeben. „Erst musste die Sache durch den Stadtmarketingausschuss. Dann mussten mehrere Schallgutachten vorgelegt werden“, spricht Thiel über die unerfreulichen Begleiterscheinungen des noch immer nicht abgeschlossenen Planungsverfahrens.

Dabei habe er einen Vorvertrag mit aufschiebender Wirkung mit McDonalds. Der helfe ihm nicht weiter. Auch wenn jetzt alles schnell gehen sollte, würde ihm das nichts nützen. „Der Zug ist abgefahren. Für die Bank ist das Verfahren abgeschlossen“, so Thiel. Auf die Situation des Traditionsunternehmens angesprochen, zeigt sich der städtische Wirtschaftsförderer Karsten Niemann überrascht. Er habe nichts von der prekären Lage gewusst. Gelegentlich habe er Grundstücksinteressenten an das Unternehmen weitergeleitet. „Ich bin allerdings nur Vermittler und kann keine Nachfrage generieren, die es nicht gibt“, so Niemann. Auf das Einzelhandelskonzept angesprochen, durch das vor Jahren die Aldi-Ansiedlung auf dem Thiel-Gelände gescheitert war, sagt er hingegen: „Darüber könnte man durchaus streiten. Allerdings ist es politisch so gewollt.“ Es sei in der Tat schwer zu vermitteln, warum an mancher Stelle etwas nicht gehe, was ein paar Meter weiter erlaubt sei.

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