Nach mehr als 16 Jahren im Dorf zieht es Pfarrer Lütgendorf nach Eller. Der Fluss begleitet ihn, die Herausforderungen sind neu.

Am 27. November feiert Pfarrer Jochen Lütgendorf seinen letzten Gottesdienst in Düssel.
Am 27. November feiert Pfarrer Jochen Lütgendorf seinen letzten Gottesdienst in Düssel.

Am 27. November feiert Pfarrer Jochen Lütgendorf seinen letzten Gottesdienst in Düssel.

Simone Bahrmann

Am 27. November feiert Pfarrer Jochen Lütgendorf seinen letzten Gottesdienst in Düssel.

Wülfrath. Ein Pfarrer, der nach mehr als 16 Jahren seine Gemeinde verlässt, muss mit vielen enttäuschten Gesichtern rechnen. Pfarrer Jochen Lütgendorf hört in diesen Tagen immer wieder Sätze wie „Sie sollten uns doch trauen“ oder „Ich dachte immer, dass sie mich einmal beerdigen“. Doch am 27. November endet mit einem Gottesdienst der Lebensabschnitt Düssel für den gebürtigen Wuppertaler. Er wird im Dezember Pfarrer der Gemeinde Düsseldorf-Eller.

Nachfolger wird wohl nicht vor Ostern gefunden sein

„Das ist ein vollkommen natürlicher Vorgang in einem Pfarrerleben“, erklärt Lüttgendorf den Wechsel. Die meisten seiner Berufsgenossen durchlaufen zwei bis drei Stationen in ihrer Laufbahn. Der 48-Jährige, dessen erste Station Düssel war, fühlte nun: Es ist Zeit. Auch wenn er seine Gemeinde vermissen wird. „Es ist zwar eine Floskel, aber ich gehe wirklich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Lütgendorf.

Besonders die neuen Herausforderungen in Eller reizen den evangelischen Theologen. „Die Gemeinde ist so eine Art Gospelzentrum von Düsseldorf“, berichtet er. So freut er sich bereits auf die Gospelpredigten, für die er zuständig sein wird, ebenso wie die Reihe „Punkt 6“, eine Art kirchliche Talk-Runde, bei der der Pfarrer mit Gästen über gesellschaftliche Themen wie Sterbehilfe oder Kirche und Humor spricht. „Solche Projekte fand ich reizvoll“, sagt er. „Das würde im dörflichen Kontext so nicht gehen.“ Dabei betont Lütgendorf aber, dass er beides schätzt: das Alte und das Neue.

Lüttgendorf hat seine Handschrift in Düssel hinterlassen. Die Freizeiten, die seit 14 Jahren im Sommer stattfinden, hat er ebenso eingeführt wie die Passionsandachten. Klar wünsche sich der Geistliche, dass diese Elemente in Düssel fortgeführt werden, andererseits akzeptiert er auch, dass mit einem neuen Pfarrer Wandel bevorsteht. „Das ist wie mit Kindern. Wenn sie groß sind, muss man dann auch loslassen können“, sagt er.

Derzeit wird die Ausschreibung für die bald vakante Stelle in Düssel vorbereitet. Lütgendorf hat sich absichtlich aus diesem Aspekt herausgezogen, weil er keine inhaltlichen Vorgaben machen möchte. Fest steht für die Gemeinde: Es wird eine Zeit ohne festen Pfarrer geben. Lütgendorf schätzt, dass sein Nachfolger im besten Fall zu Ostern gefunden sein wird. Superintendent Jürgen Buchholz wird die Gemeinde kommissarisch leiten. In den Gottesdiensten sollen unterschiedliche Gastprediger sprechen, etwa der pensionierte Kollege Rolf Breitbarth.

Bei allen Neuerungen hat Lütgendorf in Eller bereits eine alte Bekannte entdeckt: die Düssel. „Ich war ganz überrascht, dass sie auch dort fließt“, sagt er. Im Amtsblatt will er schreiben: „Von nun an geht es für mich bergab. Allerdings nur geografisch.“

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