Die Stadt-Tochter hat einen Kredit in der Schweiz. Der belief sich vor der Franken-Freigabe auf 55,15 Mio. Euro.

Velbert
Die Stadttochter Wobau hat sich Geld in der Schweiz besorgt. Archiv

Die Stadttochter Wobau hat sich Geld in der Schweiz besorgt. Archiv

Simone Bahrmann

Die Stadttochter Wobau hat sich Geld in der Schweiz besorgt. Archiv

Also doch nicht nur die Stadt. Nachdem die WZ am Dienstag gemeldet hatte, dass die Stadt Velbert sich 44,2 Millionen Euro in der Schweiz geliehen hat, ergab eine Recherche gestern, dass es auch eine Stadttochter getroffen hat: Die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Velbert steht aktuell 55,15 Millionen Euro in der Kreide. Das jedenfalls war die Summe zum Jahresabschluss. Durch die Abkoppelung des Franken dürfte sie sich nochmal deutlich erhöhen.

Das Darlehen läuft bis zum Jahr 2019 und ist über zehn Jahre abgeschlossen. Das ist den Jahresabschlussberichten zu entnehmen, über die der Stadtrat jährlich zu entscheiden hat. Und über den lange nicht immer Einigkeit herrscht. War der Abschluss 2012 noch mit 61 Ja-Stimmen und einer Enthaltung durchmarschiert, war es für 2013 schon deutlich enger: 31 Ja-, 14 Neinstimmen und zwei Enthaltungen verzeichnet das Protokoll der Ratssitzung vom 9. Dezember vergangenen Jahres.

Brisant ist dabei möglicherweise auch, dass die Stadt eine Ausfallbürgschaft für dieses Darlehen übernommen hat, die bis zum Jahr 2030 gilt. Dort lehnt man sich allerdings (noch) gelassen zurück. „Wie der Name Ausfallbürgschaft ja schon sagt: Die Stadt müsste erst dann zahlen, wenn die Wobau das nicht mehr könnte“, sagt Stadt-Pressesprecher Hans-Joachim Blißenbach. Man wolle erstmal abwarten, wie die Wobau sich äußert.

Auf das Wechselkurs-Risiko wurde hingewiesen

Obwohl der Schritt aus der Schweiz, den Franken abzukoppeln, sicher völlig unerwartet kam: Im Prinzip war man sich bei der Wohnungsbaugesellschaft der Gefahr bewusst. So heißt es in einem Risikobericht: „Die Wobau ist gleichwohl durch das 10-Jahres-Darlehen in CHF (Schweizer Franken; Anm. d. Redaktion) grundsätzlich Wechselkurs-Risiken ausgesetzt.“ Dann jedoch verweist der Risikobericht auf die bereits erwähnte Ausfallbürgschaft der Stadt.

Gewisse Spekulationsgeschäfte sind für die Wobau erlaubt. Der Rat hat diesen schon im Jahr 2001 zugestimmt – einstimmig. Dieses Darlehen fiel offenbar nicht unter die Regelung.

„Das war ein uralter Kredit aus dem Jahr 1999, abgeschlossen über 103 Millionen D-Mark“, sagt Andre Clasen, Geschäftsführer der Wobau. Im Jahr 2009 sei er für zehn Jahre verlängert worden. „Bis 2029 soll er bezahlt sein“, so Clasen.

Den Mehraufwand, der sich durch den gestiegenen Franken-Kurs ergibt, beziffert der Geschäftsführer auf 45 000 Euro – pro Monat. Was sich im Jahr auf 540 000 Euro summiert und für die Restlaufzeit bis 2019 rund 2,5 Millionen ausmacht.

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