Lärm aus einem Café an der Wiedenhofer Straße raubt Mietern vom Kirchplatz regelmäßig den Schlaf. Sie werfen der Stadt Untätigkeit vor.

Lärm aus einem Café an der Wiedenhofer Straße raubt Mietern vom Kirchplatz regelmäßig den Schlaf. Sie werfen der Stadt Untätigkeit vor.
Ein Café an der Wiedenhofer Straße (l.) raubt Anwohnern den letzten Nerv. Sie beklagen regelmäßige nächtliche Ruhestörung.

Ein Café an der Wiedenhofer Straße (l.) raubt Anwohnern den letzten Nerv. Sie beklagen regelmäßige nächtliche Ruhestörung.

Ulrich Bangert

Ein Café an der Wiedenhofer Straße (l.) raubt Anwohnern den letzten Nerv. Sie beklagen regelmäßige nächtliche Ruhestörung.

Wülfrath. Die Einwohnerfragestunde im Ausschuss für Umwelt und Ordnung haben am Dienstag Mieter aus Häusern am Kirchplatz genutzt, um ihrem Ärger über die von ihnen seit knapp zwei Jahren wahrgenommene Lärmbelästigung durch ein türkisches Café in der benachbarten Wiedenhofer Straße und der aus ihrer Sicht diesbezüglichen Untätigkeit des Ordnungsamtes Luft zu machen.

„Wir waren vor gut einem Jahr bei Ordnungsamtsleiter Sebastian Schorn und haben ihn auf das Problem aufmerksam gemacht, dass uns das Recht auf Nachtruhe leider versagt wird. Danach hatten wir noch mehrfach telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit dem Ordnungsamt. Wann unternimmt die Stadt endlich etwas?“, führte der Sprecher der Anwohner aus. Aus dem Rathaus hatte man bislang nur zu hören bekommen: „Das Leben in der Stadt ist nun einmal lauter als auf dem Land.“ Oder: „Wir als Stadt haben keine polizeilichen Befugnisse.“

20 Ruhestörungen zählten die genervten Mieter in zwei Monaten

20 Ruhestörungen am späten Abend, um 2 Uhr oder sogar noch um 5.30 Uhr wollen die genervten Mieter allein in den vergangenen zwei Monaten gezählt haben. Weil die Betreiberin des Cafés und ihr Vater dies nicht abstellen würden, riefen die Anwohner mehrfach die Polizei um Hilfe. „Die hat uns geraten: Stellen Sie doch Anzeige wegen Ruhestörung und Körperverletzung“, so der Sprecher. Er hofft, dass so auch die Rolle des Ordnungsamtes untersucht werden kann.

Dem Ganzen setzte die Stadt nun noch die Krone auf, indem sie dem Café ab dem 1. Juli eine Außengastronomie genehmigt habe. „Wieso dürfen dann dort schon seit zwei Wochen Stühle vor die Tür gestellt werden? Sie können gerne bei mir für eine Woche einziehen und sich selbst ein Bild machen“, lud eine Anwohnerin Ordnungsamtsleiter Sebastian Schorn ein. Die Frau versicherte, dass sie angesichts des Kneipenlärms regelmäßig höchstens vier Stunden Schlaf finde – „zu wenig für eine Berufstätige“. Alternativ schlug sie vor, dass die Stadt Lärmmessungen in dem Schallkamin, den die Bebauung an dieser Stelle bildet, durchführt.

Der Vermieter der Wohnungen in den historischen Häusern am Kirchplatz teilte mit, dass bereits drei bis vier Familien ausgezogen seien, weil die Lärmbelästigung durch das Café nicht aufhöre.

„Das Ordnungsamt verfügt nicht über eine solche Messtechnik“, erwiderte Schorn. Von ihm wollte Ausschussvorsitzender André Herbes wissen, ob die Polizei die Stadt über die Einsätze am Café informiere. „Das ist schon ein Drahtseilakt, etwas in einer öffentlichen Sitzung angesichts des Datenschutzes zu einem laufenden Verfahren zu sagen“, antwortete Schorn. „Uns liegen nicht 20 Polizeiberichte vor und die, die wir zu sehen bekamen, wiesen meist den Eintrag ,ohne Feststellung’ auf“, sagte Schorn. Der kommunale Ordnungsdienst habe stichprobenartig Kontrollgänge durchgeführt. „Wir waren vor einem Feiertag um 23 Uhr dort und am Wochenende, aber es ließ sich kein Verstoß feststellen“, so der Ordnungsamtsleiter.

Beigeordneter Rainer Ritsche zeigte sich von der Massivität der Vorwürfe überrascht. Er widersprach der Behauptung, dass das Ordnungsamt nicht reagiert habe. Mit der Café-Betreiberin sei die Stadt in Gesprächen, das Ganze sei ein Abwägungsprozess zwischen Anwohner- und gewerblichen Interessen, erst an dessen Ende stelle sich die Frage nach der Zuverlässigkeit von Gewerbetreibenden mit Folgen bis hin zum Konzessionsentzug.

„Sie sind schon seit einem halben Jahr in Gesprächen“, konterte der Wortführer der Anwohner. Ausschussvorsitzender André Herbes (WG) warb dennoch: „Die Außengastronomie-Saison beginnt gerade erst. Lassen Sie uns in der Sitzung am 11. September Bilanz ziehen und noch einmal über Ihr Problem reden.“

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