Nach altem Brauch schreiben Katholiken ihre Wünsche und Hoffnungen in Fürbittenbücher. In Langenfeld gibt es auch so ein Buch – aber in einer evangelischen Kirche.

Glaube
Pfarrer Andreas Pasquay mit dem unscheinbaren Buch aus seiner Kirche.

Pfarrer Andreas Pasquay mit dem unscheinbaren Buch aus seiner Kirche.

„Danke für Moment der Stille in meiner Kirche. Segen für alle, für meine Wegbegleiter. Meine Liebe umhüllt sie“, schrieb jemand ins Buch. Fotos (2): Anna Schwartz

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Pfarrer Andreas Pasquay mit dem unscheinbaren Buch aus seiner Kirche.

Langenfeld. Es ist der Tag nach dem Krippenspiel. In der Erlöserkirche an der Hardt werden Engelsflügel zur Tür hinausgetragen und Requisiten zusammengeräumt. Es herrscht ein für eine Kirche ungewöhnlich geschäftiges Treiben und doch gibt es eine Ecke links vor dem Altar, die weiterhin eine tiefe Ruhe ausstrahlt. Eine Kerze brennt, ein Buch liegt dahinter aufgeschlagen auf einem schwarzen Pult. Daneben steht ein Spruch, in dem es heißt: „Hier bin ich, in diesem Gotteshaus (...) komme zu mir, besinne mich, schreibe in dieses Büchlein was mich bewegt, mir auf dem Herzen liegt.“

Fürbitten-Buch nennt man diese oft großformatigen Werke, die in Kirchen ausliegen und in die ein jeder seine Herzenswünsche an Gott schreiben kann. Fürbittenbücher sind eine Art Wunschzettel fürs ganze Jahr. Und sie sind eine rein katholische Tradition. Eigentlich. Denn in Langenfelds katholischen Kirchen gibt es kein solches Buch. Dieses Fürbittenbuch steht in der evangelischen Erlöserkirche.

Das geheimnisvolle Buch stammt aus dem Schreibwarenladen

Es ist nicht groß – etwa DIN A 5 – und in Leder gebunden. Es hat einen dunkelroten Umschlag mit silberfarbenen Ornamenten und stammt aus einem ganz gewöhnlichen Schreibwarengeschäft. „Manche Dinge kann man halt auch von den Katholiken lernen“, sagt Andreas Pasquay. Er ist seit 25 Jahren Pfarrer in der Kirche. Den katholischen Brauch hat sein Vorgänger Volker Raettig eingeführt, gemeinsam mit einer kleinen Ecke, in der man Kerzen anzünden und ein Gebet sprechen kann. „In einer Kirche muss es Bereiche geben, in denen Menschen aktiv etwas tun können“, erklärt Pasquay die Motivation.

„Manche Dinge kann man halt auch von den Katholiken lernen.“

Pfarrer Andreas Pasquay

Er beobachtet, dass Menschen immer mal wieder etwas in das Buch schreiben. Zur Weihnachtszeit gibt es dagegen keine Zunahme der Fürbitten. „Die Menschen schreiben eher nach Gottesdiensten oder nach einer Trauerfeier“, erklärt der Pfarrer. Und noch etwas ist ihm aufgefallen: „Selten stellt jemand wirklich eine Forderung. Eher bedanken sich die Menschen darin.“

Ab und zu liest der Pfarrer selbst im Fürbittenbuch und baut Aspekte daraus in den Gottesdienst ein. „Es sind keine Herzensgeheimnisse, die darin stehen. Es ist kein Beichtbuch, sondern es geht um Dinge, die uns alle beschäftigen.“

Seit etwa drei bis vier Jahren gibt es das Fürbittenbuch in der Erlöserkirche, so genau weiß es der Pfarrer nicht mehr. Erst im August wurde das zweite Buch angebrochen. Das voll geschriebene Exemplar wird aufbewahrt. „Was darin steht, ist eine Form des Gebets. Und für uns ist es ein Ausdruck der Wertschätzung, das wir es bewahren“, sagt Pasquay.

Seit August liegt das neue Buch aus. Seitdem haben sich sechs Menschen eingetragen. Deutlich häufiger würden Kirchenbesucher eine Kerze anzünden. Der kleine Altar steht direkt daneben.

Keiner der Schreiber fordert etwas für sich ein

Ebenfalls in dieser Ecke links vor dem Altar steht ein großer Spiegel. Darauf stehen drei Fragen: Wie lebe ich? Was brauche ich? Wer gehört zu mir? Drei Fragen, die Aufschluss darüber geben können, wofür man sich bedanken und um was man bitten sollte. Tatsächlich drehen sich alle Einträge in dem kleinen Buch nicht um eigene Ziele. Wer um etwas bittet, tut dies für einen Menschen, der ihm nahe steht.

Zitate aus dem Fürbittenbuch in der Erlöserkirche

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