Bürgerinitiative vermutet Mauschelei zwischen Stadt und Besitzer. Der Bürgermeister widerspricht. Grüne und SPD sind irritiert.

Langenfeld. Aufregung in Reusrath: Eine Woche, nachdem der Planungsausschuss mit der Stimmenmehrheit der CDU die Bebauung der Locher Wiesen beschlossen hat, rückten jetzt Mitarbeiter einer Gartenbaufirma an, um das Wäldchen am Locher Weg gegenüber des Friedhofs abzuholzen.

„Der Zeitpunkt ist für mich kein Zufall“, sagt Günter Herweg, Ratsmitglied der Grünen. „Erst der Ratsbeschluss Mitte Dezember wird der rechtlich verbindliche Termin für den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan sein.“ Dies sei auch der Stichtag für die ökologische Bewertung des Geländes – und jeder Bebauungsplan ginge mit der Bilanzierung eines Eingriffs in die Natur und einer Festsetzung möglicher Ausgleichszahlungen einher. Für den Investor bedeute das: Je ökologisch wertvoller das künftige Baugebiet ist, desto höher sind die zusätzlichen Kosten.

Ökologischer Wert könnte gemindert werden

Für die Grünen ist der Fall klar. Der ökologische Wert des Geländes soll gemindert werden. Die SPD, die wie die Grünen und die BGL im Ausschuss gegen die Bebauung der Locher Wiesen stimmte, ist ebenfalls irritiert. „Eine Baufeldfreimachung ohne gefestigten politischen Beschluss im Stadtrat überrascht mich“, sagt der Fraktionsvorsitzende Sascha Steinfels auf Nachfrage der WZ.

Dass der Rat den Beschluss aufgrund der Mehrheitsverhältnisse durchwinkt, gilt als sicher. Andreas Menzel, Sprecher der Bürgerinitiative „Erhalt der Locher Wiesen“, vermutet, dass für den privaten Grundstücksbesitzer „unter der Hand bereits klar ist, was bebaut wird. Sonst macht man so etwas ja nicht.“

„Wir schaffen lediglich die Rahmenbedingungen“

Dazu passt, dass Anwohner des Locher Wegs seit Jahren über häufig überschwemmte Keller klagen. Die Grünen sprachen in diesem Zusammenhang bereits davon, die CDU wolle dem Bauträger den Bau eines Regenrückhaltebeckens „aufs Auge drücken“. Die Rede war von einem Tauschgeschäft – Baugelegenheit gegen Regenrückhaltebecken. Nun steht der Vorwurf im Raum, dass mit der Abholzung die Kosten für ökologische Ausgleichsmaßnahmen reduziert würden.

Bürgermeister Frank Schneider widerspricht. „Ich bin selbst überrascht, dass dort Fakten geschaffen werden“, sagt er. „Die Abholzungen sind vom Eigentümer ausgegangen. Damit haben wir als Stadt nichts zu tun. Wir schaffen lediglich die Rahmenbedingungen für den Bebauungsplan.“

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