Als Bezirksbeamter ist Diethelm Kuger in Richrath so bekannt, dass er sogar unter der Schwimmbaddusche erkannt wird.

Als Bezirksbeamter ist Diethelm Kuger in Richrath so bekannt, dass er sogar unter der Schwimmbaddusche erkannt wird.
Block und Kuli sind Diethelm Kugers wichtigste Einsatz-Utensilien bei der Polizeiarbeit.

Block und Kuli sind Diethelm Kugers wichtigste Einsatz-Utensilien bei der Polizeiarbeit.

Ralph Matzerath

Block und Kuli sind Diethelm Kugers wichtigste Einsatz-Utensilien bei der Polizeiarbeit.

Monheim. „Ha, die werden schon nervös“, sagt Diethelm Kuger grinsend, als er fürs Foto auf der Bank vor St. Martin seine wichtigsten Arbeits-Utensilien, Block und Kuli, zückt. Eine Gruppe Halbstarker steht feixend auf der anderen Straßenseite. Der Kuli, weil er als Bezirksbeamter der Polizei auch für Staatsanwaltschaft und Gerichte ermitteln muss. „Wir müssen beispielsweise den Aufenthaltsort eines Täters ermitteln, der eine Straftat begangen hat und weggezogen ist.“

„Wir begleiten die Paraden der Schützen- und Martinszüge.“

Diethelm Kuger, Bezirksbeamter

Oder er muss Haftbefehle vollstrecken, wenn ein verurteilter Straftäter seine Geldstrafe nicht zahlt und deshalb seine Strafe im Gefängnis absitzen muss. Nur gelegentlich komme es dabei zu Problemen, wenn etwa der Delinquent erkennbar zu Hause ist, aber die Tür nicht öffnet, sagt der 52-Jährige, der seit 1996 den Bezirk Richrath betreut. „Dann müssen wir auch mal den Schlüsseldienst rufen oder die Tür aufbrechen.“ So einen Fall habe er erst kürzlich gehabt. „Dann gehen wir auch mit Schutzwesten in die Wohnung rein.“

Vor allem ist der Bezirksbeamte aber die Kontaktperson der Polizei für Kindergärten, Schulen und Vereine. „Wir begleiten die Paraden der Schützen- und Martinszüge.“ Er sei Ansprechpartner für Schulen, wenn es dort zu Vorfällen kommt, die ein polizeiliches Einschreiten nötig machen – etwa, wenn ein Schüler gefährliche Gegenstände mitbringt. „Je nach Situation werden wir auch angefragt, Vorträge zu bestimmten Themen zu halten“, sagt der dreifache Vater. Seinen hohen Bekanntheitsgrad im Viertel erlangte er vor allem durch die Verkehrserziehung – so dass er selbst in Badehose unter der Schwimmbaddusche als „Herr Kuger“ identifiziert wird.

Sprechstunden im klassischen Sinn hält er nicht mehr ab. Die seien in der Vergangenheit zu wenig angenommen worden. Beschwerden etwa über Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Nachbarschaftsstreitereien erreichen ihn jetzt per Mail. „Ich kann ja auch aus eigener Zuständigkeit eine Verkehrsüberwachung veranlassen.“ Manchmal führten solche Beschwerde auch dazu, dass er an Orten, wo es zu Ruhestörung oder Randale kommt, häufiger Präsenz zeigt. Wie im Landschaftspark Fuhrkamp, wo sich eine Zeit lang einige Jugendliche aufhielten und Bänke abfackelten. Nach den Brandstiftungen im Juli läuft er auch häufiger dort Streife, wo Wohnwagen abgestellt sind.

Dass er Polizist werden wollte, stand für ihn schon als Junge fest. Der gebürtige Düsseldorfer ist jetzt seit 36 Jahren im Polizeidienst und hat die Berufswahl nicht bereut – auch wenn die Rahmenbedingungen einen zuweilen mürbe machten. Als Bezirksbeamter ist er zwar nicht mehr den unregelmäßigen Arbeitszeiten des Wach- und Wechseldienstes ausgesetzt, gleichwohl seien private Termine wie Konzertbesuche oder Wochenendtrips schwer zu planen, weil er immer wieder zur Verstärkung bei Demos oder Fußballspielen herangezogen werden kann. Dennoch sei sein Beruf abwechslungs- und erlebnisreich, weil er mit allen Facetten des Menschseins zu tun habe: Mit den Niederungen und mit den Gutsituierten, die ihr Leben im Griff hätten. Letztere seien entweder Beschwerdeführer oder auch oft Opfer von Straftaten. „Wir machen ja oft die Nachsorge bei Bürgern, bei denen eingebrochen wurde. Viele fühlen sich in ihrer Privatsphäre verletzt. Manch einer zieht sogar weg.“

„Je nach Situation werden wir auch angefragt, Vorträge zu bestimmten Themen zu halten.“

Diethelm Kuger

Da er als Polizeibeamter oft repressiv werden muss, freue er sich, dass er so „auch mal helfen kann“, sagt Kuger. Indem er die Opfer an den Weißen Ring oder die Trauma-Ambulanz vermittelt. Manchmal gönnt ihm der Berufsalltag auch Situationen, die viele für typisch für den Polizeiberuf halten: etwa eine Verfolgungsjagd. „Kürzlich habe ich einen jungen Mann eine viertel bis halbe Stunde zu Fuß verfolgt, als er bei einer Fahrzeugkontrolle stiften ging und über das Wasserskigelände flüchtete. Der war am Ende völlig entkräftet“, erzählt der sportliche Frühfünfziger.

Als Übungsleiter nimmt er bei seinen Kollegen die jährliche Prüfung im Laufen und Schwimmen ab. Sich selbst hält Kuger mit Fußball fit – auch ein Ausgleich zum Überhandnehmenden Schreibkram.

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