Mehr als 600 Bürger kamen zur Info-Veranstaltung zum Bahnübergang Kaiserstraße. Viele Fragen blieben offen.

Versammlung
Die meisten der rund 600 Gäste waren nicht gerade glücklich über die Zukunftsaussichten.

Die meisten der rund 600 Gäste waren nicht gerade glücklich über die Zukunftsaussichten.

Anna Schwartz

Die meisten der rund 600 Gäste waren nicht gerade glücklich über die Zukunftsaussichten.

Langenfeld. Die Parkplätze wurden knapp, am Eingang zur Schützenhalle Richrath drängten sich rund 600 Bürger. Sie alle hatte die Sorge um die Zukunft ihres Einkaufszentrums oder – falls sie zur Gemeinschaft Richrather Geschäftsleute (GRG) zählen – um ihre Existenz zur bislang größten Info-Veranstaltung ihres Ortsteils geführt.

Sie war auf Antrag der CDU-Fraktion im Bau- und Verkehrsausschuss zustande gekommen, die eine möglichst zeitnahe und dem neuesten Stand entsprechende Unterrichtung zum Bau der Unterführung an der Kaiserstraße/Hildener Straße wünschte.

Spätestens 2017 muss mit dem Bau begonnen werden

Die Verwaltung hatte Wort gehalten, bei der Bahn Auskunft gefordert und bekommen. Referatsleiter Wolfgang Honskamp sowie mehrere Mitarbeiter erläuterten die seit 1975 laufende Planung. Das 2003 genehmigte Planfeststellungsverfahren wurde 2007 geändert, was bedeutet, dass bis 2017 mit dem Bau begonnen werden muss.

Die Bahn hatte drei Fiktivlösungen statt der bisherigen Planung vorgelegt. Zwei davon wurden sofort verworfen, die dritte lief auf eine Brückenlösung hinaus. „Ein gewundenes Bauwerk, mit Rampensteigungen von acht bis zehn Prozent, knapp am Baggerloch vorbei auf die Hildener Straße mündend“, sagte Honskamp. Diese Lösung würde jedoch die Eröffnung eines neuen Planungsverfahrens bedeuten. Provisorische Überführungen werden nicht mehr zugelassen.

Viele Zuhörer hatten Mühe, den Erläuterungen zu folgen. Hans-Josef Gladbach, als ehemaliger CDU-Ratsherr einer der Väter der Tunnellösung, fordert einen baldigen Baubeginn. „Ein Brückenbau wäre eine städtebauliche Katastrophe“, sagte er, brachte jedoch einen provisorischen Bahnübergang während der Bauzeit in die Diskussion ein.

Friseurmeisterin Haferkamp befürchtet eine Verkehrsüberlastung an der Richrather Straße/Winklsweg als Folge der notwendigen Umleitungen. Eine Mutter wüsste nicht mehr, wie sie ihre Kinder in Schule und Kita bringen sollte. Ein Anwohner aus Richrath-Nord vermisst ein echtes Konzept, die „Untertunnelung ist eine volkswirtschaftliche Fehlentscheidung“.

Es wurden zahlreiche Vorschläge gemacht, um das Abschneiden des Ortskerns und seiner Geschäftswelt zu vermindern. Sie lassen sich aber, wie Honskamp mitteilte, wohl kaum verwirklichen. Allein die unvermeidlichen Umleitungen für die Buslinien 785 und 790 bringen große Probleme. Dennoch warnte Ex-Ratsherr Lothar Portugall: „Es wäre das Schlimmste, von den Plänen abzurücken.“ Die Zeit der Schließung des Bahnübergangs könne allenfalls auf zwei Jahre gedrückt werden, ein Jahr würde die Vorbereitung dauern, hatte Honskamp ein wenig Trost parat.

Eine Lehre aus den Ereignissen um Stuttgart 21 wurde jedoch gezogen: Die Bürger mitzunehmen, alles zu tun, um die Werte zu erhalten, die Richrath lebenswert machen, wie Bürgermeister-Stellvertreter Dieter Braschoß erklärte. Der Bau- und Verkehrsausschuss werde am 24. Februar in Kenntnis gesetzt und sich mit Alternativlösungen beschäftigten. Doch gibt es wirkliche welche?

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