Seit 36 Jahren hält sich Hans-Peter Plattke mit seinem Musikladen in Langenfeld. Die Kaufbereitschaft der Kunden hat abgenommen, seine Leidenschaft nicht.

Einzelhandel
Bernd Heinitz spielte von 1987 bis 1990 mit Hans-Peter Plattke (rechts) in der Band „Surprice“.

Bernd Heinitz spielte von 1987 bis 1990 mit Hans-Peter Plattke (rechts) in der Band „Surprice“.

Anna Schwartz

Bernd Heinitz spielte von 1987 bis 1990 mit Hans-Peter Plattke (rechts) in der Band „Surprice“.

Langenfeld. Hans-Peter Plattke lässt sich von der Musik treiben. „Jetzt steigere ich mich da gerade so rein. Ich brauche einen Kaffee zum Runterkommen“, sagt er und pustet sich seine verschwitzten Haarfransen aus der Stirn. Wie in Trance wirkt er, wenn er mit der Gitarre „Keep on rocking me, baby“ anstimmt.

In seinen wilden Zeiten waren die „Toten Hosen“ noch kleine Jungs

Dann spricht er von seinen wilden Zeiten als Musiker, als die „Toten Hosen“ noch kleine Jungs waren, er ihnen Tipps gab und die Nase hoch trug, wie er selbst sagt. Und es kommt Wehmut auf. Weil er mit seiner Musik so viel vorhatte, doch davon nicht leben konnte. „Als Musiker hat man es nicht leicht“, sagt er dann.

Eine Kundin hatte sich am Mittwochmorgen plötzlich an das Schlagzeug im Musikladen gesetzt und losgelegt. Da hielten auch Plattkes Hände nicht still. Es folgte eine spontane Jam-Session – in diesem Laden nichts Außergewöhnliches. „Da kommen ständig Leute vorbei und spielen auf den Instrumenten“, sagt Plattke. Alte Bandkollegen sagen „Hallo“ und spielen mit ihm ein, zwei Songs. Auf die alten Zeiten.

Vor 36 Jahren machte sich der 60-Jährige selbstständig. Mittlerweile ist der Musikladen eine Institution in Langenfeld, Plattke der Lokalmatador. Studenten haben sogar ein Film über den „Rock’n Roller“ gedreht. Bei ihm haben sich Generationen von Nachwuchs-Musikern mit Sticks, Plektra, Fachbüchern, Instrumenten und Ersatzteilen eingedeckt. Und noch immer ist der Laden Plattkes „Baby“. Ihn will er halten. Auch wenn die Zeiten schwieriger geworden sind. „Man macht weniger Umsatz, die laufenden Kosten steigen aber“, sagt er. Geld für schlechtere Zeiten zurücklegen könne man so nicht. „Man lebt von der Hand in den Mund“, sagt er. „Aber verhungern tut man halt auch nicht.“ Etwa 70 Gitarren stehen und hängen zurzeit in Plattkes Laden, hinzu kommen noch mal rund 50 im Lager. „Früher waren es einmal 300 Gitarren“, sagt Plattke.

Bei Plattke schauen auch Promis vorbei

In den Ferien sei es sehr ruhig. „Ich hoffe, dass sich das bald ändert.“ In Hilden habe ein Laden für Instrumente gerade erst dicht gemacht, nun kämen auch viele Kunden aus Hilden zu ihm. Wer ein neues Instrument haben wolle, komme zu ihm. Denn dort gebe es nicht nur die erste Gitarre, sondern auch eine „anständige Beratung und Unterricht“. Erst am Mittwoch sei „Menderes“ vorbeigekommen und habe spontan ein Lied angestimmt. Seine Autogrammkarte steht auf dem Tresen, unzählige andere hängen an Plattkes Kasse. Welche Promis denn schon bei ihm auf der Türschwelle standen? „Weiß ich nicht, die erkenne ich doch gar nicht“, sagt er. Und dann fällt ihm doch noch ein Star ein, auf dessen Besuch er so gehofft hatte. Pete York von der Spencer Davis Group stand plötzlich in seinem Laden. Bei dem Gedanken daran, stimmt Plattke sofort einen Song an.

Angefangen hat Hans-Peter Plattke vor 36 Jahren mit einem Second-Hand-Laden an der Düsseldorfer Straße. Die Musikabteilung wuchs, schließlich machte Plattke an der Solinger Straße 79 einen reinen Musikladen auf. Dort verkauft er seitdem Instrumente, gibt Saxophon- und Gitarrenunterricht und bietet einen Reparaturservice an.

 

Zurzeit komponiert Plattke für ein Musical und arbeitet an seinen eigenen Bandplänen. Mit seiner Gruppe „Breitengrad“ gebe es Abstimmungsprobleme, jeder habe viel zu tun. Doch die neue „Pete Hummings Band“ stehe schon in den Startlöchern.

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