Pflegepersonal händeringend gesucht

Wie das Langenfelder Karl-Schröder-Haus der Awo werben Einrichtungen um Auszubildende.

Langenfeld/Monheim. Der Pflegeberuf ist körperlich anstrengend, psychisch belastend, es gibt Schichtdienst, Zeitdruck und die Bezahlung ist schlecht — vor allem in der Altenpflege. Unter diesen Vorzeichen ist es für die Betreiber von Seniorenzentren immer schwieriger, das im Zuge der Volksalterung dringend benötigte Fachpersonal zu bekommen. Das bestätigt Manja Sunkel, die das Langenfelder Karl-Schröder-Haus der Arbeiterwohlfahrt leitet. Von den 20 Ausbildungsplätzen für Altenpfleger und andere Berufsfelder in dem Seniorenzentrum sei ein Viertel nicht besetzt. Und ohne ausländische Fachkräfte wäre die Betreuung der aktuell 110 Bewohner kaum zu leisten.

Pflegepersonal händeringend gesucht
Foto: Meisel

„Wir haben 138 Beschäftigte aus 17 Nationen“, sagt Sunkel. Erstmals werde im Karl-Schröder-Haus ein Flüchtling zur Pflegefachkraft ausgebildet, der zuvor über den Bundesfreiwilligendienst bereits in dem Seniorenheim tätig war. Ebenfalls als „Bufdi“ kam nach ihrem Abitur auch Franziska Meiser (21) ins Karl-Schröder-Haus, mittlerweile lässt sie sich zur Altenpflegerin ausbilden. „Vorher konnte ich mir unter diesem Beruf wenig vorstellen. Hier habe ich Gefallen daran gefunden, weil die Tätigkeiten und Aufgaben doch sehr vielfältig sind, weil ich mit Menschen zu tun habe und mich auch sozial einbringen kann.“

Altenpflege bedeute nicht nur „Waschen und Essen reichen“, bekräftigt Ausbildungsleiterin Simone Karbig, die sich über das weit verbreitete Negativimage des für die alternde Gesellschaft so wichtigen Berufs ärgert. Arztkontakte, Behandlungspflege, Wundversorgung, Insulin spritzen, den Gesundheitszustand der Hausbewohner beobachten und dokumentieren — all dies gehöre zur Altenpflege. Viele Bewohner seien nicht mehr im Stande, sich zu äußern, wenn sie etwa einen Bluterguss haben, ergänzt die Pflegedienstleiterin Silke Schick. „Um so wichtiger ist es, dass wir solche Dinge erkennen“, sagt sie.

In den drei Wohnbereichen des Karl-Schröder-Hauses mit überwiegend Einzel-, aber auch Doppelzimmern kümmert sich nach Sunkels Angaben eine Pflegekraft um bis zu acht Senioren. In der Altenpflege gibt es keine gesetzlich verbindlichen Personalschlüssel. Der Bedarf berechnet sich nach dem Pflegegrad der Bewohner. Auf dieser Grundlage bekommen die Träger Geld von der Pflegeversicherung. Sunkel zufolge steigen die Anforderungen ans Personal auch wegen des steigenden Anteils demenzkranker und geistig eingeschränkter Bewohner. „Von den Neuankömmlingen im Karl-Schröder-Haus haben etwa 80 bis 90 Prozent solche Gedächtnisstörungen“, stellt die Leiterin fest. „Das war vor fünf Jahren noch anders. Die Arbeit wird damit natürlich intensiver.“

Dabei gilt deutschlandweit die Bezahlung in der Altenpflege als besonders schlecht. Eine Fachkraft verdient einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge durchschnittlich 2975 Euro brutto im Monat, wobei die regionalen Unterschiede in Deutschland erheblich sind. Angesichts des Fachkräftemangels auch in anderen Branchen winken jungen Menschen genug andere Jobs, die leichter zu erledigen und oftmals auch besser bezahlt sind.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort