Eine Langenfelderin leidet seit Jahren unter dem Streit mit dem Nachbarn. Für Schiedsmann Winfried Graw ein Klassiker.

Eine Seniorin aus Langenfeld ärgert sich über ihren Nachbarn.
Eine Seniorin aus Langenfeld ärgert sich über ihren Nachbarn.

Eine Seniorin aus Langenfeld ärgert sich über ihren Nachbarn.

Anna Schwartz

Eine Seniorin aus Langenfeld ärgert sich über ihren Nachbarn.

Langenfeld. Seit mehr als 20 Jahren leidet Hildegard Kremer (Name geändert) unter einem Nachbarschaftsstreit. Sobald die verwitwete Seniorin das Haus verlässt, einkaufen geht oder in Urlaub fährt, machen sich Nachbarn an ihren Bäumen zu schaffen. Äste, die über den Zaun ragen, sind ihnen offenbar ein Dorn im Auge. Aber auch der Wuchs in Kremers Garten scheint die direkten Anwohner zu stören.

„Sie klettern über den Zaun und schneiden Äste ab. Sie werfen sogar verblühte Blumen aus ihren Gärten auf mein Grundstück“, sagt sie verzweifelt. Ein Fall für den Schiedsmann? „Ein klassischer Fall“, sagt Winfried Graw, der das Ehrenamt seit sieben Jahren im Langenfelder Norden ausübt. Für den Süden ist Monika Ahrend zuständig.

Nachbarschaftsgesetz verpflichtet, bei Streit Schiedsleute aufzusuchen

„Am Amtsgericht können Richter die Streitparteien nur anhören und ein Urteil fällen. Dabei geht es meist nicht nur um einen abgesägten Ast, sondern um ein generelles Missverhältnis in der Nachbarschaft“, sagt der 72-Jährige, der vor seiner Tätigkeit als Schiedsmann Erster Beigeordneter und Kämmerer war. „Da ich zudem Jugend- und Sozialdezenent war, bin ich es gewohnt Konflikte zu steuern.“

Neid, die Kinder grüßen nicht – es gibt viele Auslöser für Streit unter Nachbarn. „Den Kern findet man nur durch ein langes Gespräch heraus“, sagt Graw. Richter hätten dafür keine Zeit, wären zudem zu teuer. Außerdem verpflichte das Nachbarschaftsgesetz, bei Streitigkeiten Schiedsleute aufzusuchen.

Schiedsmann kann nicht jeden Streit schlichten – viele landen vor Gericht

Ein geschlossener Vergleich kostet die Parteien dann jeweils 25 Euro. Die gehen an das Schiedsamt, damit die unbezahlten Schlichter ihre Auslagen begleichen können. Die Stadt stellt Graw und Ahrend im Rathaus ein Büro für die Schlichtungsgespräche zur Verfügung.

Das Schiedsmannwesen wurde 1827 zunächst für die Provinz Preußen eingeführt. Da die Schiedsmänner erfolgreich waren, hat sich das System der vorgerichtlichen Schlichtung (seit 1926 auch durch Schiedsfrauen) bis heute erhalten.
 

Der Rat wählt Schiedspersonen für eine Amtsdauer von fünf Jahren. Der Direktor des Amtsgerichts bestätigt, vereidigt oder verpflichtet die Schiedsperson und übt auch die Fachaufsicht aus. Die Schiedspersonen unterliegen somit einer ständigen Kontrolle und müssen Protokolle anfertigen.

Die Telefonnummer von Winfried Graw und Monika Ahrend können Bürger bei der Stadtverwaltung erfragen. Zudem sind die Schiedsleute im Kreis Mettmann auf der Internetseite des Amtsgericht Langenfeld aufgelistet: www.ag-langenfeld.nrw.de

„Ein Gespräch dauert zwei bis drei Stunden“, sagt Graw, der pro Jahr bis zu 15 Fälle betreut – mit einer Erfolgsquote von 70 Prozent. „Ein Vergleich kann jedoch nur geschlossen werden, wenn niemand sich unterlegen fühlt“, erklärt der Schiedsmann, der nach eigener Aussage stets versucht, eine lockere Atmosphäre zu schaffen. „Viele sind am Anfang verunsichert.“ Mit der Ladung, die zwei Wochen vor dem Termin ausgesprochen wird, gelte Erscheinungspflicht.

Sollten sich die Parteien nicht einigen, bleibt der Weg zum Amtsgericht, oder die Parteien gehen einfach ohne Konfliktlösung auseinander – wie im Fall von Hildegard Kremer. Eine Einigung ist nicht in Sicht. „Trotzdem kann es in einigen Fällen hilfreich sein, dass man sich einmal die Meinung gesagt hat“, sagt Graw. „In einer Ehe kann man sich scheiden lassen. Bei einem Nachbarschaftsstreit ist man hilflos, weil das Zusammenleben bestehen bleibt.“

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