Das erste mittelalterliche Burgfest des Fördervereins der Wasserburg war ein voller Erfolg. Insgesamt 19 Händler kamen und ermöglichten eine Zeitreise.

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Detlef Offermann war einer der Ritter, die am Wochenende für ein mittelalterliches Spektakel sorgten.

Detlef Offermann war einer der Ritter, die am Wochenende für ein mittelalterliches Spektakel sorgten.

Anna Schwartz

Detlef Offermann war einer der Ritter, die am Wochenende für ein mittelalterliches Spektakel sorgten.

Langenfeld. „Seid gegrüßt, edles Weib!“, sagt eine der Wachen, die das Burgtor der Wasserburg Haus Graven bewachen. Schon hier wird klar, dass die Besucher des ersten Burgfestes an diesem Wochenende einige Jahrhunderte in die Vergangenheit reisen.

Auf dem Burgplatz haben 19 Händler ihre Stände aufgeschlagen. Neben Holzschwertern, Kunsthandwerk, selbst gemachten Marmeladen und Fruchtlikören gibt es einen Schmied, eine Korbflechterin und eine Wahrsagerin. Die Preise werden in Silberlingen angegeben und interessierte Kunden als „holde Maid“ oder „edler Herr“ angesprochen.

Seit 2005 ist Stefan Baden Mitglied des Vereins „Wahre Bergische Ritterschaft“. Der gelernte Metallbauer steckt in einem selbst geschmiedeten Kettenhemd und liefert sich gerade einen erbitterten Schwertkampf gegen die Ritter Frederik von Criemenhold und seinem Bruder Christoph. Der kleine Tim verfolgt den Kampf mit offenem Mund und in sicherem Abstand. Ein bisschen mulmig ist ihm schon zumute. Mama Ute Mönke beruhigt ihn: „Timmy, dass ist kein echter Ritter. Du brauchst keine Angst zu haben.“

Stefan Baden ist es schon gewohnt, dass die Kinder manchmal Angst vor ihm haben. „Je näher die Kinder kommen, desto ängstlicher werden sie oft. Man erkennt uns ja auch unter den Helmen nicht richtig.“

Der Medikus ist eigentlich Tierheilpraktiker

Eigentlich ist die „Wahre Bergische Ritterschaft“ auf Schloss Burg in Solingen zu Hause. Für das erste Burgfest in der Wasserburg hat die Gruppe ihr Lager auf der Wiese neben dem Burghof aufgeschlagen. In manch einer der weißen Jurten versteckt sich ein recht komfortables Holzbett. „Ich fahre nach Hause zum Schlafen“, verrät Stefan Baden. „Aber viele übernachten auch hier.“

Den Förderverein der Wasserburg Haus Graven gibt es seit 2009. Die Mitglieder wollen nicht nur die Wasserburg erhalten, sondern sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich machen und mit Kunst und Kultur beleben.

Seit Mai 2011 ist die denkmalgeschützte Burg für die Öffentlichkeit zugänglich. Informationen zu weiteren Veranstaltungen auf der Wasserburg Haus Graven gibt es online: www.haus-graven.de www.haus-graven.de

So auch Bodo Werner aus Idar-Oberstein. „Das ist schon eine richtige Gemeinschaft auf so einem Fest“, sagt Werner. „Man trifft sich immer wieder und wenn man abends zusammen am Feuer sitzt, ist das immer schön.“ Werner ist eigentlich Tierheilpraktiker und erst seit zwei Jahren als Medikus auf Mittelaltermärkten unterwegs. Alle 14 Tage macht er sich auf und verkauft seine Cremes und Räucherwerk aus pflanzlichen Inhaltsstoffen. Die Rezepte dazu schreibt er selbst. „Das macht einfach Spaß und ist ein schöner Ausgleich zum Alltag“, sagt er.

Gegenüber versucht Parfümeur Matthias Nys mit losem Mundwerk, seine Düfte an den Mann zu bringen. Wobei ihn eher die Frauen umringen. „Mir ist der Geruch viel zu penetrant“, sagt Helmut Worringer und fügt grinsend hinzu: „Ich gehe lieber Met trinken.“ Seine Frau Ingrid aber lauscht den Erzählungen des Parfümeurs gebannt. „Dieser Duft hier ist der älteste, den ich habe. Von 1705! Das Rezept stammt aus meiner Familie.“

Nys präsentiert eine alt aussehende Flasche und sprüht etwas auf die Hand einer Frau in der Menschentraube um seinen Stand. Die Damen sind verzückt. „Das riecht schon interessant“, sagt Elke Bernhardt, die heute mit ihren Freundinnen hergekommen ist. „Ist mir aber auch etwas zu intensiv.“

Es geht bunt und ausgelassen zu auf dem Mittelaltermarkt. Hier wird gefeilscht, dort geplaudert. Und zur Stärkung gibt es Met, Kirchschbier, Saft und Wildschweinwurst.

Lothar Marienhagen, erster Vorsitzender des Fördervereins, kann zufrieden sein: „Bei der Organisation haben wir sehr darauf geachtet, dass eine große Vielfalt unter den Händlern herrscht.“ Das ist gut gelungen und schreit nach Wiederholung. „Wir planen auf jeden Fall, jetzt jedes Jahr ein Burgfest zu machen“, sagt Marienhagen.

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