Gina Heinrichs kennt alle Wildkräuter – und Rezepte, die daraus ein Festmahl zaubern.

Gina Heinrichs entdeckte vor sechs Jahren ihre Leidenschaft für Kräuter.  Fotos (2): Anna Schwartz
Gina Heinrichs entdeckte vor sechs Jahren ihre Leidenschaft für Kräuter. Fotos (2): Anna Schwartz

Gina Heinrichs entdeckte vor sechs Jahren ihre Leidenschaft für Kräuter. Fotos (2): Anna Schwartz

Lecker: Brotaufstrich aus Möhre und wildem Schnittlauch.

Anna Schwartz, Bild 1 von 2

Gina Heinrichs entdeckte vor sechs Jahren ihre Leidenschaft für Kräuter. Fotos (2): Anna Schwartz

Langenfeld. Die flache Schale voller Kräuter auf dem Wohnzimmertisch sieht aus wie Dekoration. Herzförmige Blätter, frischgrüne Stängel, bestreut mit Blüten von Huflattich und Veilchen sehen einfach hübsch aus. „Das ist unser Salat“, sagt Gina Heinrichs breit grinsend, und schüttet etwas Dressing über das Grün.

„Es gibt schon wieder viele Wildkräuter“, sagt die naturbegeisterte Langenfelderin. Scharbockskraut und jungen Giersch hat sie am Morgen in Wiescheid gesammelt, Portulak, einen dickeren Feldsalat, gibt es vom Biobauern. Sogar im Salatdressing ist etwas Gesammeltes: wilder Schnittlauch, viel würziger als seine kultivierte Variante.

„Als wir den Deckel hoben, war uns klar, dass wir das nicht essen wollten.“

Gina Heinrichs über ihre ersten Versuche als Kräuterköchin

Ihre Leidenschaft für Kräuter entdeckten die 38-Jährige und ihr Mann Olaf spontan vor sechs Jahren. Mit einem Kräuterkochbuch voller Pflanzenbilder zogen sie los. „Nur mit einem Buch kommt man als Anfänger aber nicht richtig weiter“, musste Heinrichs feststellen. Vom Giersch sammelte sie große, alte Blätter, wollte ihn – wie im Mittelalter üblich – wie Spinat zubereiten: „Als wir den Deckel hoben, war uns klar, dass wir das nicht essen wollten.“ Ein Pesto allein aus Löwenzahn stellte sich als viel zu bitter heraus.

Die „Wilde Möhre“ veranstaltet Kräuterspaziergänge

Inzwischen ist die Erzieherin und Heilpädagogin geprüfte Kräuterpädagogin und hat die vielen Arten sicher im Blick. Auf dem Weg von ihrer Arbeit in Düsseldorf-Kaiserswerth hielt sie kürzlich spontan an, weil sie wilden Schnittlauch am Straßenrand gesehen hatte: „Es wächst fast überall etwas. Aber von Straßenrändern und Parkplätzen wird man es nicht sammeln mögen.“

Das Hobby zum Beruf macht Heinrichs als Anbieterin von Kursen und Kräuterführungen unter dem Titel „Die wilde Möhre“. Die Pflanze gibt es wirklich: „Die ist einfach wunderschön“, sagt Heinrichs strahlend, hält eine eingelegte weiße Wurzel in einem Essigglas hoch.

Viele wildwachsende Pflanzen sind zum Verzehr geeignet. Würzkräuter wie die Knoblauchrauke fügt man in kleiner Menge wegen ihres intensiven Geschmacks zu Speisen hinzu, Wildgemüse heißen die Pflanzen, die man in größeren Mengen verzehren kann. Beispiele sind Giersch und Brennessel.

Giftige Gewächse ähneln manchmal schmackhaften Wildkräutern, zum Beispiel Maiglöckchen, die ähnlich wie Bärlauch ausschauen. Wer etwas ernten möchte, sollte die Unterscheidungsmerkmale genau kennen. Was man nicht genau kennt, rührt man nicht an. Vor dem Verzehr wäscht man wild gesammelte Pflanzen gründlich. Dazu verweisen manche Experten unter anderem auf die sonst bestehende Gefahr, sich mit dem Fuchsband zu infizieren.

„Die Wilde Möhre“ Gina Heinrichs bietet Führungen durch die Natur an. Der nächste Termin zum Thema Wildkräuter im Frühling ist am Samstag, 19. März, ab 11 Uhr im Landschaftspark am Fuhrkamp. Anmeldung und Information unter Telefon 0212/ 382 93 21.

Mit reichlich Erfahrung klappt es jetzt bei den Rezepten. Ein lecker nussig schmeckendes Pesto aus Scharbockskraut und Giersch hat Heinrichs im Repertoire, einen Brotaufstrich aus Möhren und wildem Schnittlauch.

Für Freunde von „Smoothies“, Obstsäften, gibt es ein Getränk aus pürierten Früchten in grün. Essige, Liköre und Aufstriche bereitet Heinrichs zu, verkauft sie in Gläschen außer Haus. Besonders exotisch sehen Heinrichs gesammelte Salate aus – die Blätter mit ihren ungewohnten Formen machen es aus. Ihr Schwiegervater habe aber nach den ersten Gabeltests begeistert nachgenommen: „Das ist lecker!“, habe er ausgerufen. Zu große Nachfrage ist dabei kein Problem für die Kräuterfrau: „Ich kann immer auf die Wiese gehen und neuen Salat holen“, sagt Heinrichs.

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