Weil gute Lebensmittel oft im Abfall landen, gehen einige Leute containern. Eine Mülltaucherin erzählt davon.

Claudia S. sucht unverdorbenes Obst und Gemüse aus Supermarkt-Containern.
Claudia S. sucht unverdorbenes Obst und Gemüse aus Supermarkt-Containern.

Claudia S. sucht unverdorbenes Obst und Gemüse aus Supermarkt-Containern.

Ralph Matzerath

Claudia S. sucht unverdorbenes Obst und Gemüse aus Supermarkt-Containern.

Langenfeld. Sie ist Lehrerin, steht finanziell auf sicheren Beinen und dennoch kommt manches Essen auf ihrem Teller direkt aus der Mülltonne. Claudia S. (Name von der Redaktion geändert) geht aus Prinzip containern.

Containern, das bedeutet: Die Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern, meist von Supermärkten. Claudia S. erfuhr von Kommilitonen, dass sich ein Blick in die Mülleimer durchaus lohnen würde. Also zog sie selbst los und machte während ihrer Studentenzeit reichlich Beute. Heute lebt die 30-Jährige in Langenfeld und ist auch hier fündig geworden. „Manche Container stehen so offen und ungeschützt dar, dass es regelrecht wie eine Einladung wirkt“, sagt Claudia.

Das scheint auch beim Kaisers an der Hauptstraße der Fall gewesen zu sein. Dort stehen die Container zum einen gut sichtbar an der Straße. Zum anderen waren sie eine Zeit lang unverschlossen und damit ein Ziel für viele Containerer. „Dann haben sich Anwohner wegen des nächtlichen Lärms beschwert und wir haben die Tonnen mit Schlössern versehen“, erklärt Filialleiter Marcel Oesterwind.

Claudia geht es beim Containern nicht ums Sparen

Claudia hat sich von Anfang Regeln gesetzt: Große Hindernisse (z.B. ein Zaun) werden nicht überwunden, es werden keine Schlösser aufgebrochen und nichts wird beschädigt. Unter diesen Bedingungen und vor allem mit dem Gedanken, dass die Lebensmittel sonst auf der Müllhalde landen, konnte sie das Containern „immer gut mit dem eigenen Gewissen vereinbaren.“ Auch wenn es in rechtlicher Hinsicht durchaus problematisch ist (siehe Infokasten).

Geschämt hat sich Claudia S. des Containerns nie. „Alle Leute, denen ich davon erzählt habe, reagierten mit Neugier und waren positiv überrascht. “ Ihre Eltern wissen dennoch nichts davon. „Sie denken ohnehin, dass ich ein Sparfuchs bin und würden mir dementsprechend sicherlich Geld geben wollen“, sagt Claudia. Das will sie aber auf keinen Fall, denn sie als berufstätige Lehrerin braucht das Geld nicht und ums Sparen geht es ihr auch nicht.

„Morgens wurde frisches Brot gebacken und genau dieses Brot landete am gleichen Tag abends im Müll“, berichtet Claudia. In ihren Augen der Gipfel der Verschwendung. Sie weiß genau, dass sich gute Lebensmittel im Müll finden lassen; zum Beispiel sehr häufig Obst und Gemüse. Das hat einen einfachen Grund. „Lebensmittel, die verschimmelt sind oder Kontakt zu verdorbener Ware hatten, können weder aus ethisch-moralischen noch aus juristischen Gründen abgegeben werden“, sagt Andreas Krämer. Er ist Pressesprecher der Rewe-Group. „Gerade Schimmel wird oft unterschätzt.

Die Rewe-Group ist in solchen Fällen gezwungen, nicht nur eine einzelne Erdbeere auszusortieren, sondern die gesamte Schale.“

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