Studiobühne präsentiert neues Kabarettprogramm. Das Publikum fordert mehrere Zugaben.

Die Akteure der Studiobühne begeistern mit All-inclusive-Lästerei ihr Publikum.
Die Akteure der Studiobühne begeistern mit All-inclusive-Lästerei ihr Publikum.

Die Akteure der Studiobühne begeistern mit All-inclusive-Lästerei ihr Publikum.

Ralph Matzerath

Die Akteure der Studiobühne begeistern mit All-inclusive-Lästerei ihr Publikum.

Langenfeld. Psst, lassen sie uns gemeinsam über den Tellerrand hinausschauen. Allen Kampagnen und Untersuchungen zum Trotz sind weniger als zehn Prozent der Deutschen Vegetarier. In ihrem neuen Programm „Is(s) was ?!“ stellt die Studiobühne die entscheidende Frage zur „Fleischeslust“: „Warum hat Gott die Tiere nur so lecker gemacht!“

Zwei Stunden lang garen 140 Gäste der Premiere im Flügelsaal bei hoher Temperatur. Zehn Kabarettisten und eine Live-Band tragen auf: ein Programm von Currywurst über AFD-Heimatschutz bis hin zum ewigen Rivalen mit Rheinblick, Piwipper Böötchen und Gänseliesel. Als Digestiv gibt es einen nicht enden wollenden Beifall und „Zugabe-Rufe“, die Regisseurin Elisabeth Schafheutle mit einer Bitte um Verständnis beendet: „Wir haben in den vergangenen Nächten wenig geschlafen – und wollen, ehrlich gesagt, jetzt nur noch mit Ihnen feiern.“

Viele helfende Hände haben den Flügelsaal fein gemacht: An großen Festtafeln sitzt das Publikum und genießt die All-Inklusive-Lästerei: Zu den Pointen gibt es Pils, Wein oder Wasser. Und dann ist noch diese verlockende Schale mit Nüsschen auf dem Tisch… Vorn erklingt derweil eines der stärksten Teile der ersten Programmhälfte – das Lied „Fleischeslust“, der nun wirklich nur äußerst schwer zu widerstehen ist. Also – der Darbietung und den zugrundeliegenden Gelüsten.

Gaumendiktator und „Heimat-Security“

Schnell machen die Akteure der Bühne deutlich, dass sich die Sache mit dem Verzehr als roter Faden durch den Abend spannt, es aber nicht unpolitisch bleibt. Die beiden Rechtspopulisten von der „Heimat Security“ – einer mit Baseball-Schläger, der andere mit schlagenden Parolen, knüppeln verbal alles nieder was sich ihnen in den Weg stellt, stolpern dann aber über ihren ganz eigenen Gaumendiktator. In der nächsten Szene spritzt der Teufel mit seiner braunen Sauce über Populisten wie Trump, Putin und Erdogan. „So einfach war‘s noch nie“, frohlockt der Doppel-Gehörnte.

Im nächsten Block nimmt sich die Studiobühne die Lebensmittelindustrie zur Brust. Dass der Nestlé-Konzern einerseits weltweit alle Wasserrechte kauft und andererseits bereits in der Schule die Erziehung über kostenfreies Lehrmaterial zum einfachen Download beeinflusst – das schmeckt den Vortragenden überhaupt nicht. Es ist die schwächste, weil wenig überraschende Stelle im Programm. Pause. Und welch ein Glück: Die nächsten Menüpunkte begeistern das Publikum – aber richtig. „Langenfelder Spezialitäten“ und „Picknick in Monheim“ verknüpfen Kleinstadt und Weltbühne geschickt miteinander. Auf der Suche nach neuem Designer-Food wird das Hybridbier aus Alt und Kölsch erfunden, der Langen-Burger oder ein Spezialaquavit, der sein Aroma nicht aus einer großen Seereise bezieht. Immer wieder gibt es im zweiten Teil Anspielungen auf das, was der Schlusssong im Zugaben-Teil abrundet: „Unsere Welt ist Langenfeld“. Hellwach folgt das Publikum jeder Pointe. Dazu hat die Live-Band mit den Arrangements von Volker Arnold ein tolles Repertoire und mit Alexandra Visser am Saxofon einen echten Pluspunkt parat. So gibt es von kritischen Küchenjury für „Is(s) was?!“ acht von zehn Punkten. „Dat iss Sterne-Niveau“, würde Reiner Calmund sagen.

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