Das Thema steht bei der Awo-Suchtberatung Monheim/Langenfeld weit oben auf der Agenda.

Viele Jugendliche verbringen täglich viele Stunden mit Spielen wie „World of Warcraft“. Symbol
Viele Jugendliche verbringen täglich viele Stunden mit Spielen wie „World of Warcraft“. Symbol

Viele Jugendliche verbringen täglich viele Stunden mit Spielen wie „World of Warcraft“. Symbol

Archiv/Kusch/dpa

Viele Jugendliche verbringen täglich viele Stunden mit Spielen wie „World of Warcraft“. Symbol

Langenfeld/Monheim. Mythen von Zwergen und Nachtelfen, Königen, Trollen und Helden: Das ist „World of Warcraft“. Wer sich ein Beil- oder Schwert-schwingendes Alter Ego im Computer erschafft, kann sofort mitmetzeln – in einem der erfolgreichsten Online-Rollenspiele der Welt. Aktuell wird die Handy-Variante beworben, weil der Hosentaschenbildschirm bei jungen Nutzern das „große“ Computerdisplay abgelöst hat. Bei der Suchtberatung Monheim/Langenfeld der Arbeiterwohlfahrt (Awo) steht das stundenlange, selbstvergessene Starren auf einen Bildschirm mittlerweile als Beratungsthema weit oben.

Wird im Jugendzimmer der Strom abgestellt, rasten Kinder aus

„Wir bekommen regelmäßig Anrufe besorgter Eltern. Die fragen uns, was sie gegen die extensive Nutzung von Computern und Handys tun können“, sagt der Leiter der Awo-Suchtberatung, Dieter Requadt. Vor allem wenn Eltern den Strom im Jugendzimmer abstellen und das Handy einziehen, erleben manche ein Kind, das völlig ausrastet. Das schreit und schwitzt und tobt, als habe man ihm das Lebensnotwendige geraubt. Gerade so, als würde einem Süchtigen auf Entzug der nächste Schuss vorenthalten.

Vor solch voreiligen Schlüssen warnt Requadt ausdrücklich: „Der extensive Online-Konsum ist keine Sucht, sondern eine Verhaltensstörung.“ Auch die müsse indes – notfalls stationär – behandelt werden. Doch wichtiger ist dem Awo-Berater die Vorbeugung: „Leider bekommen wir dafür sehr wenig Mittel des Kreises.“

Beim kritischen Online-Verhalten rollt der Ball sehr rasch zu den Eltern zurück. „Deren Vorbild prägt die Handy- und Computernutzung der Kinder“, sagt der für Prävention zuständige Awo-Berater Matthias Brauße. Heißt: Wenn Eltern selbst bei Mahlzeiten das Handy neben den Teller legen, dürfen sie sich nicht beschweren.

In den Schulen müsse Medienkompetenz und die Fähigkeit, den digitalen Helfer auch mal loslassen zu können, im Unterricht gelehrt werden. Dazu bieten die Awo-Berater an, in Langenfelder und Monheimer Klassen zu kommen. Der Kreis Mettmann bildet „Medienscouts“ aus. Dabei werden Jugendliche zu Experten – in der Hoffnung, dass sie ihre gleichaltrigen Freunde besser erreichen als Pädagogen. Michael Buckert vom Medienzentrum des Kreises bereitet derzeit den nächsten Workshop vor. Mit dabei unter anderem die Monheimer Sekundarschule und aus Langenfeld die Bettine-von-Arnim Gesamtschule sowie die Kopernikus-Realschule.

An den Schulen werden einzelne Jugendliche gezielt angesprochen

Aus Sicht von Pädagogen ist der müde, unkonzentrierte Montagmorgen nach einem durchgedaddelten Wochenende kein generelles Problem in den Schulen. „Das betrifft einzelne Schüler, die wir gezielt daraufhin ansprechen“, sagt Ralf Sänger, Leiter der Peter-Ustinov-Gesamtschule in Monheim. Ähnlich äußert sich der am Konrad-Adenauer-Gymnasium Langenfeld für Medienkompetenz zuständige Lehrer Christian Buhtz. Er besuchte jüngst ein Seminar über Auswüchse und Gefahren des flächendeckenden Online-Angebots. „Nach dem, was dort aus anderen Städten und Regionen berichtet wurde, leben wir in Langenfeld eher noch in einer heilen Welt.“

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