Beim runden Tisch im Schützenheim äußern viele Reusrather ihre Bedenken.

Bürgermeister Frank Schneider (2.v.r.) und Tiefbauamtsleiter Wolfgang Honskamp (r.) hören zu.
Bürgermeister Frank Schneider (2.v.r.) und Tiefbauamtsleiter Wolfgang Honskamp (r.) hören zu.

Bürgermeister Frank Schneider (2.v.r.) und Tiefbauamtsleiter Wolfgang Honskamp (r.) hören zu.

Anna Schwartz

Bürgermeister Frank Schneider (2.v.r.) und Tiefbauamtsleiter Wolfgang Honskamp (r.) hören zu.

Langenfeld. „Ich gucke aus meinem Fenster direkt auf eure Windräder“, meldet sich ein Reusrather in der Diskussion der Auftaktveranstaltung Forum „WindDialog Langenfeld“. Das Thema hat vor allem die Bewohner des südlichen Ortsteils mobilisiert, die das Vereinsheim des Schützenvereins 1834 an der Langforter Straße bis auf den letzten Platz füllen. Die Stadtverwaltung hat mit dieser Zusammenkunft den Auftrag des Fachausschusses von Ende Juni dieses Jahres erfüllt, einen runden Tisch unter neutraler Moderation zum Thema Windkraft in Langenfeld zu bilden.

„Alle wollen raus aus der Atomkraft, aber keiner will die Folgen tragen“

Dazu werden der Zuhörerschaft viele Informationen über die geografische Lage der Stadt und die inzwischen vorliegenden Gutachten gegeben. „Langenfeld gehört nicht zu den windreichsten Gebieten“, räumt Bürgermeister Frank Schneider zu Beginn ein, weist jedoch auf das vom Rat beschlossene Klimaschutzkonzept hin, in dem auch die Windkraft eine wichtige Rolle spielt. Er berichtet von Investorengesprächen über den Bau von Windrädern in Reusrath, aber auch von Gesprächen mit Monheim, um ein gemeinsames Gelände zu finden.

Dabei sei der Gedanke an Windräder neben der A 59 im Grenzbereich zwischen Langenfeld und Monheim in Höhe Berghausen aufgetaucht. Und er mahnt, wohl auch vorausschauend auf die Diskussion: „Alle wollen raus aus der Atomkraft, aber keiner will die Folgen mittragen.“

Anja Astor von der EnergieAgentur NRW berichtet von Serviceangeboten des Landes für Kommunen zur Windenergie. Langenfelds Umweltschutzbeauftragter Jens Hecker legt als Ziel für die Stadt dar, es sei beschlossene Sache, bis 2020 genau 20 Prozent CO2-Immissionen einzusparen. Er vermittelt ein Bild über den gegenwärtigen Verbrauch.

Bevölkerung hat viele Zweifel angemeldet

In Langenfeld werden jährlich 437 000 Tonnen CO2-Immissionen in die Atmosphäre geblasen, 30 Prozent von privaten Haushalten, mehr als ein Drittel von der Wirtschaft. Eine Einsparung von 20 Prozent bedeutet 87 400 Tonnen.

Ein Windpark in Reusrath könnte auf der zur Verfügung stehenden Fläche mit drei Anlagen für insgesamt neun Megawatt Leistung errichtet werden. Einzelanlagen von Windrädern sind vom Rat verworfen worden. Widerstand aus der Bevölkerung gegen das Projekt gibt es schon seit mehreren Jahren.

Lärm- und Infraschallentwicklung können belastend sein; in den gesetzlich vorgegebenen größeren Entfernungen gehen die Schallemissionen jedoch normalerweise im Hintergrundrauschen unter, das im Wesentlichen von Verkehr und Industrie sowie dem lokalen Wind geprägt wird.

Schließlich informiert Stadtplaner Stephan Anhalt über gesamtstädtische Untersuchungen, die ergaben, dass von drei möglichen Standorten nur jener in Reusrath in Frage komme, auf einer Fläche von 48 Hektar und einer maximalen Höhe der Windräder von 100 Metern. Er ließ aber auch keinen Zweifel offen: „2013 sollen Entscheidungen fallen.“ Die Diskussion verlief erwartungsgemäß in Richtung Ablehnung einer Windkraftanlage in Reusrath. „Die Bevölkerung hat einen ganzen Strauß von Zweifeln“, sagte ein Anwohner. Ein anderer stellte die Frage nach der Energieeffizienz, mit welcher Ausnutzung zu rechnen sei. Und eine Hausbesitzerin befürchtet eine Wertminderung ihres Anwesens. Viele Zweifel, die Grund geben, das Thema Windkraft am runden Tisch in den ersten Monaten 2013 erneut zu behandeln. Damit dieser Punkt des Klimakonzeptes realisiert werden kann.

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