Bei Bauarbeiten in der Innenstadt sind die Überreste eines Tieres freigelegt worden. Womöglich hat es mit der Postgeschichte der Stadt zu tun.

Geschichte
Vermutlich sind es Überreste eines Pferdes, die in Langenfeld nach dem Abriss eines Möbelhauses aufgetaucht sind. Archäologen wollen nun herausfinden, wann das Tier dort begraben wurde und wie es zu Tode kam.

Vermutlich sind es Überreste eines Pferdes, die in Langenfeld nach dem Abriss eines Möbelhauses aufgetaucht sind. Archäologen wollen nun herausfinden, wann das Tier dort begraben wurde und wie es zu Tode kam.

Dirk Thomé

Vermutlich sind es Überreste eines Pferdes, die in Langenfeld nach dem Abriss eines Möbelhauses aufgetaucht sind. Archäologen wollen nun herausfinden, wann das Tier dort begraben wurde und wie es zu Tode kam.

Langenfeld. Junge Stadt an alter Straße – so lautet ein Langenfelder Slogan. Gemeint ist die Tatsache, dass Teile der heutigen Gemeinde einst an der Via Publica (Volksstraße, später Poststraße oder Handelsstraße) lagen, die unter anderem Köln mit Düsseldorf und dem Bergischen Land verband. Daher gab es früh eine Postkutschenstation auf dem Gemeindegebiet. Sie diente unter anderem auch dem Pferdewechsel. Betreiber war das große Adelshaus Thurn und Taxis – eine Art Marktführer beim Transport per Kutsche in früheren Jahrhunderten.

Jetzt wird diese Geschichte womöglich noch etwas greifbarer. Denn bei Bauarbeiten in der Innenstadt wurden Teile eines Skeletts freigelegt – wahrscheinlich von einem Pferd. „Ganz sicher bin ich mir noch nicht. Aber alles deutet darauf hin, dass es sich tatsächlich um ein Pferdeskelett handelt“, sagt Erich Claßen, Leiter der Außenstelle Overath des Amtes für Bodendenkmalpflege beim Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Ab Dienstag wird der Fund sorgfältig freigelegt

Zutage gekommen ist der Fund beim Abriss des Möbelhauses Zass an der Schulstraße. Dort soll Wohnbebauung entstehen. Doch erst einmal sind jetzt die LVR-Archäologen gefragt. Die beginnen am Dienstag mit der Freilegung des Skeletts.

„Wie alt die Knochen sind, kann ich noch nicht sagen. Aber weil wir wissen, dass auf dem Gebiet zwischen 1850 und 1890 das erste Gebäude gebaut wurde, muss das Skelett älter sein. Denn das Gebäude wurde über der Grube mit dem toten Tier gebaut“, sagt Claßen. Dass es allerdings hunderte von Jahre älter ist, glaubt der Archäologe nicht. „Der Boden ist sandig. Da findet relativ schnell ein Verrottungsprozess statt.“

Claßen ist sich ziemlich sicher, dass Menschen die Reste in die Grube geschafft und sie dann abgedeckt haben. Nahe des Fundortes befand sich besagte Poststation. Da sind Spekulationen erlaubt. Fiel das Tier gar aus Überanstrengung tot um und wurde verscharrt? „Nach der Ausgrabung sind wir schlauer. Wenn etwa die Hinterläufe fehlen, handelt es sich ziemlich sicher um ein Schlachttier. Denn die Hinterbeine waren besonders fleischreich“, erläutert der Wissenschaftler.

Die genaue Altersbestimmung ist laut Archäologe Erich Claßen schwierig. Bei der Ausgrabung des Skeletts hofft er auf Beifunde, die Aufschlüsse geben. Das kann zum Beispiel ein Geschirr sein, wie es zu ganz bestimmten Zeiten benutzt wurde. Aber auch eine Scherbe kann unter Umständen sehr hilfreich sein. Eine sogenannte C14-Datierung schließt Claßen aus. Sie sei zu aufwendig, der Fund dafür denn doch nicht spektakulär genug. Zur Methode: Bei der C14-Datierung werde radioaktive Kohlenstoffe, die sich in allen Tieren und Pflanzen befinden, auf die Halbwertszeit untersucht.

So oder so: Die Knochen finden ihre letzte Ruhe in der LVR-Außenstelle Overath. „Wir sind schließlich ein Archiv für Bodenfunde. Und dazu gehört auch dieses Skelett“, sagt Claßen.

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