Zwei Monate Verkehrschaos – Unternehmer gehen mit Anwalt gegen das Land vor.

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Tankstellenbetreiber Markus Jankowiak fühlt sich in seiner Existenz bedroht.

Tankstellenbetreiber Markus Jankowiak fühlt sich in seiner Existenz bedroht.

Anna Schwartz

Tankstellenbetreiber Markus Jankowiak fühlt sich in seiner Existenz bedroht.

Langenfeld. An der Düsseldorfer Straße liegen die Nerven nach zwei Monaten Baustellenärger blank. Die Unternehmen beklagen Umsatzeinbußen von 15 bis 75 Prozent. Lieferanten fänden den Weg nicht mehr, Kunden würden gar nicht mehr versuchen, den Weg durch das Umleitungswirrwarr zu finden. „Wir haben überhaupt keine Laufkundschaft mehr.

Normalerweise schauen immer mal Kunden der gegenüberliegenden Tankstelle bei uns vorbei. Jetzt nicht mehr“, sagt Amin Missaghian, Inhaber von J & A Automobile an der Raiffeisenstraße, Ecke Düsseldorfer Straße. Seine Umsätze seien um 20 Prozent eingebrochen.

Aus Sicht mehrerer Unternehmer sind die Bauabschnitte zu groß

Der Selbstständige wirft Straßen NRW vor, dass zu wenig Rücksicht auf die Unternehmer genommen wurde. „Mir wäre lieber gewesen, es hätte für drei, vier Tage eine Vollsperrung gegeben. Dann hätte man in einem Schritt den kompletten Straßenbelag in der Kreuzung zur Hans-Böckler-Straße machen können und wir hätten zumindest in dem Abschnitt wieder freie Fahrt.“

Die Einteilung der Abschnitte kritisiert auch Vencel Packovic vom Hotel-Restaurant Am Fuhrkamp: „Ursprünglich hieß es, dass es kleine Bauabschnitte gibt, immer zwischen den Kreuzungen. Plötzlich wurde komplett auf 1,5 Kilometern abgesperrt.“ Der Wirt verzeichnet beim Mittagstisch Einbußen in Höhe von 40 Prozent, da Angestellte aus dem Gewerbegebiet Ost die kompliziertere An- und Abfahrt scheuen.

Eva Augustat hat die Folgen der Baustelle noch auf ganz andere Art zu spüren bekommen. Im Schnee hatten sich mehrfach Lastwagen auf der engen Spur festgefahren. In einem Fall hatte die Polizei den Autoverkehr einfach über ihren Rasen umgeleitet. Der hat jetzt tiefe Furchen. „Immerhin haben wir Post von der Kreispolizeibehörde bekommen. Sie will sich um den Schaden kümmern.“

Acht Unternehmen haben gemeinsam eine Anwältin engagiert

Augustat Parkett ist eines von acht Unternehmen, die per Anwältin gegen Straßen NRW vorgehen. Dazu gehört auch bft-Tankstellenbetreiber Markus Jankowiak. Bis zu 75 Prozent Einbußen habe er pro Monat. Im Dezember habe er halb so viel Treibstoff verkauft wie in den Monaten vor Einrichtung der Baustelle.

„Ich betreibe mein Geschäft erst seit anderthalb Jahren. Ich kann nicht auf Rücklagen zurückgreifen“, sagt er. Die Anwältin hat dem Landesbetrieb nun eine Aufforderung zu einem Krisengespräch geschickt. Jankowiak sagt: „Auch eine Klage auf Schadensersatz ist noch im Gespräch.“

Das Möbelhaus Kürten hat derweil einen Weg gefunden, die Baustellenzeit zu nutzen. Juniorchef Gordon Kürten: „Da wir weniger Kundschaft haben, ziehen wir einen geplanten Umbau vor.“

Seit gestern laufen die Bauarbeiten wieder, allerdings nicht auf der Kreuzung, sondern weiter in Richtung Düsseldorf. Bei trockenem Wetter sind die Arbeiten laut Straßen NRW in 18 Werktagen erledigt.

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