Ein Bürger beantragt die kostenlose Entsorgung von Grünabfällen. Die Stadt hält dagegen: Die Annahme wäre nie kostenlos, sie würde über Müllgebühren refinanziert.

Entsorgung
Wie hier im Ittertal entsorgen Gartenbesitzer immer wieder ihren grünen Müll im Wald.

Wie hier im Ittertal entsorgen Gartenbesitzer immer wieder ihren grünen Müll im Wald.

Stefan Fries

Wie hier im Ittertal entsorgen Gartenbesitzer immer wieder ihren grünen Müll im Wald.

Haan. Wolfram Schneider-Mombaur hat recherchiert. „In anderen Städten können Bürger ihren Grünschnitt kostenlos abgeben“, sagt er. „Beispielsweise in Erkrath und Hilden, aber auch in Nothaushaltsgemeinden wie Solingen.“ Und weil Wolfram Schneider-Mombaur findet, dass die Stadt Haan den Bürgern bei der Entsorgung von Grünabfällen durchaus entgegen kommen könnte, hat er deren kostenfreie Entsorgung, zumindest im Frühjahr und im Herbst, beantragt. Das würde aus seiner Sicht auch die „Wildentsorgung“ am Rande von Wiesen und Feldern und in der Nähe von Wohngebieten im Stadtgebiet reduzieren.

Der Antragsteller ist sich sicher, dass andere Bürger ihn unterstützen

„Wenn ich einmal meinen Rasen gemäht habe, ist meine braune Tonne voll“, sagt Schneider-Mombaur. Den Platz, weitere braune Behälter aufzustellen, habe er nicht. „Und die sehen auch nicht schön aus“, findet er. Dass die Stadt immer mit ihrem grünen Image werbe und die Bürger auffordern würde, Baumscheiben zu bepflanzen, bei der Entsorgung des grünen Abfalls aber alles andere als bürgernah sei, ärgert ihn. „Ich bin mir sicher, dass auch andere Bürger meinen Antrag unterstützen“, sagt er: „Und ich habe Hoffnung, dass die Parteien vielleicht auch umgedacht haben.“

Besitzer von Restmülltonnen erhalten eine braune Tonne dazu

Denn die Entscheidung, es zu ermöglichen, Grünabfälle kostenlos zu entsorgen, ist eine politische Entscheidung. Zurzeit werden diese über die braune Tonne abgefahren. „Wer eine Restmülltonne hat, erhält kostenlos eine braune 120-Liter-Tonne dazu“, sagt Abfallberaterin Carmen Viehmann. Es sei angedacht gewesen, Abfälle wie diese auch am neuen Betriebshof anzunehmen. „Aber man wollte dort keinen Recyclinghof einrichten“, erinnert sich Viehmann. Aber selbst wenn dort eine kostenlose Annahme von Rasenschnitt und kleingeschnittenen Bäumen möglich wäre, würden die Kosten dafür über die Müllgebühren umgelegt.

„Bewohner von Mehrfamilienhäusern zahlen dann für die Gartenbesitzer mit“, sagt Stadtgartenmeister Peter Kannemann. „Das wollten wir nicht.“ Aber er gibt zu, dass die Grünabfälle ein Problem sind. „In Straßen, in denen Bürger besonders durch das Laub städtischer Bäume gebeutelt sind, verteilen wir kostenlos Säcke“, sagt er.

Die Stadt bemüht sich, die Eigenkompostierung zur fördern

Dass Besitzer großer Gärten oft ein Problem haben, geschnittene Sträucher und Bäume zu entsorgen, weiß Kannemann auch: „Die müssen die Äste und kleinen Stämme dann selbst häckseln oder häckseln lassen und dann kostenpflichtig bei Unternehmen in Haan oder bei der Kompostierungsanlage in Solingen abgeben.“ Gleichzeitig bemühe sich die Stadt aber auch, die Eigenkompostierung zu fördern. „Oft sind es aber Besitzer großer Gärten, die über die Menge ihrer Grünabfälle klagen, aber keinen Kompost angelegt haben, obwohl sie den Platz dafür hätten“, sagt Kannemann.

Bürgerantrag Wolfram Schneider-Mombaur hat an Bürgermeister Knut vom Bovert geschrieben: „Ich beantrage eine kostenfreie Entsorgung privater Grünabfälle für Haaner Bürger auf einem kontrollierten Gelände oder dem Bauhof (Nachweis durch Personalausweis) – zumindest in Frühjahr und Herbst.“ Unterstützer dieses Antrags mailen an esgruentsogruen2011@web.de

Braune Tonne Besitzer einer 120-Liter oder auch kleineren Restmülltonne können bei der Stadt kostenlos eine braune 120-Liter-Tonne für Garten- und Küchenabfälle bestellen. Dazu können in beliebiger Menge weitere braune Behälter für je 48 Euro im Jahr bestellt werden.

Strafe Kann der Besitzer von wild im Wald entsorgten Grünabfällen zugeordnet werden, droht ihm ein Bußgeld zwischen 20 und 800 Euro. Hat er dazu umweltgefährdende Stoffe (Herbizide, Pestizide) verklappt, schaltet der Betriebshof die Umweltpolizei ein und erstattet Strafanzeige.

Dass Gartenbesitzer ihren grünen Müll unerlaubt im Wald entsorgen, sei ein weiteres Problem. Der Boden werde in Mitleidenschaft gezogen und nicht einheimische, sogenannte Gartenflüchtlinge (Herkulesstaude, japanischer Knöterich), verdrängen heimische Tiere und Pflanzen. Kannemann: „Wir beseitigen solche wilden Müllkippen, schaffen das aber nicht überall.“

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