Die Einrichtungen können den Ansturm nur dank ihrer ehrenamtlichen Helfer bewältigen.

Die Einrichtungen können den Ansturm nur dank ihrer ehrenamtlichen Helfer bewältigen.
Ohne ehrenamtliche Helfer lässt sich der Aufwand nicht bewältigen: Selin Polat, Neli Steffens und Beta Raji (v.l.) kümmern sich um Brot- und Brötchen-Spenden für die Hildener Tafel. Archiv

Ohne ehrenamtliche Helfer lässt sich der Aufwand nicht bewältigen: Selin Polat, Neli Steffens und Beta Raji (v.l.) kümmern sich um Brot- und Brötchen-Spenden für die Hildener Tafel. Archiv

Staschik

Ohne ehrenamtliche Helfer lässt sich der Aufwand nicht bewältigen: Selin Polat, Neli Steffens und Beta Raji (v.l.) kümmern sich um Brot- und Brötchen-Spenden für die Hildener Tafel. Archiv

Haan/Hilden. Im vergangenen Jahr sind mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Das haben auch die Tafeln im Kreis Mettmann gespürt. „Wir haben etwa 30 Kunden mehr, aber der Anstieg ist noch verkraftbar“, berichtet Jürgen Mann von der Erkrather Tafel. Sie versorgt rund 300 Bedürftige. Bei der Mettmanner Tafel kaufen 580 Familien ein. Allein im vergangenen Jahr kamen 120 neue Kunden, erzählt Ursula Fleter. „Bei uns war der Höhepunkt kurz vor Weihnachten 2015“, berichtet Hubert Gering, Geschäftsführer des katholischen Sozialdienstes SKFM Haan: „Das hat sich inzwischen auf 125 Gäste im Schnitt pro Ausgabetag wieder normalisiert.“ Das Angebot an Lebensmitteln für die Tafeln sei gut, schwanke aber durchaus: „Im Moment haben wir auffallend viel Fleisch, Brot und Joghurt, aber so gut wie kein Obst.“

Asylsuchende aus Notunterkunft werden nicht unterstützt

Die Hildener Tafel versorgt gut 800 Menschen pro Woche, etwa 50 Bedürftige sind im vergangenen Jahr hinzugekommen, erläutert Hubert Bader, Geschäftsführer des katholischen Sozialdienstes SKFM Hilden: „Wir schaffen es – noch. Wie lange, kann ich nicht sagen.“ Auch Asylsuchende aus der Notunterkunft in der ehemaligen Schweitzer-Schule hätten bei der Tafel vorbeigeschaut. „Wir fragen bei Flüchtlingen jetzt nach“, sagt Bader und ergänzt: „Asylsuchende, die in der Notunterkunft leben, zu versorgen, macht keinen Sinn. Sie erhalten dort Essen und können die Lebensmittel auch gar nicht zubereiten.“

„Wir schaffen es – noch. Wie lange, kann ich nicht sagen.“

Hubert Bader, Geschäftsführer des SKFM Hilden

Die Bedürftigen in Hilden sind inzwischen sehr international. Rund 38 Nationalitäten sind vertreten, schätzt Hubert Bader. Russen, Serben, Ukrainer und Syrer stellen die größten Volksgruppen. Bei der Hildener Tafel kaufen rund 80 Asylbewerber ein. Flüchtlinge erhalten erst eine Tafelkarte, wenn sie sich selbst versorgen müssen. Eine junge Asylsuchende aus Afghanistan arbeitet jetzt als Helferin bei der Hildener Tafel mit, freut sich Bader. Sie sei der erste Flüchtling im Team der rund 80 ehrenamtlichen Mitarbeiter, so der SKFM-Geschäftsführer.

Die Tafeln kämpfen gegen den Vorwurf, nützliche Idioten zu sein

Es hat aber auch schon einen Zusammenprall der Kulturen gegeben. „Ein 23-jähriger Asylbewerber aus Armenien hat bei uns gearbeitet. Anfangs musste er Sozialstunden ableisten, dann hat er freiwillig weitergemacht. Dann stellte sich heraus, dass er nicht mit Frauen zusammenarbeiten konnte. Deshalb haben wir uns von ihm wieder getrennt.“

Die Tafeln sind nur nützliche Idioten. Sie entlasten den Staat bei den Sozialhilfekosten und die Supermärkte bei der Entsorgung ihrer unverkäuflichen Lebensmittel. Diese grundlegende Kritik – wie sie auch Caritas-Bereichsleiter Thomas Rasch vorträgt – begleitet die Tafel-Bewegung seit ihrer Gründung 1993. Was sagt SKFM-Geschäftsführer Hubert Bader dazu? „Wir verhelfen Menschen, die mit wenig auskommen müssen, zu einem zusätzlichen Angebot mit gespendeten Lebensmitteln. Höhere Sozialhilfesätze zu fordern, ist gut und schön. Aber wann kommen die?“

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