In Gruiten kellnert sie im Café im Dorf. In Halle/Saale studiert sie Philosophie und Soziologie. Aber das Herz von Alina Komorek schlägt für den Nepal.

Alina Komorek hält eine Leine mit sogenannten Gebetsfahnen in der Hand, wie sie in Tibet und Nepal üblich sind.
Alina Komorek hält eine Leine mit sogenannten Gebetsfahnen in der Hand, wie sie in Tibet und Nepal üblich sind.

Alina Komorek hält eine Leine mit sogenannten Gebetsfahnen in der Hand, wie sie in Tibet und Nepal üblich sind.

Olaf Staschik

Alina Komorek hält eine Leine mit sogenannten Gebetsfahnen in der Hand, wie sie in Tibet und Nepal üblich sind.

Haan. Nach dem Abi an der Waldorfschule Gruiten im Jahr 2014 hatte sie Alina Komorek die Idee, das fernöstliche Land zu besuchen. „Wegen der Landschaft“, dachte sie damals. Aber einmal im Land angekommen, hat Alina Komorek schnell erkannt, dass die liebenswerten, fröhlichen, bescheidenen und zum überwiegenden Teil bitterarmen Menschen die eigentliche Faszination Nepals ausmachen. Mit einem Geldgeschenk der Großmutter zum Abitur finanzierte Alina Komorek im Jahr 2015 eine dreimonatige Bildungsreise nach Nepal.

Eine Woche vor ihrer Heimreise ereignete sich das Erdbeben

Über eine Vermittlungsagentur lebte sie zunächst in einer Gastfamilie im Süden des Landes. Die abenteuerliche Busfahrt ab der Hauptstadt Kathmandu dauerte für 250 Kilometer sieben Stunden. In einer Privatschule sollte sie Kinder unterrichten – und zwar in Englisch und Mathe. Alina Komorek lernte das Staunen. Viele Kinder mussten erst üben, einen Bleistift zu halten. Schreiben konnten sie nicht. Später sollte „die Junglehrerin“ dann Straßenkindern in der Hauptstadt unterrichten. Der Klassenraum: eine Garage.

In der letzten Woche vor ihrer Heimreise ereignete sich das schreckliche Erdbeben. An die geplante Sightseeing-Tour war nicht mehr zu denken. Aus Angst vor Nachbeben schlief Alina erst einmal auf der Straße. Die auf das Beben folgende katastrophale Hungersnot erforderte schnelles Handeln. Mit Spenden von zu Hause wurde ein Bus gemietet, mit Gemüse, Reis und Zeltplanen bepackt. Ein nepalesischer Freund wusste, wo die Not am größten war. Drei Tage lang fuhren die jungen Leute von Kathmandu aus in die Dörfer. Erschöpft ging es dann in den gebuchten Flieger nach Hause.

Hier angekommen, ließen Nepal und seine schreckliche Armut die junge Frau nicht mehr los. Zwar absolvierte sie ein vorher vereinbartes Praktikum bei einem Verlag in Hamburg. Aber die engen Kontakte mit gleichgesinnten Nepal-Freunden ließen Alina Komorek in vielen Aktionen Geld sammeln für die geplante nächste Reise. Vorträge wurden gehalten, Schulprojekte halfen, eine Spendenbox wurde im Café im Dorf in Gruiten aufgestellt. Denn Clemens und Gabi Hölter, die Caféhausbetreiber, Arbeitgeber und inzwischen Freunde von Alina, unterstützen die junge Idealistin. „Die Spendenbox kommt gut an bei unseren Caféhaus-Besuchern“, sagt Hölter.

Bisher wurden schon 1000 Euro für Alinas Projekt zur Unterstützung von ausgesuchten Studenten zur Verfügung gestellt. In ihrer Stipendiums-Bewerbung schreibt zum Beispiel Dipisha Bhujel (15), dass sie weiter zur Schule gehen möchte, um dann Medizin zu studieren. Sie möchte Landärztin und Kardiologin werden, weil sie weiß, dass viele Nepalesen auf dem Land herzkrank sind. „Ich freue mich, dass ihr uns helfen wollt“, schreibt sie an Alina Komorek.

Elf nepalesischen Schülern will Alina helfen. Und dafür sucht sie Paten. Zwei hat sie schon. Die Finanzierung einer zweijährigen Patenschaft beträgt 50 Euro pro Monat. Neben Privatpersonen könnten zum Beispiel auch Schulklassen eine Patenschaft übernehmen, meint sie. Alinas Traum: Ein Kulturaustausch zwischen Nepal und Deutschland.

Sie wird weiterhin im Café im Dorf kellnern, wenn sie hier ist. Sie will Geld verdienen, damit ein paar nepalesische Jugendliche eine gute Ausbildung erhalten.

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