Dieses Bild ist vermutlich um 1917 entstanden. Zu der Zeit, als die Bahn von der Rheinischen Bahngesellschaft übernommen wurde. Unten: Bahnen vor dem Windhövel in Mittelhaan (um 1960).
Dieses Bild ist vermutlich um 1917 entstanden. Zu der Zeit, als die Bahn von der Rheinischen Bahngesellschaft übernommen wurde. Unten: Bahnen vor dem Windhövel in Mittelhaan (um 1960).

Dieses Bild ist vermutlich um 1917 entstanden. Zu der Zeit, als die Bahn von der Rheinischen Bahngesellschaft übernommen wurde. Unten: Bahnen vor dem Windhövel in Mittelhaan (um 1960).

Spalthoff, Sammlung Kurt Martini

Dieses Bild ist vermutlich um 1917 entstanden. Zu der Zeit, als die Bahn von der Rheinischen Bahngesellschaft übernommen wurde. Unten: Bahnen vor dem Windhövel in Mittelhaan (um 1960).

Haan. Schnell war sie nicht, die Straßenbahn der Linie V, die einst Haan mit Vohwinkel und Benrath verband. Innerhalb der Ortschaften sollte sie höchstens zwölf Stundenkilometer (km/h) fahren, außerhalb durften es höchstens 18 km/h sein. „Und trotzdem wurde die Bahn als Riesenfortschritt betrachtet“, sagt Lothar Weller. Der Vorsitzende des Bergischen Geschichtsvereins Haan hat sich intensiv mit der Geschichte der Linie V beschäftigt, die seit 1899 von Benrath über Hilden und Haan nach Vohwinkel fuhr. Vor fast genau 50 Jahren machte sie ihre letzte Fahrt. Grund genug für Weller und seine Mitstreiter im Geschichtsverein auf dem Bürgerfest am 8. Mai alte Fotos und historische Zeugnisse über die „Bergische Kleinbahn“, wie die „Elektrische“ zunächst hieß, zu zeigen.

1899 war die Strecke zwischen Benrath und Haan fertiggestellt

Deren Anfänge datiert Weller im Jahr 1896. Damals schlossen die Gemeinden Vohwinkel, Haan, Hilden und Benrath mit der Continentalen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Nürnberg einen Vertrag über die Einrichtung einer elektrischen Straßenbahn für den Personen- und Güterverkehr ab, die ihre Gemeinden miteinander verbinden sollte.

Im März 1899 war die Strecke von Benrath bis Haan fertiggestellt. Knapp vier Monate später fuhr die Linie V bis Vohwinkel durch, obwohl ab „Thienhaus“ in Oberhaan technische Schwierigkeiten zu überwinden waren. „Die Bahn brauchte einen eigenen Bahnkörper mit weiten Schleifen, weil sie der Straße über die „Polnische Mütze“ nicht folgen konnte. Begeistert schrieb damals eine Zeitung: „Statt in der Postkutsche langsam auf der holprigen Chaussee dahinzufahren, gleiten wir in eleganten Wagen auf Eisenbahnschienen mit elektrischer Kraft getrieben dahin.“

Und nicht nur für den Personenverkehr war die Straßenbahn eingerichtet worden. „Auch für den Warenverkehr zwischen den Städten war die Linie V wirtschaftlich bedeutend“, sagt Weller. Transportiert wurde damals „alles was nicht stank und von der Größe her in den Wagen passte“.

Verboten war hingegen das Mitnehmen von Hunden und geladenen Gewehren. Nur an den Sonntagen nicht. An diesen Tagen war die Linie V für zahlreiche Familien aus dem Bergischen Land die Möglichkeit, an den Rhein zu kommen. Aber: „Zugestiegen wurde natürlich zu ganz unterschiedlichen Zeiten“, sagt Weller. „Aber zurück wollten alle, sobald die Sonne untergegangen war.“ Lange Schlangen bildeten sich dann an der Haltestelle in Benrath. Aber die Bahn fuhr nur alle 30 Minuten. „Es konnten nicht mehr Bahnen eingesetzt werden. Zum einen, weil es gar nicht so viele Bahnen gab, zum anderem weil die Strecke zum Großteil einspurig war.“

Wie viel eine Fahrt mit der Linie V in ihren Anfangsjahren gekostet hat, ist unklar. Aber eine Fahrkarte von 1946 zeugt davon, dass nach dem Krieg eine einfache Fahrt ohne Umsteigen zehn Pfennig kostete. Polizeibeamten, Gendarmerie-, Kreis- und Gemeindeboten, Vollzugsbeamten und Krankenschwestern durften kostenlos fahren. Das galu auch für uniformierte Feuerwehrleute, aber nur bei Bränden. Allerdings durften die uniformierten Unterbeamten nur Stehplätze einnehmen.

Für seine Ausstellung auf dem Bürgerfest am Sonntag, 8. Mai, 11 bis 19 Uhr, auf dem Neuen Markt, suchen die Historiker noch Fotos, Zeitungsartikel und andere Zeugnisse über die Straßenbahn V.

Lother Weller, Telefon 02104/6 13 75, E-Mail: kamaloewe@t-online.de

Auch nach dem Krieg war die Linie V ein beliebtes Transportmittel, um nach Düsseldorf zu kommen. „Noch Ende der 1950er-Jahre konnte man in der Zeitung lesen, dass die V-Bahnlinie als eine der schnellsten Schmalspurbahnen Westdeutschlands galt“, sagt Weller.

Nach 62 Jahren war die Ära der V-Bahn vorüber

Doch ihr Ende kam schneller als gedacht. Anlass war die Anhebung der Straßenbrücke der B 228 am Haaner Bahnhof, um die bevorstehende Elektrifizierung der darunter hindurch führenden Eisenbahnstrecke zu ermöglichen. Weller: „Am 7. Mai 1961 endet der Straßenbahnbetrieb und wurde 62 Jahre nach Eröffnung der Linie V durch Rheinbahn-Busse ersetzt.“

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