Iris Blum muss nach Weihnachten ihr Spielwarengeschäft schließen.

Handel
Der Ausverkauf läuft: Nach 15 Jahren muss Iris Blum (47) ihr Spielwarengeschäft „Spielmobil“ schließen – weil die Kunden ausgeblieben sind.

Der Ausverkauf läuft: Nach 15 Jahren muss Iris Blum (47) ihr Spielwarengeschäft „Spielmobil“ schließen – weil die Kunden ausgeblieben sind.

Stefan Fries

Der Ausverkauf läuft: Nach 15 Jahren muss Iris Blum (47) ihr Spielwarengeschäft „Spielmobil“ schließen – weil die Kunden ausgeblieben sind.

Haan. Iris Blum hat Tränen in den Augen. Die 47 Jahre alte Haanerin schließt nach 15 Jahren ihr Spielwarengeschäft „Spielmobil“ und gibt damit ihren Lebenstraum auf. Einen 30-prozentigen Rabatt gibt sie auf ihre Waren. Bis zu den Weihnachtstagen will sie noch öffnen. Dann ist Schluss. Für immer. So richtig glauben kann sie es selbst noch nicht.

„Haan ist an manchen Tagen einfach leer.“

Iris Blum, Einzelhändlerin

Fachkundig berät sie auch in diesen Tagen ihre Kunden, geduldig zählt sie den Jüngsten unter ihnen das Wechselgeld ab, während das Telefon im Hintergrund klingelt. Die sonst so vollen Regale mit Karten- und Brettspielen, Holzspielzeug, Zubehör für Puppenstuben oder Kaufmannsladen, Playmobil, Büchern, Heften, Geschenkideen, Karten und vielem mehr leeren sich zunehmend. Die Schilder, die auf den Preisrabatt hinweisen, locken vor allem Mütter und Großmütter in ihr Geschäft.

Das war in den vergangenen Monaten an vielen Tagen nicht der Fall. „Früher waren wir an den Markttagen zu zweit im Laden, so groß war der Andrang.“ Heute schaffe sie das locker alleine und könne nebenbei noch die Bestellungen erledigen. „Haan ist an manchen Tagen einfach leer“, sagt sie.

Kunden erwarten die gleichen Preise wie im Internet

Geschenke, Spielzeug und Bilderbücher würden heute zum größten Teil im Internet eingekauft. „Eigentlich habe ich die vergangenen Monate nur beraten“, sagt Blum.

Kunden hätten ihre Waren mit dem Handy fotografiert, die Preise noch im Laden mit Angeboten im Internet verglichen und Iris Blum dann aufgefordert, ihnen die Spielsachen entsprechend preiswerter zu verkaufen.

„Aber zu den Preisen kann ich die Ware noch nicht einmal einkaufen“, sagt sie schulterzuckend. Die Kunden hätten daraufhin ihr Geschäft mit den Worten verlassen: „Dann sind sie nicht konkurrenzfähig.“

Im November gab es ein dickes Minus

Bereits im Sommer habe sich abgezeichnet, dass die Geschäfte nicht mehr so gut laufen. „Meine Mitarbeiterinnen habe ich damals schon informiert“, sagt Blum. Die Novemberzahlen hat sie dann doch noch abgewartet. „Ich habe ein dickes Minus“, sagt sie. Das könne sie nicht länger finanzieren. „Dann muss man die Vernunft einschalten. Ich kann mich nicht noch höher verschulden, nur weil mir das Geschäft so am Herzen liegt“, sagt sie.

Treue Kunden wie Stefanie Schlegel bedauern die Entscheidung von Iris Blum sehr. „Ich kaufe seit 15 Jahren hier ein“, sagt die Sprachtherapeutin und Mutter von drei Kindern: „Erst für die Arbeit, jetzt für die Kinder.“ Die städtische Wirtschaftsförderung habe sich bereits im Sommer bei ihr gemeldet und Hilfe angeboten. Zwei Gespräche mit Bürgermeister Knut vom Bovert hat Iris Blum ebenfalls geführt. „Aber die Verwaltung kann mir ja auch keine Kunden besorgen“, sagt sie.

Viel dazu sagen will vom Bovert nicht. „Natürlich ist das schade für Haan“, sagt er. Der Einzelhandel habe große Probleme bei den anfallenden Gebühren und Kosten wirtschaftlich zu arbeiten und eine Lücke zu finden, in der er überleben könne.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer