Für die bestehenden Inklusionsklassen ist mehr Personal nötig.

Klasse 7a: Lehrerin Alexandra Sadlik erklärt dem behinderten Philip, wie er die Aufgabe am PC umsetzen kann.
Klasse 7a: Lehrerin Alexandra Sadlik erklärt dem behinderten Philip, wie er die Aufgabe am PC umsetzen kann.

Klasse 7a: Lehrerin Alexandra Sadlik erklärt dem behinderten Philip, wie er die Aufgabe am PC umsetzen kann.

Olaf Staschik

Klasse 7a: Lehrerin Alexandra Sadlik erklärt dem behinderten Philip, wie er die Aufgabe am PC umsetzen kann.

Hilden. Die 2014 gegründete evangelische Gesamtschule an der Gerresheimer Straße hat sich in der Hildener Schullandschaft so gut etabliert, dass die Anmeldezahlen die zur Verfügung stehenden Plätze bei weitem übersteigen. Ein Schwerpunkt der Schule liegt im Bereich der Inklusion. Doch derzeit fehlt es an Fachpersonal.

Kunstunterricht in der 7a. Es geht um die richtige Perspektive. Klassenlehrerin Alexandra Sadlik möchte, dass ihre Schüler ein Haus zeichnen. Und weil man bei diesem Thema genau arbeiten muss, braucht es Ruhe und Konzentration. „Verändere mal diese Linie um wenige Millimeter“, rät Frederik flüsternd seinem Freund Philip und zeigt mit seinem Bleistift auf dessen Computerbildschirm. „Dann wirkt es stimmiger.“

In der ersten Reihe ist Platz für den schweren Rollstuhl

Die beiden Jungen sitzen in der ersten Reihe, dort ist ausreichend Platz für Philips schweren Rollstuhl. „Ich kann das Geodreieck nicht halten“, sagt der Zwölfjährige fast ein wenig entschuldigend dafür, dass er als Einziger am Computer arbeiten darf. Frederik lächelt. „Ich bin noch gar nicht lange in dieser Klasse, aber ich hab mich so schnell an Philip gewöhnt, dass ich nicht mehr mehr wahrnehme, dass er im Rollstuhl sitzt. Philip ist Philip.“ Klassenkamerad Nils nickt zustimmend. „Ich finde das sogar richtig klasse, dass wir hier Kinder haben, die anders sind. Hier wird auch niemand ausgelacht oder so.“

Seit zwei Jahren arbeitet die Sonderpädagogin Alexandra Sadlik jetzt an der evangelischen Gesamtschule, war vorher an klassischen Förderschulen tätig. 29 Schüler sind in ihrer Inklusionsklasse, darunter neben Philip auch noch andere Kinder mit Förderbedarf, mit Autismus oder anderen Auffälligkeiten. Unterstützt wird sie täglich von zwei Integrationshelfern und einer Krankenschwester. „Ich finde, dass der integrierte Unterricht der richtige Weg ist, er hat meiner Meinung nach nur Vorteile. Ganz oben steht die Sozialkompetenz, die Schüler lernen zum Beispiel selbstverständlich Rücksichtnahme und Empathie. Und auch Kinder wie Philip lernen, sich in der Gesellschaft zu behaupten“, erklärt die 29-Jährige.

Kollegin Irina Martens sieht das genauso und widerspricht auch der landläufigen Kritik, Regelschüler würde nicht genügend gefördert. „Jedes Kind ist ein Individuum, ob mit oder ohne Förderbedarf und wir versuchen, jedem mit seinen Stärken und Schwächen gerecht zu werden. Und dadurch, dass es bei uns normal ist, dass die leistungsstarken Kinder die Schwächeren unterstützen, verfestigen sie so das Gelernte.“ Drei Sonderpädagogen als Klassenlehrer der jeweiligen Inklusionsklasse pro Jahrgang beschäftigt die evangelische Gesamtschule derzeit plus drei Diplomsozialpädagogen. Der Schulleiter Guedo Wandrey zieht eine positive Bilanz. „Irgendwie wussten wir ja 2014 alle nicht so recht, was da auf uns zukommt“, sagt er. „Schaffen wir das? Können wir eine gute Inklusionsarbeit leisten? Wir haben alle ganz viel gelernt, wir wurden stark gefordert, wir waren auch manchmal skeptisch und wir sind auch noch lange nicht ausgereift, aber trotz aller Schwierigkeiten: Das ist der richtige Weg. “ Auch in diesem Sommer werden 100 neue Fünftklässler an der Gesamtschule begrüßt werden, darunter auch wieder einige Kinder mit geistigem oder körperlichem Handicap. Guedo Wandrey freut sich auf den neuen Jahrgang, hat aber derzeit ein Problem. „Wir brauchen für die neue Inklusionsklasse dringend einen Sonderpädagogen, bislang haben wir noch keinen gefunden. Dabei bieten wir wirklich außergewöhnlich gute Bedingungen: ein offenes, nettes Team, einen festen Arbeitsplatz, Verbeamtung und Besoldung und viel Platz für Kreativität.“

Gemeinsamer Unterricht erfordert den Einsatz von Geld und Personal, pädagogisch und auch architektonisch manchen Mehraufwand. Die evangelische Kirche ist bereit zu investieren.

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