Am St. Josef Krankenhaus in Haan übernehmen 16 Pflegeschüler sechs Tage lang die Leitung und die Organisation.

Projekt
Alles im Blick: Die Pflegeschüler am St. Josef Krankenhaus in Haan wissen nach dem Führungsprojekt, wie sie Patientenakten führen, Aufgaben verteilen und eine ganze Station leiten können.

Alles im Blick: Die Pflegeschüler am St. Josef Krankenhaus in Haan wissen nach dem Führungsprojekt, wie sie Patientenakten führen, Aufgaben verteilen und eine ganze Station leiten können.

Stefan Fries

Alles im Blick: Die Pflegeschüler am St. Josef Krankenhaus in Haan wissen nach dem Führungsprojekt, wie sie Patientenakten führen, Aufgaben verteilen und eine ganze Station leiten können.

Haan. Blutdruckmessen, das beherrscht Svenja Hessner aus dem Effeff. Anschließend aber die Akte des Patienten zu führen, Kollegen Aufgaben zuteilen und im Prinzip die gesamte Station im Überblick zu behalten – das ist für die 20-jährige Pflegeschülerin Neuland.

„Es ist schon alles etwas chaotischer mit uns.“

Svenja Hessner, Pflegeschülerin, über das Führungsprojekt

Diese Erfahrung machen zurzeit 16 Auszubildende aus den Mittel- und Oberkursen am St. Josef Krankenhaus. Sechs Tage lang übernehmen sie die Leitung auf einer Station des Diabeteszentrums – mit allem was dazugehört: Dienstpläne machen, die Pflege planen, Aufnahmen, Verlegungen und Entlassungen organisieren.

„Es ist schon alles etwas chaotischer mit uns. Wir sind halte viele Schüler auf begrenztem Raum“, sagt Pflegeschülerin Hessner schmunzelnd.

Genauer gesagt sind je acht Schüler pro Früh- und Spätschicht für elf Patienten zuständig. Jeder übernimmt in der knappen Woche einmal die Leitung, „das war besonders merkwürdig, den eigenen Mitschülern Vorschriften zu machen“, sagt Pflegeschülerin Jessica Mokroß.

Alleingelassen werden die Schüler dabei aber nicht: Die Krankenschwestern der Station sowie die Lehrer sind für Fragen offen, halten sich aber im Hintergrund. „Man merkt schnell, wie viel Verantwortung es ist, eine Station zu leiten“, fasst Mokroß zusammen.

Angefangen hat man 2002 in der St. Lukas Klinik in Solingen mit dem Projekt. Nach dem Zusammenschluss zum Katholischen Bildungszentrum Haan (KBZ) wurde seit 2005 das Projekt auch in Haan durchgeführt – allerdings in diesem Jahr erstmals auf einer ganzen Station und nicht nur in einem Teilbereich.

Zurzeit sind in Solingen 34 Schüler am Projekt beteiligt, in Langenfeld 17 und in Haan eben 16.

Neben dem Feedback von Lehrern und Stationsleitern werden auch an die Patienten Auswertungsbögen verteilt, die den Schülern zeigen, wie ihre Arbeit auf der Station wahrgenommen wurde.

Genau das ist auch das Ziel des Projekts, das das Katholische Bildungszentrum Haan auch in Langenfeld, Hilden und Solingen durchführt. „Die Schüler sollen einen realistischen Eindruck von den umfangreichen Aufgaben auf einer Station bekommen“, erklärt Lehrerin Kornelia Butzen. „Und es kristallisieren sich schnell Führungskräfte heraus.“

Noten gibt es dafür nicht, die Erfahrungswerte zählen

So wie Svenja Hessner, die offen zugibt: „Ich habe sogar ein zweites Mal die Leitung übernommen, nachdem eine Kollegin krank geworden ist.“ Sie ist auf den Geschmack gekommen.

Angefangen haben die Schüler vergangenen Samstag, heute ist der letzte Tag, morgen bekommen sie dann ein Feedback. „Noten gibt es dafür aber nicht“, stellt Lehrerin Butzen klar. Die Erfahrung zählt. Und das Verständnis, das die Schüler zukünftig für die Schwestern auf der Station mitbringen.

Denn Kornelia Butzen beobachtet auch: „Die Schüler sind nach der Projektwoche richtig erschöpft und froh, mal wieder einen Gang zurückschalten zu können und nicht alles im Kopf haben zu müssen.“

Die meisten Patienten sehen das Führungsprojekt positiv und profitieren sogar davon: Weil mehr Schüler auf der Station sind, als für gewöhnlich Pfleger und Schwestern, können sie mehr Zeit bei einem Patienten verbringen. Das genießt auch Johann Andreesen und lässt sich gerne von den Schülern den Blutdruck messen – das beherrschen sie schließlich aus dem Effeff.

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