In Gruiten stand bis 1932 der zu seiner Zeit höchste Schornstein Deutschlands. Er gehörte zum Kalkwerk Lindenbeck.

Der untere Teil des Heinhauser Schornsteins war bis zum Abriss zwar schon etwas zugebaut, der Gründerzeitstil war aber noch deutlich zu erkennen.
Der untere Teil des Heinhauser Schornsteins war bis zum Abriss zwar schon etwas zugebaut, der Gründerzeitstil war aber noch deutlich zu erkennen.

Der untere Teil des Heinhauser Schornsteins war bis zum Abriss zwar schon etwas zugebaut, der Gründerzeitstil war aber noch deutlich zu erkennen.

Der untere Teil des Heinhauser Schornsteins war bis zum Abriss zwar schon etwas zugebaut, der Gründerzeitstil war aber noch deutlich zu erkennen.

Die historischen Aufnahmen zeigen den Schornstein der Sinterei Lindenbeck (links) um das Jahr 1930 und den mindestens 20 Meter hohen Schlot des Heinhauser Hofes.

Sammlung Schuster/Archiv Ev.-ref. Kirchengemeinde Gruiten, Bild 1 von 3

Der untere Teil des Heinhauser Schornsteins war bis zum Abriss zwar schon etwas zugebaut, der Gründerzeitstil war aber noch deutlich zu erkennen.

Gruiten. Viele Gruitener dürften ihn nie gesehen haben, nur noch wenige werden sich an ihn erinnern: Gruitens schönsten Schornstein. Er bestach durch seinen schmucken roten Backstein und seinen kunstvollen Unterbau im Stil der Gründerzeit. Dadurch unterschied er sich von allen übrigen Schornsteinen in Gruiten, die – ebenso wie die Fabrikschornsteine – schlicht und zweckmäßig gebaut waren.

Die Rede ist von dem heute nicht mehr vorhandenen Brennerei-Schornstein des Heinhauser Hofes. „Das ist ein großer Hof, der seit mehreren Jahrhunderten unten an der Düssel steht. Der nächste Hof ist der Hof Grund“, sagt Lothar Weller, Leiter des Archivs der Evangelisch-reformierten Gemeinde Gruiten. Dass dieser Hof ebenso wie andere landwirtschaftliche Betriebe im 19. und auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Schnaps und Kräuterliköre brannte, war damals üblich. „Das Brennen brachte einen so guten Nebenverdienst, dass sich sogar der Bau der entsprechenden Anlagen lohnte“, sagt Weller.

Als die Zeit der Brennereien zu Ende ging, büßte Gruitens schönster Schornstein zwei Drittel seiner Höhe ein. „Ich schätze, dass er gut 20 Meter hoch war“, sagt Weller. Bis in die 1980er-Jahre blieb das untere, schöne Drittel stehen. „Es ist sehr schade, dass es nicht erhalten wurde“, bedauert Weller. Aber immerhin gibt es noch Fotografien, die den schmucken Schlot zeigen. „Dem früheren Gruitener Rektor Schuster ist es zu verdanken, dass die Aufnahmen erhalten geblieben sind“, sagt Weller: „Sein Sohn hat an uns gedacht und uns die Dia-Sammlung seines Vaters vermacht.“

In einer ehemaligen Fabrik werden am Samstag Kinder betreut

Die Aufnahme zeigt nicht nur Gruitens schönsten Schornstein. Im Hintergrund ist ein weiteres, eindeutig schlichteres Exemplar zu erkennen: Der Schornstein der Fabrik Edelhoff, einer Weberei, der einst auf dem Dorfanger stand. „Am Samstag betreut in den Resträumen der Fabrik mit den Sheddächern die evangelisch-reformierte Gemeinde Mädchen und Jungen in ihrer Kindertagesstätte“, sagt Weller. Und zum einstigen Schornstein der Weberei ergänzt er: „Er war zwar mächtig, kam aber an den zu seiner Zeit höchsten Schornstein Deutschlands nicht heran.“

Der gehörte zu einem Kalkwerk, genauer gesagt zur Sinterei Lindenbeck, die in der Senke beim Hof Ehlenbeck stand. Im Jahr 1932 wurde er gesprengt, nachdem die Produktion dort bereits Anfang der 1920er-Jahre eingestellt worden war. Der Betrieb wurde verlagert und bis Mitte der 1960er-Jahre an der Fuhr fortgesetzt.

Die ersten hohen Fabrikschlote entstanden zu Beginn der Industrialisierung und sind eine Weiterentwicklung der bei Hochöfen gemachten Erfahrungen. Sie wurden meistens aus sehr heiß gebrannten Ziegeln rund aufgemauert. Manche Fabrikbesitzer ließen die Schlote außen künstlerisch ausgestalten oder mit Kacheln verkleiden. In der Gründerzeit wurden Fabrikschlote öfter so platziert, dass sie dem jeweiligen Stadtviertel ein prägendes Bild gaben. Heute sind manche dieser besonders schön gemauerten Exemplare als Industriedenkmäler gewidmet.

Er ist Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Haan und betreut das Archiv der Evangelisch-reformierten Gemeinde Gruiten.

Ernst und Fritz Breidbach erstellten zu Lebzeiten 69 Ordner und 2500 Dias, um die Geschichte Gruitens in Bild und Wort festzuhalten. Margarete Breidbach, die Tochter von Ernst, stellte dieses historische Material vor mehr als drei Jahren dem Archiv der Gemeinde zur Verfügung. Seitdem ist Lothar Weller mit der Sichtung und Auswertung beschäftigt.

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