Der Kreis bezahlt Schäfer, damit sie mit den Tieren bestimmte Flächen beweiden. Ein Beispiel.

Der Kreis bezahlt Schäfer, damit sie mit den Tieren bestimmte Flächen beweiden. Ein Beispiel.
Schäfer Peter Hennemann mit seiner Herde.

Schäfer Peter Hennemann mit seiner Herde.

Köhlen

Schäfer Peter Hennemann mit seiner Herde.

Haan. Susanne und Peter Hennemann betreiben die letzte Schäferei in Haan. Mit den Tieren übernehmen sie für den Kreis Mettmann einen Teil der Landschaftspflege. Reich werden kann man damit nicht. Die Sonne scheint, ein leichter Wind bewegt die Blätter der vielen Bäume im Düsseltal. Auf einer saftigen Wiese mit hohen schattenspendenden Bäumen grasen friedlich Schafe, fast jedes von ihnen mit einem Lamm an seiner Seite.

Bordercollie-Hündin hat die Herde fest im Blick

Peter Hennemann hält einen Augenblick inne. „Für diese Momente macht man das alles, für diese Augenblicke des Friedens, einen Moment inne halten, das ist es, was die Schäferei so wertvoll macht.“ Dann „fängt“ sich der 49-Jährige wieder und lässt Annie aus dem großen Pickup. Sofort verharrt die schwarz - weiße Bordercollie-Hündin in geduckter Starre, wie hypnotisiert erfasst ihr Blick die Herde. Der Schäfer gibt nur ein einziges kurzes Kommando „come by“ und Annie sprintet los, treibt die Tiere im Uhrzeigersinn Richtung Schäfer, der so die Möglichkeit hat, die Schafe aus der Nähe auf ihren Allgemeinzustand hin zu begutachten. Gemeinsam mit seiner Frau Susanne und Tochter Leonie lebt der gebürtige Baden-Württemberger auf Gut Kamphausen zwischen Haan und Gruiten, ein erstmals 1575 in Urkunden erwähnter kleiner uriger Bauernhof inmitten unberührter Natur. Hühner picken und scharren auf einer kleinen Hangwiese, Katzen schlafen auf Steinmauern in der warmen Maisonne, die Hunde chillen auf der Terrasse oder im Hof.

Zwei sind gerade mal vier Monate alt und haben ihr Leben als Hütehund noch vor sich. „Das sind die beiden letzten Welpen aus unserem ersten Bordercolliewurf“, erklärt Susanne Hennemann und knuddelt die Hundekinder, „sie werden ausschließlich in die Schäferei vermittelt, sie sind Arbeitstiere, sie müssen ihrem Wesen entsprechend gefördert und eingesetzt werden.“

Das Ehepaar betreibt mit seinen Schafen Vertragsnaturschutz, sie beweiden Flächen des gesamten Kreises, teilen sich diese Aufgabe mit zwei weiteren Schäfern und erhalten dafür Geld vom Kreis.„Die Beweidung durch Schafe hat viele Vorteile: sie grasen nicht einheitlich ab, so wie bei der Mahd einheitlich geschnitten wird, und bieten so wertvolle Lebensgrundlage für viele Tierarten“, weiß Klaus Adolphy von der Unteren Landschaftsbehörde, zuständig für die Beweidung. „Allerdings sind nicht alle Flächen geeignet, zum Beispiel sehr feuchte Standorte nicht.“ 110 Tiere der Rassen Wildshire Horn oder Graugehörnte Heidschnucke weiden derzeit an verschiedenen Stellen, unter anderem auf dem alten Segelflugplatz. „Wir investieren sehr viel in die Schäferei, viel mehr Zeit als manche glauben“, sagt Susanne Hennemann, die nebenbei im Betreuungsdienst arbeitet und mit ihrer Hündin Cati Kindergärten und Altenheime besucht. „Manchmal ist alles wirklich sehr viel, aber wenn man dann zu den Schafen fährt und etwa beobachtet, wie sie nach einer kahl gefressenen Wiese auf eine neue bewucherte Weide kommen und vor Glück losrennen – dann geht einem einfach nur das Herz auf.“

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