1097 Haaner und Gruitener stecken so tief in den roten Zahlen, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommen.

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Kein Geld in der Tasche – für neun Prozent der Haaner und Gruitener ist das traurige Wahrheit. Archiv

Kein Geld in der Tasche – für neun Prozent der Haaner und Gruitener ist das traurige Wahrheit. Archiv

Kein Geld in der Tasche – für neun Prozent der Haaner und Gruitener ist das traurige Wahrheit. Archiv

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Kein Geld in der Tasche – für neun Prozent der Haaner und Gruitener ist das traurige Wahrheit. Archiv

Haan. Es sind etwa 100 Frauen und Männer, die Heinrich Beyll jedes Jahr berät. In mehr als der Hälfte der Haushalte, die das Fachwissen und die Kompetenz des Diplom-Sozialarbeiters in Anspruch nehmen, sind auch Kinder betroffen. Beyll ist Schuldnerberater bei der Caritas im Kreis Mettmann und verfolgt mit Sorge die Überschuldung bereits junger Menschen. 15 bis 20 Prozent seiner Klienten sind jünger als 25 Jahre.

„Es ist auch die Unerfahrenheit im Umgang mit Verträgen, die junge Menschen in die Schuldenfalle treibt.“

Heinrich Beyll, Schuldnerberater bei der Caritas im Kreis Mettmann

„Die sind zum Beispiel scharf auf ein neues Handy, schließen dafür einen Zwei-Jahres-Vertrag ab, zahlen dann aber nur die ersten drei Monate die fälligen Gebühren“, sagt Beyll. Weil das Mobilfunkunternehmen beim Ausbleiben der Zahlungen Schadensersatzforderungen stellt, wird aus eigentlich 150 Euro, die für drei Monate nicht bezahlt wurden, schnell ein Schuldenberg von 1300 bis 1400 Euro.

Auch die erste Wohnung werde für junge Leute zur Schuldenfalle, wenn sie die laufenden Verpflichtungen unterschätzen, der Partner auszieht, und sie nicht wissen, dass sie dann die gesamte Miete plus Nebenkosten aufbringen müssen. „Es ist auch die Unerfahrenheit im Umgang mit Verträgen, die junge Menschen in die Schuldenfalle treibt“, sagt Beyll.

„Für mich ist es wichtig, dass diese Menschen ihre Miete und Stromrechnung bezahlen können sowie Geld haben für ihren Lebensunterhalt im bescheidenen Rahmen“, sagt Beyll. Erst dann widme er sich der Schuldentilgung. „Das ist im Grunde eine klassische Haushaltsberatung“, sagt er.

Jugendliche Schuldner werden in der Statistik nicht erfasst

Laut Schuldenatlas der Wirtschaftsauskunft „Creditreform“ gelten in Haan 2156 Menschen über 18 Jahre als überschuldet, 1097 davon als so genannte „harte Schuldner“, die so tief in den roten Zahlen stecken, dass sie aus eigener Kraft nicht mehr aus der Schuldenfalle kommen.

Im vergangenen Jahr hat Schuldnerberater Heinrich Beyll 100 Frauen und Männer aus Haan beraten. 20 Prozent davon waren Alleinerziehende, in mehr als 50 Prozent der Haushalte waren auch Kinder betroffen. 40 Prozent von ihnen haben einen Arbeitsplatz. In 41 Fällen hat Beyll 2010 Privat-Insolvenz angemeldet.

Der Diplom-Sozialarbeiter hält seine Sprechstunden in Haan, Breidenhofer Straße 1, montags von 15 bis 17 Uhr, sowie donnerstags von 8.30 bis 11.30 Uhr ab. Termine mit ihm müssen telefonisch unter der Rufnummer 02104/92 62 38 vereinbart werden.
www.caritas-mettmann.de
 

Wahrscheinlich liegt die Zahl der überschuldeten Menschen in Haan noch ein wenig höher, weil Jugendliche in der Statistik nicht erfasst werden, sie aber auch schon Schulden haben. Und: „Elektronik-Fachmärkte vergeben Kleinkredite zur Finanzierung von Laptops oder Fernseher an Kunden, obwohl deren Schufa kaputt ist“, sagt Beyll: „Das ist diesen Unternehmen vollkommen nebensächlich.“

Im Kreis Mettmann belegt Haan den fünften Platz

Mit ihrer Schuldenquote von neun Prozent liegt Haan auf Platz fünf der zehn Städte im Kreis Mettmann. Geringer ist die Quote in Erkrath (8,9 Prozent), Langenfeld (7,9), Mettmann (7,5) und Ratingen (7,5). Vor vier Jahren lag die Quote der überschuldeten Verbraucher über 18 Jahre in Haan bei 10,3 Prozent, 2008 sank sie auf 9,6 Prozent, lag 2009 bei 8,8 Prozent und stieg dann im vergangenen Jahr wieder an.

Doch nicht nur von Jahr zu Jahr schwankt die Quote, auch innerhalb Haans gibt es Unterschiede: In Gruiten liegt sie mit 7,5 Prozent deutlich niedriger als in Haan.

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