Hinter dem Freundeskreis für Behinderte liegt ein schwieriges Jahr. In den kommenden Monaten sollen vor allem neue Mitglieder geworben werden.

Empfang
Margit Thomas, Beisitzerin im Freundeskreises für Behinderte und Nichtbehinderte, begrüßte beim Neujahrsempfang des Vereins im Awo-Treff für Alt und Jung unter anderem Winfried Dietrich.

Margit Thomas, Beisitzerin im Freundeskreises für Behinderte und Nichtbehinderte, begrüßte beim Neujahrsempfang des Vereins im Awo-Treff für Alt und Jung unter anderem Winfried Dietrich.

Stefan Fries

Margit Thomas, Beisitzerin im Freundeskreises für Behinderte und Nichtbehinderte, begrüßte beim Neujahrsempfang des Vereins im Awo-Treff für Alt und Jung unter anderem Winfried Dietrich.

Haan. Kaum etwas deutet darauf hin, dass dies kein Kaffeekränzchen wie jedes andere ist. Nicht einmal die drei Rollstuhlfahrer fallen zwischen den anderen Mitgliedern im Awo-Treff besonders auf.

Aber obwohl man es den rund 30 Gästen bei Orangensaft und Sekt nicht ansieht, ist Behinderung ein Thema für alle – als Behinderter oder Angehöriger. „Ausschlaggebend ist, wie gut man zurecht kommt“, sagt Peter Kuhn, Vorsitzender des Freundeskreises für Behinderte und Nichtbehinderte in Haan.

Christel Pauli besuchte vor sechs Jahren zum ersten Mal den Freundeskreis im Awo-Haus, nachdem ihr Mann Peter schwer erkrankt war. „Er kam nach 32 Wochen im Rollstuhl nach Hause“, erinnert sich die Hochdahlerin.

Das Erlebnis, wie sie als Ehepaar auf der Straße gemieden wurden, wie in der Eisdiele drei Plätze neben ihrem Mann frei blieben, war einschneidend. „Ich wollte gern mit Leuten sprechen, die auch betroffen sind“, erinnert sie sich.

Zuerst kommen die Menschen, weil sie jemanden zum Zuhören brauchen

Auch nachdem es ihrem Mann viel besser geht und er wieder laufen kann, besuchen die Paulis regelmäßig die Nachmittage des Freundeskreises, finden den Austausch sehr angenehm.

Der Freundeskreis für Behinderte und Nichtbehinderte wurde 1984 gegründet. Die 36 Mitglieder des Vereins treffen sich monatlich für Gespräche, Ausflüge oder Vorträge im Awo.-Treff für Alt und Jung, Breidenhofer Straße 7, Telefon 02129/25 50.

Der nächste Nachmittag des Freundeskreises findet am Sonntag, 13. Februar, statt. An diesem Tag fährt der Kreis zur Vorstellung des Apollo Varietés nach Düsseldorf. Wer noch mitfahren möchte, muss sich im Awo-Treff anmelden.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 12 Euro. Finanziell unterstützt wird der Freundeskreis durch Zuschüsse der Stadt Haan und durch die Stadt-Sparkasse Haan.

Der städtische Behindertenbeauftrage Peter Kuhn, Telefon 0175/ 298 64 01, stellt Kontakte zu dem Verein her.

„Die Leute kommen zunächst nicht für ein Gespräch, sondern weil sie jemanden brauchen, der ihnen zuhört“, sagt Kuhn. Später entstehe dann das Bedürfnis nach konkretem Rat, etwa über Behördenangelegenheiten.

Wer den Weg zu den Treffen nicht aus eigener Kraft schafft, wird von Awo-Geschäftsführerin und Vereinsmitglied Margit Thomas mit dem rollstuhltauglichen Bus abgeholt.

Die Mitglieder des Vereins kennen jede Ecke in Haan

Sehr nützlich für den Verein findet Kuhn die Ortskenntnis der Teilnehmer: „Wir haben Mitglieder in jeder Ecke Haans. Die kennen die Situation zur Barrierefreiheit.“ Ein Thema, das für Kuhn als ehrenamtlicher, städtischer Behindertenbeauftragter alltäglich ist.

Die neue Rampe am Schwimmbad befürwortet er: „Es gibt 200 Behinderte, die um die Situation im Gebäude wissen und das Bad nutzen.“ Ihnen solle der Zutritt auf jeden Fall erleichtert werden.

Bei der Diskussion um eine Fußgängerinsel auf der Kaiserstraße hingegen hat er sich dagegen ausgesprochen. Es sei gefährlich, wenn Bürger mit Rollator erst vor dem Bus auf die Straße treten müssen, bevor sie sehen, ob der Weg frei ist. „Ich vertrete Behinderte aller Art“, sagt der Vorsitzende. Was der einen Gruppe nütze, solle der anderen nicht schaden.

Für den Freundeskreis sei das vergangene Jahr schwierig gewesen: „Wir hatten innerhalb weniger Monate drei Vorsitzende, da bleibt wenig Zeit für anderes“, sagt Kuhn. Im beginnenden Jahr möchte er vor allem neue Mitglieder gewinnen.

„Jeder zehnte Haaner hat eine Behinderung“, fügt er hinzu. Darunter seien viele junge Leute. Die Treffen sollen weiter an Wochenenden stattfinden, damit sie sich möglichst wenig mit der Arbeitszeit der Mitglieder überschneiden.

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