Paul Zimmermann hat auf Facebook eine Seite mit abgerissenen Häusern erstellt. Es verschwinden immer mehr historische Gebäude.

Malermeister Paul Zimmermann, hier vor dem Haus Walder Straße 4, hat ein „Haaner Abrissalbum“ mit Fotos angelegt.
Malermeister Paul Zimmermann, hier vor dem Haus Walder Straße 4, hat ein „Haaner Abrissalbum“ mit Fotos angelegt.

Malermeister Paul Zimmermann, hier vor dem Haus Walder Straße 4, hat ein „Haaner Abrissalbum“ mit Fotos angelegt.

Olaf Staschik

Malermeister Paul Zimmermann, hier vor dem Haus Walder Straße 4, hat ein „Haaner Abrissalbum“ mit Fotos angelegt.

Haan. Wenn Paul Zimmermann zur Kamera greift, dann bedeutet das nichts Gutes. Denn meistens führt ihn dann sein Weg zu Häusern, die bald abgerissen werden sollen. Paul Zimmermann fotografiert sie, bevor ihr Anblick Vergangenheit ist. 26 Fotos sind so schon in seinem „Haaner Abrissalbum“ auf Facebook zusammengekommen. Die alte Gärtnerei an der Thienhauser Straße ist genauso darunter wie Hof Beerenkamp an der Kampstraße. „Diese Häuser sind alle weg, und der allergrößte Teil ist in den letzten zehn Jahren verschwunden“, sagt Zimmermann, der als Malermeister so manches Gebäude auch von innen kannte.

„Das Stadtbild verändert sich nicht unbedingt zum Guten“

Warum er irgendwann mal zur Kamera griff? „Mir ging das auf den Keks, dass so viele alte Gebäude verschwanden. Und es wurden immer mehr. Ich möchte, dass sich die Leute zumindest Gedanken darüber machen, was hier passiert. Dass sich das Stadtbild verändert, und das nicht unbedingt zum Guten. Haan wird charakterloser. Und diese Entwicklung ist nicht gut.“

Auch den geplanten Abriss des Fachwerkhauses an der Kölner Straße 74 bedauert das ehemalige Vorstandsmitglied des Bergischen Geschichtsvereins. Er sei Teil einer unglücklichen Entwicklung: „Haan liegt im Speckgürtel von Düsseldorf. Da werden immer mehr teure Miet- und Eigentumswohnungen gebaut. Was ich als Problem ansehe, ist, dass Haaner Wohnungen für alte Menschen nicht mehr bezahlbar sind.“

Ein Positivbeispiel sind für ihn die Häuser an der Walder Straße. Von der Nummer vier weiß er, dass sich darin eine barocke Holztreppe befindet. Und während er das – vor dem Hause stehend – erzählt, öffnet wie zur Bestätigung der Mit-Eigentümer Burkhard Waeger die Türe und gibt bereitwillig den Blick auf ein reich verziertes, hölzernes Treppengeländer und historische, bunte Fliesen im Flur frei. Eine Augenweide.

Das Haus ist schon lange in Familienbesitz. „Meine Eltern haben viel investiert, dass das auch so bleibt“, sagt Waeger nicht ohne Stolz. Und schon sind beide geschichtsbegeisterten Männer mitten in der Diskussion. Denn der Erhalt alter Häuser hat auch Nachteile: „Denkmalschutz muss praktikabel sein“, sagt Waeger und deutet auf die einfach verglasten Fenster. Sie müssen laut Denkmalschutz erhalten bleiben, vermögen aber sein Haus weder gegen Lärm, noch gegen Kälte zu isolieren. Fördermittel gebe es kaum noch oder gar nicht mehr. Somit werden die Kosten für den gesellschaftlich gewünschten Erhalt historischer Gebäude ganz auf die Eigentümer abgewälzt.

„Da müsste Haan mehr tun, auch die Besitzer fördern“, sagt Waeger. Und Zimmermann nickt. Historische Gebäude dürfen sich verändern, denn in ihnen wird gelebt, findet er. Doch er schränkt mit Blick auf die Kölner Straße 74 ein: „Aber es muss ja nicht gleich abgerissen werden.“ So weit ist es allerdings noch nicht. Wie Dr. Helmtrud Köhren-Jansen vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland erklärt, „liegt momentan noch kein Abbruchantrag für das Fachwerkhaus vor“. Das Amt will nun prüfen, ob das Fachwerkhaus auf Dauer erhaltenswert ist.

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