Stefan Scheidtweiler ist Kantor der katholischen Kirchengemeinde. Bei langen Autofahrten hat er den Kopf frei für neue Werke.

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Stefan Scheidtweiler leitet die verschiedenen kirchenmusikalischen Gruppen der Katholischen Kirchengemeinde St. Chrysanthus und Daria und St. Nikolaus Gruiten.

Stefan Scheidtweiler leitet die verschiedenen kirchenmusikalischen Gruppen der Katholischen Kirchengemeinde St. Chrysanthus und Daria und St. Nikolaus Gruiten.

Stefan Fries

Stefan Scheidtweiler leitet die verschiedenen kirchenmusikalischen Gruppen der Katholischen Kirchengemeinde St. Chrysanthus und Daria und St. Nikolaus Gruiten.

Haan. Kalendarisch fordert die Vorweihnachtszeit Stefan Scheidtweiler alles ab. Denn was ein engagierter Kantor ist, der hat in dieser Phase des Jahres neben vielen Proben einiges an Konzerten zu absolvieren. "Die Leute denken ja gerne, ach, der hat abends mal eine halbe Stunde Chorprobe und ansonsten macht der sich einen Bunten", sagt der 33-Jährige und lacht.

"Ich arbeite mit der Freizeit anderer Menschen"

 

Kantor Stefan Scheidtweiler

Seit Januar 2002 ist der studierte Kirchenmusiker in Haan. "Meine erste Stelle", bemerkt er stolz. Als wesentliche Aufgabe beschreibt er die Leitung der kirchenmusikalischen Gruppen. "Wenngleich der Verwaltungsaspekt gegenüber den musikalischen Aufgaben durchaus überwiegt." Lieber als über Organisationsaufgaben und Papierkram hinter den Kulissen zu reden, spricht er über die schönen Wirkmöglichkeiten der Musik und zählt flink auf, für wen er alles verantwortlich zeichnet und zusammenarbeitet.

Da sind einerseits der Kirchenchor Gruiten und der junge Chor St. Nikolaus ("mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren stimmt die Bezeichnung durchaus"), das Pfarrorchester und die Choralschola, die sich gregorianischen Gesängen widmet. Angebote im Kinder- und Jugendbereich komplettieren das Repertoire, wobei auch in Haan wie überall in der Republik ein gewisses Nachwuchsproblem zu konstatieren ist. Singen wird als öffentliche Äußerung inzwischen nur noch wenig gepflegt. Doch auch bei diesem Aspekt ist Stefan Scheidtweiler pragmatisch.

Anstelle über die Zusammenlegung mancher Chöre zu weinen, widmet er sich lieber dem erst im September 2009 gegründeten Kammerchor. "Wenn man ein paar Jahre in einer Stadt arbeitet, entwickeln sich Kontakte. Die haben wir musikalisch gebündelt und arbeiten auf hohem Niveau mit 28 Leuten in diesem Chor."

Was er macht, macht er richtig und engagiert - und mit viel Spaß. "Gottesdienstliches Orgelspiel ist eine tolle Sache, aber nicht der Schwerpunkt meiner Arbeit." Dementsprechend macht das Orgelspiel maximal zehn Prozent seiner Arbeit aus. Stattdessen ist es auch die Leitung drei freiee Chöre, die ihre Zeit fordern. "Und Klavierschüler habe ich auch."

Die Umsetzung von Melodie und Text ist Handwerk

"Ich arbeite mit der Freizeit anderer Menschen", beschreibt der ursprünglich aus der Eifel stammende Mann, der in seiner Freizeit schon mal sportlich aktiv im Fitnessstudio seines Vertrauens wird und nach eigenem Bekunden "sehr gerne" liest. Bei historischen Romanen entspannt er. Und hat so den Kopf frei für eine weitere Leidenschaft: das Komponieren. "Kompositionen finden im Kopf statt", erklärt er. Wenn er lange Strecken im Auto fährt, bekommt er den "schön frei, dann bin ich allein, dann kann ich arbeiten". Das Umsetzen von Melodie und Text, also die Vervollständigung, sei Handwerk. "Das passiert dann am Klavier." "Die Gemeinde singt meine Lieder rauf und runter, damit quäle ich sie", scherzt Stefan Scheidtweiler. Weil er aber nicht nur engagiert, sondern auch um das Wohl seiner Mitmenschen bemüht ist, ist letzteres wirklich schwer vorstellbar.

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