Projekt: Die Diakonie vermittelt Frauen aus Osteuropa als Betreuerinnen im Haushalt.

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Annette Brückner (links), Leiterin der Diakoniestation Haan, und ihre Stellvertreterin Jutta Piontek organisieren und betreuen das Projekt „Lebensfreude 24“.

Annette Brückner (links), Leiterin der Diakoniestation Haan, und ihre Stellvertreterin Jutta Piontek organisieren und betreuen das Projekt „Lebensfreude 24“.

Stefan Fries

Annette Brückner (links), Leiterin der Diakoniestation Haan, und ihre Stellvertreterin Jutta Piontek organisieren und betreuen das Projekt „Lebensfreude 24“.

Haan. "Es ist völlig legal, und es ist abgesichert. Das kann man guten Gewissens machen", sagt Pfarrerin Gabriele Gummel. Als Seelsorgerin kennt sie die Sorgen und Nöte älterer Menschen und deren oft ausgeprägten Wunsch, in den eigenen vier Wänden zu leben - auch wenn ihnen die Versorgung des eigenen Haushalts oder das Einkaufen schwer fällt.

"Die Betreuerinnen machen keine Behandlungspflege."

Annette Brückner, Leiterin der Diakoniestation Haan

Seit einigen Jahren stellen Familien für die Versorgung ihrer Angehörigen auch Kräfte aus Osteuropa an, stellen ihnen ein Zimmer zur Verfügung und beschäftigen sie illegal. "Wir wollen, dass diese Schwarzarbeit aufhört", sagt Annette Brückner. Die Leiterin der Haaner Diakoniestation stellte gestern das Projekt "Lebensfreude 24" vor, das in Kooperation mit der Agentur "Lebenswert24" mit Sitz in Petershagen ganz legal erfahrene und geschulte Betreuerinnen aus Osteuropa in Haan und den neun anderen Städten des Kreises Mettmann vermittelt.

Die Frauen haben eine Zusatzqualifikation

Seit September läuft die Vermittlung unter der Leitung von Annette Brückner, die die Frauen aus Ungarn, Rumänien und Polen auswählt. Sie haben ganz unterschiedliche Berufe erlernt, sind Kindergärtnerinnen oder Bibliothekarinnen. Sie haben eine Zusatzqualifikation erworben und einen Sprachkurs besucht, um in Deutschland arbeiten zu können.

"Sie übernehmen in erster Linie hauswirtschaftliche Aufgaben und Grundpflege, wie das Duschen oder Baden der betreuten Menschen", sagt Jutta Piontek, seit 1. September stellvertretende Leiterin der Diakoniestation Haan. "Aber sie machen keine Behandlungspflege", betonen die Pflegedienstleiterinnen. "Sie wechseln keine Verbände und verabreichen keine Medikamente", sagt Brückner.

Die 24-Stunden-Betreuung funktioniert nicht immer

Bislang hat sie eine Frau nach Hochdahl und zwei Frauen nach Haan vermittelt. "In Hochdahl läuft es nach einer Gewöhnungsphase jetzt gut", sagt die Pflegedienstleiterin. Sie weiß, dass es Zeit braucht, bis sich die Menschen aneinander gewöhnt haben. "Viele leben seit Jahren allein. Dass sie plötzlich Tag und Nacht jemanden um sich haben, ist für viele am Anfang nicht ganz einfach." In Haan beispielsweise hat die 24-Stunden-Betreuung nicht funktioniert. "Die an Demenz erkrankte Dame kam damit gar nicht klar", sagt Brückner.

Das Engagieren einer geschulten Betreuerin aus Osteuropa kostet monatlich 2000 bis 2500Euro (das Pflegegeld kann dafür eingesetzt werden) und setzt ein eigenes, abschließbares Zimmer für die Betreuerin voraus. Der Lohn der Betreuerinnen, die vor allem hauswirtschaftliche Aufgaben erledigen, liegt bei 1300 bis 1500Euro. Mehr Infos zu diesem Angebot gibt es bei der Servicegesellschaft der Diakonie, Bahnstraße64, in Erkrath, bei Annette Brückner, Telefon 02129/3475730 sowie per E-Mail: lebensfreude24@diakonie-kreis-mettmann.de

Die Diakoniestation Haan hat seit 1. September eine neue stellvertretende Leiterin: Jutta Piontek (48). Sie ist gelernte Krankenschwester und engagiert sich seit elf Jahren in der Haaner Diakoniestation, die heute 80 Patienten mit 19 Mitarbeiterinnen betreut.

Im Frühjahr dieses Jahres hat die Diakonie eine Service-Gesellschaft gegründet, die hauswirtschaftliche und soziale Dienstleistungen vermittelt. Kontakt: Telefon 0211/280703-48 (montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr).

In der Regel bleiben die Frauen - die bislang ausgewählten waren zwischen 40 und 60 Jahre alt - drei Monate in Deutschland, dann reisen sie für zwei bis vier Wochen zurück in ihre Heimat. In dieser Zeit zieht eine zweite Betreuerin zu ihrer Kundin. "In der Regel müssen sich die Menschen an zwei Betreuerinnen gewöhnen", sagt Brückner, die einmal im Monat einen Kontrollbesuch macht. Sie ist von dem Konzept überzeugt. Denn die Betreuerinnen seien versichert, erhalten ein festes Gehalt und haben - wie die Kunden, die ihre Dienste in Anspruch nehmen - mit Brückner eine feste Ansprechpartnerin.

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