Hinter dieser weißen Wand stecken die Reste des alten Wohnturms. Zur Linken der Tür steht eine verputzte Bruchsteinwand.
Hinter dieser weißen Wand stecken die Reste des alten Wohnturms. Zur Linken der Tür steht eine verputzte Bruchsteinwand.

Hinter dieser weißen Wand stecken die Reste des alten Wohnturms. Zur Linken der Tür steht eine verputzte Bruchsteinwand.

Paul Zimmermann steht in seinem Zufallsfund, dem über 500 Jahre alten Fenster. Hier vermutet er die alte Außenwand des Wohnturms.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Hinter dieser weißen Wand stecken die Reste des alten Wohnturms. Zur Linken der Tür steht eine verputzte Bruchsteinwand.

Haan. Dass Paul Zimmermanns Elternhaus alt ist, das war dem Malermeister und Schriftführer des Bergischen Geschichtsverein seit frühester Kindheit klar. Jüngste Erkenntnisse des Freizeit-Historikers im eigenen Haus haben aber Funde zutage gebracht, die die Geschichte von Kamphausen 2 neu schreiben könnten.

Kamphausen liegt nördlich des Hühnerbachs in Elscheidt, auf der Grenze zwischen Haan und Gruiten. Im Zentrum der Gebäudeansammlung steht ein mitteldeutsches Querdielenhaus aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts mit durch die Jahre verkrümmten gewaltigen Balken und Fachwerk. Im Inneren ist jeder Raum anders, keine Decke und kein Fußboden gerade, keine Tür gleicht der anderen und es ist gemütlich verwinkelt.

Rund um den Zentralbau, bislang hielt Zimmermann ihn für den ältesten Teil des Anwesens, zeugen Anbauten jüngeren Datums vom jahrhundertelangen Wachstum des Bauernhofes.

Im Januar, Zimmermann führte Renovierungsarbeiten im linken Teil des Zentralbaus durch, stieß er hinter Tapeten und Putz auf eine Bruchsteinwand und ein Stück höher auf eine verschlossene Fensteröffnung. Ihm war sofort klar, dass er eine alte Außenwand vor sich haben musste. Beim weiteren Freilegen der Wand stieß er dann auf altes Fachwerk.

Der Ausgangsbau des Hauses könnte mehr als 500 Jahre alt sein

„Anhand der Fachwerkkonstruktion sieht man, dass das ziemlich alt ist“, sagt Zimmermann. Die Bauweise, laut Fachliteratur handelt es sich um Kopfstreben, ist eine der ältesten Konstruktionsarten. Wie alt sein Fund genau ist, da will er sich nicht festlegen. „Irgendwann zwischen dem Ende des 15. und dem Anfang des 16. Jahrhunderts“, sagt er. Zimmermann vermutet nun, dass der Ausgangsbau seines Hofes ein hoher, schmaler mittelalterlicher Wohnturm, ein sogenannter Steingaden war, an den später Stück für Stück angebaut wurde.

Zimmermann stützt seine Annahme auf Indizien

Erstmals urkundlich erwähnt wird Kamphausen um das Jahr 1575 in Urkunden der katholischen Kirchengemeinde Erkrath. Als abgabepflichtig für den „Zehnten“ werden die Namen Adolf to Kamphausen und Jarop to Kamphausen.

Wissenschaftlich unwiderlegbare Beweise für seine Erkenntnisse hat Paul Zimmermann nicht. Eine dendrochronologische Untersuchung, bei der das Alter der verwendeten Eichenstämme ermittelt wird, ist teuer und, so Zimmermann, nicht immer zuverlässig. „Die Leute haben früher auch viele Teile mehrfach verwendet.“ Er stützt sich auf alte Unterlagen, die seinen Hof erwähnen und auf die Bauweise des Gewölbekellers, der sich nur unter dem Bereich erstreckt, wo er den Wohnturm vermutet. Außerdem seien alle Höfe in der Umgebung aus der Zeit um 1450. Dass da viele Jahre später noch ein Hof hinzugekommen sein könnte, hält er für unwahrscheinlich. „Da war das ganze Land ja längst aufgeteilt“, sagt Zimmermann.

Der Aufarbeitung der Geschichte von Gut Kamphausen, wo seit 1743 nachweislich Zimmermanns Vorfahren leben, wähnt sich Paul Zimmermann nun ein weiteres Stückchen näher. „Das Gebäude hat über die Jahrhunderte alles miterlebt. Das ist wirklich interessant“, sagt er begeistert.

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